30.4.2026 Camping du Cap Fréhel, Côte d`Émeraude
Das Cap Fréhel ist eigentlich auch ein Touristenmagnet in der Bretagne. Von daher waren wir uns gar nicht sicher, ob wir hier einen schönen, nicht so vollen und ruhigen Platz finden würden. Große Freude, wir haben einen gefunden. Wunderschön gelegen mit hohem Baumbestand, wo uns ein Kuckuck von oben herab den ganzen Tag mit seinem Lied beschallt. Wir haben Blick auf das Meer und gerade einen phantastischen Sonnenuntergang verpasst. Helga war zu faul, am Abend noch einmal zum Strand hinunter zu gehen. So haben wir gerade noch die blutrote Sonne hinterm Horizont verschwinden sehen.
Wie das Glück es will, beginnt auf diesem der Gemeinde gehörenden Campingplatz die Saison erst im Juni, doch für autarke Fahrzeuge ist der Aufenthalt auch in der Nebensaison erlaubt, Sanitäranlagen sind noch geschlossen, aber wir benötigen ja sowieso nur die Ver- und Entsorgung. Morgens gegen neun Uhr soll jemand von der Gemeinde vorbeikommen, um die Gebühren von 5 Euro pro Nacht zu kassieren. Für diesen tollen Platz ein richtiges Schnäppchen.
Wir hoffen, dass der Wetterbericht für morgen hält, was er verspricht. Dass es trocken bleibt, damit wir eine Radtour über das Cap machen können. Heute war uns einfach nur nach Ausruhen. Samstag und Sonntag ist Regen vorhergesagt, aber das kann sich ja noch ändern.
29.04.2026 - Die Côte de Granit Rose, bretonisch: Aod ar Vein Ruz
Es ist 14 Jahre her, dass wir zuletzt an der Rosa Granitküste waren. Damals hatten wir durch Zufall das sagenhafte Glück, hier eine Springflut erleben zu können (Bilder davon haben wir im Blog 2019 eingestellt). Das war ein berauschendes Erlebnis. Aber auch heute hat die Szenerie nichts von ihrer Faszination verloren, auch wenn keine meterhohen Wellen gegen die Felsen branden und das Meer dank des etwas stürmischen Windes zur Zeit nur Schaumkronen trägt.
Heute Morgen hat es noch geregnet, aber gegen Mittag können wir bei Sonnenschein los radeln hinunter zum Strand von Ploumanac'h. Hier zeigt sich selbst heute an einem Wochentag, dass man diese Region als die Hauptattraktion der Bretagne bezeichnen kann. Es ist sehr viel mehr los als am Wochenende in Meneham. Den Leuchtturm erreicht man nur zu Fuß über die Zöllnerpfade, den Sentier des “Douaniers,“ hier verläuft sich dann die Menschenmenge Gott sei Dank.
Der heutige Leuchtturm von Ploumanac'h wurde im Übrigen erst 1948 erbaut, nachdem deutsche Truppen den ursprünglichen Turm von 1860 im Kriegsjahr 1944 zerstört hatten. Sein sehr passender bretonischer Name lautet Phare de Mean Ruz, Leuchtturm aus rotem Stein.
Auf einem dem Strand vorgelagerten Felsen am Hafen von Ploumanac'h steht eine kleine Gebetskapelle mit der Statue des Heiligen St-Guirec, die nur bei Ebbe zugänglich ist. Dieses Oratorium wurde im 13. Jh. an der Stelle erbaut, an der St-Guirec im 5. Jahrhundert nach seiner Überfahrt in einem Steintrog (man beachte!) aus Wales kommend die Küste erreicht hätte.
"Dieses Oratorium beherbergte eine Holzfigur des Heiligen. Ihr wurde eine bemerkenswerte Fähigkeit nachgesagt: Wenn ein heiratswilliges Mädchen mit einer Nadel dem Heiligen-Abbild in die Nase stach und diese dort stecken blieb, so sollte dieses Mädchen noch im selben Jahr verheiratet sein. Durch die fortgesetzte Nutzung litt die Heiligenfigur aber so sehr, dass sie 1904 gegen eine andere aus rosa Granit ersetzt wurde."
Ursprünglich wollten wir drei Nächte hier auf dem Stellplatz verbringen, haben uns aber heute entschlossen, morgen weiterzufahren. Die 49 WoMo-Plätze sind zwar im Moment noch nicht ganz ausgebucht, trotzdem ... es ist uns zu voll, man steht zu eng und aus den Nachbar-WoMo's kläffen die mitgeführten Hunde. Mal schauen, dass wir für die nächsten Tage über den 1. Mai und das Wochenende irgendwo an einem nicht so touristisch beliebten Ort einen ruhigeren Platz finden.
27.04.2026 - Camping Plage de Meneham - Kerlouan
Meneham ist seit 1975 ein 387,42 Hektar umfassendes denkmalgeschütztes Areal mit einem Dorf, in dem früher Bauern, Fischer und Tangsammler lebten, dazu gehören Dünen und Wiesen und mehrere Strände mit riesigen bizarr geformten Felsen und ein weites Meeresgebiet. Das älteste Gebäude von Meneham ist das um 1756 errichtete, malerisch von Felsen gerahmte Wachhaus, das Corps de Garde. Erst 1996 verließ die letzte Bewohnerin das Dorf. So, wie Meneham heute zu erleben ist, verdankt es seiner Renovierung in den Jahren 1996 bis 2008. Inzwischen ist das Dorf ein gelungenes Museums-Ensemble, das auch ein Restaurant und einige kleine kunsthandwerkliche Läden beherbergt.
Eine kleine Ausstellung widmet sich der Entstehung der Legende um die Schiffsplünderer von Meneham. Na also ... so lief es wohl schon immer.
Das Backhaus zeigt nicht nur, wo und wie die Einwohner früher ihr Brot gebacken haben, sondern auch mit einer Comic-Zeichnung an der Wand ein Beispiel französischen Humors. Doch selbst nach Übersetzung stehen wir weiterhin im Dunkeln und verstehen irgendwie nicht so recht, wo sich der Witz versteckt hat. Liegt wahrscheinlich an den sowieso humorlosen Deutschen.
Der Corps de Garde liegt von der Dorfseite versteckt inmitten der riesigen Felsen. Um zum Eingang zu gelangen führt der Weg mitten durch diese Giganten hindurch. Beeindruckend und mystisch, als wenn man als Zwerg auf die Welt gekommen ist . Heiko klettert natürlich auch weiter hinauf auf den Felsen, um von dort oben einen Blick auf die Bucht zu erhaschen.
Den Rundgang durch das Dorf am Vormittag beschließen wir mit einem Mittagessen im "Bistrot des légendes Meneham". Es gibt ein Plat du Jour mit Fish, Gemüse und, ganz typisch für die Bretagne, als Beilage Buchweizen. Helga hat Fish & Chips auf bretonische Art mit einem Erbsenpüree und lecker zubereitetem Dip. Dazu genehmigen wir uns eine Flasche Cidre - mit nur 2,5 % Alkohol können wir das auch schon mitten am Tag vertragen.
Bevor es zurück zu Leo geht verweilen wir noch eine Weile bei den Felsen am Strand. Wir fühlen uns inmitten dieser Riesen ganz klein und versuchen uns vorzustellen, wie diese wohl entstanden sein mögen. Es hat wohl etwas mit vulkanischen Aktivitäten zu tun. Egal ... der Anblick ist fantastisch.
26.04.2026 - Camping Plage de Meneham - Kerlouan
Viele Schiffe erlitten in früheren Zeiten Schiffbruch an den felsigen Küsten des Finistere. Im September 1869 sendete der Leuchtturm "Phare de Pontusval" das erste Mal Licht-Signale zur Sicherheit der Seeschifffahrt. Heute ist er eines der als historische Denkmäler klassifizierten 14 Leuchttürme im Finistere.
Bei Pontusval handelt es sich um ein Leuchtturmhaus, Haus und Leuchtturm bilden eine Einheit und interessanter Weise war von 1968 bis 2003 eine Frau, Marie-Paule Le Guen, Leuchtturmwärterin, was in der Geschichte der Leuchttürme wohl ziemlich selten sein dürfte. Seit 2003 ist der Leuchtturm automatisiert, aber Frau Le Guen hatte das Recht erhalten, auch weiterhin im Haus zu leben, erst 2023 ist sie wohl ausgezogen, wie man lesen kann.
Und natürlich ist der Leuchtturm ein Besuchermagnet, inmitten dieser fast surrealen Kulisse gigantischer Felsformationen, umspült von glasklarem blau-grünem Wasser und einem feinen Sandstrand, der den Karibikstränden in nichts nachsteht.
Das Wetter meint es weiterhin gut mit uns. Nach morgendlichem Nebel wird der Tag sonnig und warm. Beg-Pol, an deren Spitze sich der Leuchtturm befindet, ist nur eine kurze Radtour von unserem Campingplatz entfernt. Also schwingen wir uns auf die Sättel und bewundern aufs Neue die Szenerie, es ist ja nicht das erste Mal, dass wir hier sind. Gefühlt haben wir wohl schon jede Felsformation und auch den Leuchtturm von allen Seiten abgelichtet (im Blog-Eintrag 2019 sind ein paar Bilder zu finden).
Etwas weiter im Ort befindet sich eine bemerkenswerte kleine Kapelle, die "Pol Chapel", die wir auf unseren vorherigen Besuchen nie auf dem Schirm hatten. Man würde wohl nicht eigens ihretwegen einen Ausflug hierher machen, dennoch hat der Ort viel Charme und eine interessante Geschichte, wie man auf einer außen angebrachten Tafel lesen kann. Und natürlich hält diese Kapelle auch eine Legende bereit ... wie soll es anders sein an der Küste der Legenden.
"St. Pol (Paul Aurélien) einer der sieben Evangelisten-Heiligen der Bretagne, verließ Cornwall im 6. Jahrhundert, überquerte den Ärmelkanal und landete auf Quessant. Von dort gelangte er in mehreren Etappen über Beg Pol nach Brignogan. Der Überlieferung zufolge soll er hier in diesem steinernen Trog an Land gegangen sind (oder war es vielleicht ein behauener Steinblock, der als Ballast für sein Boot diente?). Aus Respekt und Frömmigkeit wollten die Einwohner diesen Trog nach Plounéour-Trez, dem Hauptort der Gemeinde, transportieren. Es gelang ihnen, ihn mit Pferden bis zum höchsten Punkt des Ufers zu ziehen, doch jedes Mal, wenn sie ihn weiter transportieren wollten, rissen die Seile. Da alle Bemühungen, ihn weiter zu bewegen, vergeblich waren, erkannten Sie, dass der Heilige wollte, dass sie an dieser Stelle eine Kapelle errichten. Die heutige Kapelle wurde inmitten der Felsen an der Stelle früherer Kapellen erbaut. Sie wurde 1870 teilweise wieder aufgebaut und 1999 restauriert und beherbergt die Tränke des Heiligen Pol. In der Nähe befindet sich ein Kalvarienkreuz, das zur gleichen zeit wie die frühere Kapelle errichtet wurde, sowie ein Wachhäuschen, das Teil des alten Küsten-Überwachungsnetzes ist, das Vauban Ende des 17. Jh eingerichtet hatte.
Zahlreiche Legenden ranken sich um die Pol Kapelle: So heißt es, dass, wenn ein Seemann ertrinkt, sein Leichnam drei Tage, nachdem in der Kapelle eine Messe für ihn gelesen wurde, an Land gespült wird."
25.04.2026 - Camping Plage de Meneham - Kerlouan
„Die Legende der Schiffbrüchigen: Zahlreiche Schiffe sind an den Küsten des Pays Pagan zerschellt. Der Legende nach waren feindlich gesonnene Bewohner für diese Unfälle verantwortlich. Man erzählt, sie seien des Nachts über die Dünen spaziert, eine Laterne in der Hand, mit der sie die Boote an die Küste lockten, an der diese dann zerschellten…."
Dies ist nur eine der zahlreichen Geschichten, die sich um diese Region ranken. Legenden um Menhire und Fabelwesen ... das ist wohl das keltische Erbe, das es zu erhalten gilt:
"Um all diese Legenden zu erhalten und weiterzugeben – oder auch um neue Geschichten zu erfinden – wurde die Organsiation fabrique de l’Imaginaire ins Leben gerufen. Einmal im Jahr findet ein 3-tägiges Festival statt, in dem es nur um Geschichten und Legenden geht."
Hier an der Küste der Legenden am Ende der Welt, im Weiler von Menez-Ham bei Kerlouan ... kurz gesagt, an einer der für uns schönsten Ecken der Bretagne sind wir heute auf einem hinter bewachsenen Dünen geschützten Stellplatz angekommen. Das Wetter kann man sich nicht besser wünschen, warm und fast windstill.
Für heute haben wir keine Radtour geplant, sondern sind erst einmal nur oberhalb des herrlichen weißen Sandstrandes spazieren gegangen. Eine traumhaft schöne Bucht mit feinem, weißen Sandstrand und riesigen Felsformationen die jetzt bei Ebbe völlig frei liegen.
24.04.2026 - Stellplatz direkt am Meer - Lampaul-Plouarzel
Gestern haben wir uns ein Stück weiter nach Norden bewegt ... immerhin rund vier Kilometer. Ein naturbelassener Stellplatz am Meer. Dazu Sonne satt, 23 Grad und heute weht für bretonische Verhältnisse nur ein ganz leichter Wind. Wir schwingen uns auf die Räder und erkunden erst einmal die Buchten in der näheren Umgebung, kaufen im Ort in der Boulangerie frisches Brot, und dann geht's ein paar Kilometer entlang der Küste zu dem kleinen Hafen "Port de l'Aber Ildut". Es sind wirklich nur ein paar wenige Kilometer, aber die Wege in der Küstenregion sind nicht ganz so easy zu fahren, wie die flachen Strecken entlang der Flüsse. Es geht ziemlich rauf und runter, aber letztendlich ist es gut zu bewältigen.
Und auf der Wiese neben unserem Standplatz, tummeln sich so manche Vögelchen. Ein Grund für Heiko die Kamera mit dem langen Objektiv zu nutzen und zu warten wer sich in erreichbare Nähe traut.
21.4.2026 Stellplatz oberhalb der Plage de Ruscumunoc, Plouarzel
Im Oktober 2019 haben wir schon einmal auf diesem Platz gestanden. Damals war es stürmisch, auch heute geht eine steife, kühle Brise. An dem einzigen, einigermaßen vom Wind verschonten Platz direkt am Heck von Leo können wir bei 17° trotzdem zum Kaffee und selbst gebackenem Kuchen die Sonne genießen. Die brennt so stark, dass wir acht geben müssen, uns keinen Sonnenbrand zu holen. Von unserem ziemlich hoch gelegenen Wohnzimmerfenster aus, haben wir über die Hecken hinweg einen schönen Blick über die Keltische See.
Eine Radtour ist für heute gestrichen. Gegen den Wind anzutreten, müssen wir nach der gestrigen Rüttel-Schüttel-Tour im Moment nicht haben, für heute ist Erholung angesagt. Vielleicht haben wir später Lust auf einen kleinen Spaziergang.
20.04.2026 CampingCarPark Saint-Goazec
Inzwischen befinden wir uns im Departement Finistère in St-Goazec am Fluss L'Aulne. Ein vorerst letztes Mal wollten wir eine entspannte Radeltour entlang des Nantes-Brest-Kanals unternehmen. Von den bisherigen Pfaden entlang der Ufer waren wir ja verwöhnt. Na ja ... wer sich gerne einmal beim Radeln so richtig durchrütteln lassen und seine Kondition steigern möchte, dem empfehlen wir unsere heutige Strecke von Saint-Goazec nach Châteauneuf-du-Faou und hinauf in den Ort. Auch das Tal der Aulne ist wie die vorherigen Flüsse wunderschön, aber die Asphaltdecke des Uferweges ist in einem katastrophalen Zustand und das Gerüttel und Geschüttel nervt und tut den Gelenken gar nicht gut. In Châteauneuf-du-Faou wollten wir frisches Brot einkaufen, haben aber den steilen Anstieg vom Ufer hinauf in den Ort nicht bedacht. Das ist Helga heute zu viel des Guten, sie meint, das Fahrrad war schuld. Wir geben auf und machen uns auf den Rückweg. Auch wenn es diesmal nur 16 Kilometer waren es reicht uns für heute.
18.4.2026 Aire de pique-nique an der Chapelle du Gohaze, Saint-Thuriau
Abfahrt Richtung Pontivy
Selbst durch die Stadt Pontivy lässt es sich entspannt auf dem Radweg entlang der Blavet fahren. Wir haben uns heute kein Ziel gesetzt, mal schauen, wie lange wir Lust haben. Nach gut 12 Kilometern erreichen wir die Schleuse "Écluse de guernal". Ein kleiner Foto-Stop, dann geht es zurück. In Pontivy müssen wir für eine kurze Strecke den Radweg verlassen, um bei Lidl frisches Brot und Fleisch zum Grillen einzukaufen. Es ist zwar nicht unbedingt gefährlich innerorts mit dem Rad unterwegs zu sein, aber Spaß macht es bei dem Autoverkehr nicht und wir sind erst wieder entspannt als wir wieder auf dem Pfad am Fluss angekommen sind. Auch heute waren es insgesamt 24 Kilometer.
17.4.2026 Aire de pique-nique an der Chapelle du Gohaze, Saint-Thuriau
Unser Standort am Kanal Blavet oben Kanal Nantes - Brest rechts der Blavet Kanal unsere heutige Radtour
Seit gestern stehen wir an einem anderen der vielen bretonischen kanalisierten Wasserwege, der Le Blavet. Die Blavet trifft bei Pontivy auf den Nantes-Brest-Kanal, und fließt als Blavet-Kanal vorbei an Hennebont bei Lorient in den Atlantik.
Der Parkplatz liegt an der alten Kapelle von Gohaze und ist mit seinen Pique-Nique-Tischen und Bänken ein beliebter Rastplatz für Ausflügler. Tagsüber ist der Platz gut besucht, am Abend und in der Nacht herrscht Stille.
Vom "Wohnzimmerfenster" aus beobachten wir ein Nutria-Pärchen im Wasser, das auch schon gestern Abend Blätter von den herabhängenden Zweigen pflückte. Am Morgen ist die Welt dunstverhangen, aber schon bald heben sich die Dunstschleier und wir brechen nach dem Frühstück zu einer kleinen Radtour auf den Treidelpfaden entlang des Ufers auf. Unser Ziel ist die Crêperie le Chalet in Saint-Nicolas-des-Eaux. Herzhaft gefüllte Galettes aus Buchweizen stehen hier neben süßen Crepes auf der Speisekarte. Sehr lecker zusammen mit einem bretonischen Cidre.
Erneut stellen wir fest, dass für gestresste, Ruhe suchende Menschen diese Radtouren an den Ufern der Kanäle und Flussläufe in der Bretagne das Paradies schlechthin sind. Während die Füße sich bewegen, kann man die Seele baumeln lassen.
15.4.2026 Am Port Rohan, Chemin du Halage - am Canal de Nantes à Brest (L'Oust Canalisé)
Gegen halb zwölf mittags radeln wir los, immer am Kanal entlang bis Saint-Gérand. Die Sonne verschanzt sich hinter Wolken, weiter hinten dräuen diese ziemlich dunkel. Abhalten lassen wollen wir uns davon heute aber nicht, nachdem uns schon gestern bei regnerischem, kühlen Wetter nicht nach einer Radtour war. Eigentlich ist dieses Wetter gar nicht so verkehrt zum Radeln, kommen wir doch nicht so leicht ins Schwitzen. Die meiste Zeit weht ein kühler, aber gut auszuhaltender leichter Wind. Doch ab und an, wenn der Kanal eine Biegung macht, faucht er uns ganz schön heftig und kalt entgegen.
Es ist kein Wunder, dass diese Treidelpfade entlang des Nantes-Brest-Kanals viele Menschen zu langen Radtouren einladen. Natur pur und Stille, der Radler kann sich ganz auf sich und seine Umwelt konzentrieren. In ein/zwei Wochen werden die Ufer mit gelben Lilien gesäumt sein, einige Blüten sind schon jetzt aufgebrochen. Graureiher lauern auf Beute, von vorbeifahrenden Rädern lassen sie sich nicht stören, aber wehe man steigt ab um zu fotografieren ... weg sind sie. Vereinzelte Kormorane haben ihren Ausguck in den Baumwipfeln. Bevor wir uns versehen, bringt sich ein Bieber (oder doch eine Nutria) kurz vor uns in Sicherheit, und schwimmt wohl zu dem unter Wasser liegenden Eingang seines Baus. Kurzum ... die Tour gefällt uns ausnehmend gut. Obwohl der Weg überwiegend flach ist, sind leichte Steigungen durchaus vorhanden. Auf den rund 15 Kilometern bis zu unserem Ziel regulieren rund 20 Schleusen den Höhenunterschied der Wasserstraße.
Am Dorfplatz in Saint-Gérand, gegenüber der Kirche liegt unser Ziel: das Restaurant "Le Nantes à Breizh". Ein für diese Region typisches Lokal mit einfachem aber schmackhaftem Mittagessen.
Nach dem Essen sind wir gestärkt für den Rückweg. Doch kaum treten wir aus der Tür überrascht uns der Regen, der uns bis zu unserem Platz und Leo begleitet. Aber der Wind hat nachgelassen, es ist nicht kalt ... und das Beste ist, anders als auf dem Hinweg geht es jetzt flussabwärts mit rund sechs Stundenkilometern schneller voran. Unsere Outdoor-Klamotten aus Schweden halten uns trocken und warm, nur wenig Feuchtigkeit dringt zu den Shirts durch. Am Abend ist alles wieder getrocknet.
13.4.2026 Am Port Rohan, Chemin du Halage - am Canal de Nantes à Brest (L'Oust Canalisé)
Am Nachmittag erreichen wir Rohan, ein kleiner Ort im Morbihan. Der Stellplatz lieg direkt am Fluss Oust, der ab hier - bis er bei Redon in die Vilaine mündet - zu einem Teil des Nantes-Brest-Kanals wird. Schon einmal, im Jahr 2019 hatten wir entlang des Kanals eine schöne, insgesamt 55 Kilometer lange, Radtour unternommen, von Malestroit aus nach Josselin und zurück.
Für morgen/übermorgen haben wir uns vorgenommen von Rohan aus entlang des Kanals ins ungefähr 15 Kilometer entfernte Städtchen Saint-Gérand zu radeln - wenn denn das Wetter mitspielt und die Tage nicht verregnet sind. Heute wäre dafür ein angenehmer Tag gewesen mit strahlendem Sonnenschein und ein paar Wolken. Doch wir kommen erst am Nachmittag an und es soll mal wieder etwas Selbstgekochtes geben, nachdem in den letzten Tagen die Küche in Leo kalt geblieben ist. Nach dem Essen ist es uns zu spät, und mit vollem Magen radelt es sich nicht so gut.
Es ist ein sehr schönes, ruhiges Plätzchen hier am Fluss. Ein paar Boote liegen im winzigen Hafen, es steht noch ein zweites WoMo hier, ansonsten herrscht Stille, die nur durch die vereinzelten Radler unterbrochen wird, die am Kanal unterwegs sind. Wer fit ist und Lust dazu hat, kann den gesamten Kanal in seiner Länge von 396 Kilometern entlang radeln. Wir bescheiden uns mit einzelnen, kurzen Etappen.
12.4.2026 "La Bidonnière" in Ardevon am Le Mont-Saint-Michel
Unseren Aufenthalt auf dem privat geführten Stellplatz "La Bidonnière" haben wir gestern morgen um zwei Tage verlängert, werden heute die fünfte Nacht hier verbringen und morgen weiterreisen. Gestern gab es tagsüber stürmischen Wind, was uns veranlasst hat, lieber auf eine Radtour zu verzichten, haben stattdessen mit Leo in Pontorson bei Lidl einen kleinen Einkauf erledigt.
Die Radtouren durch die überwiegend flache Landschaft, mit dem Mont-Saint-Michel immer im Blick machen Spaß. Auch wenn - wie heute - einem kalter Wind um die Ohren pfeift. Hauptsache die Wolken lassen der Sonne genügend Raum, den Klosterberg anzustrahlen und es regnet erst dann, wenn wir uns sowieso gerade im Restaurant eine Pause gönnen.
Der Duft von Flieder liegt in der Luft, Blauregen blüht an den Natursteinwänden der normannischen Häuser, der Raps steht in Blüte, Schafe weiden auf den weiten Salzwiesen. Wäre da nicht dieser besondere Felsen im Meer und am Wegesrand blühende Orchideen, man könnte sich manchmal glatt an die Schleswig-Holsteinische Nordseeküste versetzt fühlen. Na ja ... "Galettes", die bretonischen Buchweizen-Pfannkuchen, und süße Crêpes sucht man bei uns im Norden ja doch meist vergeblich.
9.4. 2026 Stellplatz "La Bidonnière" Ardevon am Le Mont-Saint-Michel

Es ist Jahre her, dass wir zuletzt am Mont-Saint-Michel waren. Das erste Mal muss 1982 gewesen sein. Schon damals war die Insel ein Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt. Trotzdem waren es keine Menschenmassen und es war noch möglich, gemächlich die pittoresken Gässchen hoch zu der über allem thronenden Abtei zu schlendern und dabei die mittelalterlichen Gebäude und Atmosphäre zu genießen, wenn auch schon damals sich ein Souvenierladen an den anderen reihte.
2011 haben wir das letzte Mal den Klosterberg besucht. Der Mont-Saint-Michel ist inzwischen nach dem Eifelturm das meistbesuchte Wahrzeichen Frankreichs. Es lässt sich denken, dass er inzwischen zu den meisten Zeiten förmlich aus den Nähten platzt und ein Besuch keine Freude mehr ist.
Nichtsdestotrotz ist die Bucht des Mont-Saint-Michel einen Aufenthalt wert. Die eindrucksvolle Felseninsel bietet aus den verschiedensten Perspektiven herrliche Anblicke und die Gegend lässt sich gut mit dem Fahrrad erkunden. Deshalb haben wir uns einen Platz etwas weiter vom Besucheransturm entfernt gesucht. Was eine sehr gute Entscheidung war. Absolut ruhig stehen wir hier mit nur einer Handvoll anderer WoMo's.
In den letzten Jahren wurde viel zur Renaturierung der Bucht getan. Früher verband ein Damm die Insel mit dem Festland. Wir konnten noch mit der Lola bis an den Fuß des Berges heranfahren, dort waren große Parkplätze angelegt. Dieser Damm war ursprünglich im 19. Jh. angelegt worden, um den Pilgern einen sicheren Zugang zu gewähren. Nur hat dieser im Laufe der Jahrzehnte mit dazu beigetragen, dass die Bucht versandete. Früher oder später wäre der Damm gar nicht mehr nötig gewesen, um trockenen Fußes zu dem Klosterberg zu gelangen. Inzwischen führt eine Brücke zum Fuß der Insel. Diese ruht auf Stahlrohren mit Zwischenabständen von je 12 Metern, zwischen ihnen haben die Gezeiten in der Bucht freies Spiel. Große Parkplätze wurden rund 2,5 Kilometer vom Mont-Saint-Michel entfernt angelegt und zur Insel kommt man jetzt nur noch mit Elektrobus-Shuttle, zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
7.4. 2026 Arromanches-les-Beins
Ein nettes Plätzchen am Wasser hatten wir uns für heute gewünscht. Es ist zwar kein "Plätzchen", sondern ein ausgewachsener großer Platz, der Raum für 50 WoMo's bietet. Eigentlich viel zu groß für unseren Geschmack. Doch der Besuchersturm der Ostertage ist vorbei und so stehen wir hier mit nur wenigen Wohnmobilen oberhalb der Klippen und genießen den herrlichen Blick.
Arromanches-les-Bains ist heute ein Badeort mit rund 550 Einwohnern. Die Besuchermassen besonders in den Sommermonaten kommen wegen der Geschichte des 2. Weltkrieges. Reste des von den Alliierten nach dem 6. Juni 1944 angelegten künstlichen Hafens sind vor allem während der Ebbe auch von unserem Standort gut zu erkennen. "Diese von den Alliierten am Tag nach dem 6. Juni 1944 eingerichtete Infrastruktur ermöglichte die Landung von 9 auf 22.000 Tonnen Material pro Tag auf dem Höhepunkt der Schlacht. Der so genannte Hafen Mulbery wurde am 14. Juni in Betrieb genommen und spielte für die Alliierten eine entscheidende Rolle, da die Tiefwasserhäfen noch in feindlicher Hand waren."
6. April, Ostermontag, Domaine du Pressoir in Touques
Heute ist ein richtig schöner Frühlingstag bei Sonnenschein und 18°. Das genießen wir natürlich ausgiebig und wollen mit dem Fahrrad hinunter in den kleinen Ort Touques und weiter Richtung Meer nach Trouville und Deauville. Heidewitzka ... hinunter sind wir in Windeseile, ständig müssen wir bremsen, um nicht zu viel Fahrt zu gewinnen. Heiko hatte ja schon am ersten Tag eine Erkundungstour hinunter gemacht, er wollte herausfinden, wo wir am nächsten Morgen unsere Croissants herbekommen können und kam ziemlich abgekämpft zurück. Die Strecke den Hügel rauf hat es ganz schön in sich, warnt er mich. Nach langer Stahlross-Abstinenz hat er nicht ganz unrecht mit der Sorge, ich könnte das nicht schaffen. Jedenfalls fallen am nächsten Morgen die Croissants aus. Wir haben noch Schwarzbrot in der Reserve, das muss ja auch gegessen werden. Außerdem regnet es am Morgen und der Wind ist nicht von schlechten Eltern. Dann eben noch ein fauler Tag mehr.
Also, wie gesagt, wir sind schnell in Touques angekommen. Die Straßen im Ortskern sind eng, hier dürfen keine WoMo's durch. Ab hier sind es nur noch drei Kilometer bis Trouville. Die Orte gehen ineinander über und so richtig Freude macht die Fahrt nicht mit ständig Pkw's hinter einem, die darauf warten überholen zu können, alle wollen nach Trouville. Eigentlich war uns das klar, an einem Feiertag. Am Ortseingang von Trouville sehen wir schon von Weitem den Trubel, Fahrzeuge ohne Ende, in den Restaurants ist sowieso kein Platz zu bekommen. Darauf haben wir überhaupt keine Lust. Schnell ein paar Fotos aus der Ferne machen und zusehen, dass wir in das kleine ruhige Torques zurückkommen.
In der Brasserie "Au Bon Normand" gehen wir essen ... schließlich brauchen wir Stärkung für den Anlauf den Berg hinauf. Am Ende ist auch das geschafft, wenn auch mit hängender Zunge und einem kurzen Schwächeanfall (Helga). Nun wird in der Sonne gechillt (Neudeutsch für faulenzen).
Etliche WoMo's sind am Nachmittag bereits abgereist, zwei sind neu hinzugekommen, jetzt stehen wir nur zu dritt auf dem Platz. Morgen soll es noch wärmer werden (23°). Mal sehen, dass wir einen netten Platz am Wasser finden.
05.04.2026 Stellplatz in Touques Domaine du Pressoir in Touques
Samstag, 4. April Domaine du Pressoir in Touques
Die letzten vier Tage haben wir einfach nur die Seele baumeln lassen. Das Wetter war Normandie/Atlantik entsprechend für diese Jahreszeit. Von Sonne bis Regen, von seichtem bis kaltem Wind war alles dabei.
Am 1. April haben wir eine etwas unangenehme Überraschung erlebt, leider kein Aprilscherz. Für einige Europäische Staaten haben wir einen Transponder für die Maut auf den Autobahnen. So können wir ohne langen Bezahlvorgang problemlos und schnell durch die Mautstationen fahren. Man fährt langsam an die Schranke heran und normalerweise öffnet sich diese noch bevor man ganz angekommen ist. Normalerweise. Diesmal wollte das aber auf einem der Autobahnabschnitte nicht klappen. Wir standen vor der Schranke, die sich überhaupt nicht bewegte. Zunächst waren wir ziemlich ratlos, hinter uns waren die Lkw-Fahrer wahrscheinlich ziemlich genervt und mussten sich anders einordnen. Heiko setzte Leo mehrmals zurück und wieder vor - wohl war uns nicht dabei - das ist schließlich verboten. In so einer Situation ist man ja erstmal etwas aufgeregt. So hat es eine Weile gedauert, bis wir den Service-Knopf gefunden und gedrückt haben. Tja ... wie schon erwartet, spricht in diesem Land am anderen Ende kaum jemand Englisch. Aber irgendwann sprach eine weibliche Person drei französisch gefärbte englische Worte, die bei dem Straßenlärm kaum zu verstehen waren. Wir sollten den Wagen zurück und wieder vor fahren, drei-vier Mal ging das so. Die Schranke bewegte sich erst nach einer gefühlten Ewigkeit. Wir waren heilfroh als es endlich weiter ging. Erst dachten wir es läge an unserem Transponder, dem war aber nicht so. Auch einige andere Fahrzeuge hatten Probleme, aber die kamen natürlich schneller mit dem Servicepersonal klar.
Nun wollen wir erst einmal ans Wasser. Zwei Tage bleiben wir auf dem relativ großzügigen Stellplatz in Veulettes-sur-Mer, auf dem wir schon einmal vor 15 Jahren standen. Bloß haben wir das inzwischen vergessen, bevor nun langsam die Erinnerung zurück kommt.
"Der Küstenabschnitt der Gemeinde Veulettes-sur-Mer ist größtenteils durch Steilküsten geprägt, die bis zu 70 Meter über die Brandung aufragen. Die nordöstliche Grenze der Gemeinde markiert der Küstenfluss Durdent, der hier in den Ärmelkanal mündet. Nahe der Durdentmündung besteht ein etwa 1000 Meter langer flacher Sandstrand mit der typischen touristischen Infrastruktur. Das Dorf erstreckt sich über die Hänge am Rande des Durdenttales bis zur Steilküste."
Nun ja, vielleicht war es mal ein Sandstrand, wir können uns - wie gesagt - nicht mehr erinnern, wie er vor 15 Jahren war. Aber heute jedenfalls handelt es sich eher um einen Kies- und Steinstrand. Trotzdem schön mit den Kalkfelsen, die bei Sonnenlicht weiß leuchten.
Natürlich ist auch ein Besuch im "Restaurant de la Mer" an der Promenade mit Blick auf die Steilküste in der Ferne obligatorisch. Die typischen normannischen Muscheltöpfe sind einfach zu lecker. Die es auf verschiedenste Weise zubereitet gibt. Hier werden sie mit Sahne- oder Roquefortsoße zubereitet.
Eine weitere Nacht verbringen wir dann inmitten des kleinen Dorfes Cauville-sur-Mer.
Nun müssen wir überlegen, wo wir die Ostertage verbringen wollen, ohne in zu viel Trubel und auf überfüllte Stellplätze zu geraten. Und wie es scheint, haben wir eine gute Wahl getroffen. Die nächsten drei Nächte werden wir auf der "Domaine du Pressoir" in Touques stehen. Wir haben uns am Morgen telefonisch angemeldet ... Gott sei Dank ... und somit den letzten freien Stellplatz bekommen. Ein sehr angenehmer ruhiger Platz. Wir befinden uns nun im Département Calvados, das Städtchen Touques liegt landeinwärts, etwa fünf Kilometer entfernt von Trouville-sur-Mer und Deauville.
Steinstrand von Veulettes-sur-Mer Im Restaurant “De La Mer“ Muscheln in Sahnesauce



































































































































