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Sommerreise Juli 2024 Skandinavien


13.07.2024

 

Stellplatz an der Kreisstraße (Fylkes vei) 11 Kilometer vor Lakselv am Porsanger Fjord

 

Was für ein superschöner, sonniger und warmer Tag es heute ist. Und das Beste: Bis kommenden Dienstag soll es noch wärmer werden, bis 26 Grad und Sonne rund um die Uhr. 

 

Heute Morgen haben wir lange geschlafen und fast verpasst, worauf wir die letzten Tage gewartet hatten: Die Kalkfelsen erstrahlten nahezu in reinem Weiß. Bis dahin waren immer irgendwelche Wolken im Weg, wenn die Sonne am Morgen ihre Strahlen aus der richtigen Richtung schickte. Das Kalkgestein nimmt die Farbe der Umgebung an, am Abend bei dem richtigen Licht können sie bläulich wirken, bei bedecktem Himmel sind sie eher gräulich. 

 

Am frühen Nachmittag brechen wir unsere Zelte ab, machen einen Einkaufs-Stopp im Coop-Laden in Børselv und tanken Leo voll. Es wird nur eine kurze Fahrt entlang des Porsanger Fjords bis ca. 11 Kilometer vor Lakselv. Auch hier haben wir immer wieder gerne Station gemacht auf einem großen Naturstellplatz am Fjord mit einem Fluß, in dem wir vor zwei Jahren uns und unsere Wäsche gewaschen haben. Hier wollen wir bis kommenden Mittwoch bleiben.

 

Hier am fast südlichen Ende des Porsanger Fjordes finden wir wieder eine andere Flora vor als auf dem Kalkboden der Sværholt-Halbinsel, an deren Ufer wir die letzten vier Tage verbracht haben. Keine Orchideen, aber die wilde Prachtnelke, die Strandplatterbse, die Weiße und Blaue Jakobleiter, die Gewöhnliche Goldrute und die Akelei. 

 

Niedliche kleine Hummeln, halb so groß wie unsere zu Hause, sammeln Nektar und haben es offensichtlich hauptsächlich auf die Glockenblumen abgesehen. Ihr Hinterleib leuchtet rostrot in der Sonne. Winzige Schmetterlinge, vielleicht so groß wie mein Daumennagel, flattern umher. Ihre Schönheit zeigt sich erst richtig in der Vergrößerung der Fotos. Wir haben nachgeschaut - es handelt sich um "Bläulinge".

 

Auf der Strecke passieren wir das Naturschutzgebiet Roddenes. Von der Straße aus hat man einen guten Blick auf die erhöhten "Strände", die von der letzten Eiszeit zurückgeblieben sind. Es ist schon lange her, dass wir durch Roddenes gewandert sind. Wenn wir Lust haben, vielleicht werden wir das an einem der kommenden Tage mal wiederholen. Wir fanden es damals sehr interessant. 

Über Roddenes

 

"Ein typisches und schönes System von erhöhten Stränden, die den Rückzug des Meeres nach der letzten Eiszeit zeigen. Das Naturschutzgebiet Roddenes liegt an der Ostseite des Porsangerfjords zwischen Lakselv und Børselv. Der erhöhte Strand auf Roddenes zeigt, wie sich das Land am Ende und nach der letzten Eiszeit (vor etwa 10 000 Jahren) gehoben hat. Während der letzten Eiszeit war die Finnmark, wie das übrige Skandinavien, von einer dicken Schnee- und Eisschicht bedeckt.

Als das Eis zu schmelzen begann, ließ der Druck des Gletschers nach und das Land begann sich langsam zu heben. Die riesigen Mengen an Schmelzwasser führten dazu, dass das Meer anstieg, allerdings nicht so schnell wie das Land. Das Ergebnis war, dass sich das Land aus dem Meer erhob. Während der Zeit der Eisschmelze gab es mehrere Perioden der Klimaverschlechterung, und der Rückzug des Eises wurde gestoppt, und in einigen bestimmten Perioden konnte das Eis sogar wachsen. In diesen kalten Perioden stiegen das Meer und die Erdkruste mit der gleichen Geschwindigkeit an. Die Wellen des Meeres hatten dann Zeit, die erhöhten Strände zu formen, die heute weit über dem aktuellen Meeresspiegel liegen, so wie heute in Roddenes."


12.07.2024

 

Wolkenstimmungen über dem Porsangerfjord


10.-11.07.2024

 

Børselv, Østre Porsangerfjord veien

 

Die Vielfalt der Flora in der Polarregion und Küstenstimmungen 

 

Immer wieder aufs Neue sind wir begeistert von dem Artenreichtum an Blumen und Pflanzen in der Polarregion. Oft sind es Pflanzen, die auch in den höheren Alpenlagen anzutreffen sind. Aber sie fallen oftmals nicht sofort ins Auge, man muss schon recht genau hinschauen beim Erkunden der Landschaft. Heute haben wir nicht viel zu erzählen. Wir erkunden die nähere Umgebung, steigen die Anhöhe hinauf, um von oben einen Blick über den Fjord zu erhaschen. 

 

An geschützten Felsvertiefungen wachsen neben Kriechbirken und Kriechwacholder auch hüfthohe Birkenwäldchen. Krähenbeeren, Pilze, Zwerg-Glockenblumen, und nicht zuletzt der Weißer Silberwurz, ein Rosengewächs, wachsen in Hülle und Fülle. 

 

Die Blüte des Silberwurzes ist bereits vorbei, was wir jetzt sehen ist der Fruchtstand: Das sagt Wikipedia dazu: "Die oberständigen, freien und einkammerigen Fruchtblätter sind zahlreich, dicht langhaarig, mit endständigem, später schraubig gedrehtem Griffel, der sich zur Fruchtreife auf 2–3 cm verlängert und dann eine federig-weiße, silbern schimmernde Behaarung ausbildet. ... Die Früchte verbreiten sich durch die behaarten Fortsätze mit Hilfe des Windes."

 

Wir entdecken den Händelwurz aus der Familie der Orchideen, die winzigen Blüten des Schnee-Enzians, die Polster des Fetthennen-Steinbrechs, den Gemeinen Augentrost, das Rundblättrige Wintergrün, den Weißen Höswurz und den Braunroten Stendelwurz, beides Orchideengewächse, das Klippen-Leimkraut, das auf norwegisch Strandsmelle heißt und aus der Familie der Nelkengewächse kommt. 

 

Pflanzen und Blüten

Orchideen

 

Heute legen wir einen faulen Tag ein.  Erst heute am frühen Morgen sind wir schlafen gegangen, entsprechend müde sind wir. Die letzte Nacht war sonnig, das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Schade ist nur, dass auf dieser Seite des Fjordes die Sonne sich um Mitternacht hinter den Bergen versteckt. So gibt es auch bei schönstem Sonnenschein Schattenbildung entlang der Küste. 

 

Tagsüber war es wolkig, so wie auch heute wieder mit etwas Regen zwischendurch. Die Aussicht von unserem Platz auf den Fjord ist bei jeder Wetterlage herrlich. Die wechselnden Stimmungen, je nach Licht, können wir gut beobachten. 

 

Wechselnde Küstenstimmungen am Porsangerfjord


09.07.2024

 

Børselv, Østre Porsangerfjord veien

 

Heute gegen Mittag erreichen wir Børselv, von hier zweigt der Østre Porsangerfjordveien nach Veidnes ab. An der Kreuzung in Børselv gibt es noch eine Tankstelle und einen kleinen Laden. Daneben ein Schild, auf dem darauf hingewiesen wird, dass dies die letzte Möglichkeit zum Tanken ist. Man sollte tunlichst mit gut gefülltem Tank nach Veidnes fahren, hin und zurück sind es immerhin 140 Kilometer. 

 

Wir haben gar nicht vor, bis Veidnes zu fahren. Leider ist der von uns heiß geliebte Platz unterhalb der Straße, direkt am Ufer gelegen, schon mit drei Wohnmobilen besetzt. Das ist sehr schade, aber oberhalb gibt es noch einen großen Bereich, von dem wir einen wunderbaren Überblick über das Wasser haben. 

 

Hier am Porsanger findet sich ein ganz anderes Gestein als auf der Nordkinnhalbinsel. Es ist Kalkstein und leuchtet im hellen Sonnenlicht fast weiß, ändert aber seine Farbe mit der Belichtung. 

 

Es ist bewölkt, aber trocken, mit angenehmer Temperatur. Wir holen unsere Fahrräder raus und machen eine kleine Tour auf der Straße, die sich am Fjord entlang schlängelt. Wind, Wetter und Gezeiten haben ganz in der Nähe unterhalb der Straße für eine interessante, fast kreisrunde Küstenformation im bröckeligen Kalkstein gesorgt. Viele verschiedene Blüten und Pflanzen im Kleinstformat wachsen dort unten. Wir stellen die Fahrräder ab, klettern über die Leitplanken nach unten. Ein paar Rentiere laufen herum. Ein paar dunkle Wolken ziehen auf und schon wird es merklich kühler, Wind weht uns um die Ohren, leicht fängt es an zu regnen. So bleibt es erst einmal bei ein paar wenigen Aufnahmen. Heute Abend und in der Nacht soll es sonnig werden. Vielleicht machen wir dann die Nacht zum Tag.  


08.07.2024

 

Ivarsfjord mit Abstecher nach Kjøllefjord und Skjånes

 

Heute geht es nun zurück von Mehamn Richtung Ifjord. Unterwegs entscheiden wir uns einen Abstecher nach Kjøllefjord zu machen. Die Erinnerung ist ein wenig verblasst, es ist lange her, dass wir diese Strecke gefahren sind.  Bald wird uns auch wieder klar, warum wir uns die Kilometer bei den letzten Reisen gespart hatten. Im Vergleich mit so vielen anderen ist diese Strecke etwas langweilig und der Ort selbst bietet auch nichts Besonderes. Aber etwas Interessantes gibt es dann doch zu sehen. Ein Gras gedecktes Haus mit dem Hinweis "Davvi Siida" fällt sofort ins Auge. Das schauen wir uns näher an, vielleicht können wir dort ja auch etwas typisch samisches essen oder einen Kaffee trinken. Leider gibt es heute keinen Kaffee, aber wir kommen ins Gespräch mit der Eigentümerin - sie sagt, sie sei das Oberhaupt der ansässigen Samen-Familie - und lernen einige Dinge über die Traditionen des indigenen Volkes der Samen. 

 

 


"Eine Rentierzüchterfamilie lebt dort, wo die Rentiere sind. Während der helleren Jahreszeiten im Sommer und Herbst, wo Tag und Nacht gleich sind, wohnen wir auf der Halbinsel Nordkyn.

Wenn der Winter kommt und der Tag zur Nacht wird, ziehen wir mit den Rentieren auf unsere Winterweide in Tana. Egal, wo wir sind, Sie sind als Gast in unserem Alltag, unseren Traditionen und unserer Geschichte willkommen.

Duodji hat immer einen zentralen Platz in unserem Leben eingenommen. Wir bringen Traditionen in die Moderne. Die Designs auf unseren Decken sind von traditionellen samischen Mustern inspiriert, die die samische Ästhetik bewahren und einen wichtigen Teil unseres kulturellen Erbes darstellen. 

Unsere Wurzeln in der Rentierzucht reichen weit über die moderne Zeit hinaus. Heute sind wir drei Generationen, die gemeinsam an der Rentierzucht arbeiten. Wie unsere Vorfahren vor uns sind wir Rentierzüchter und tragen die Verantwortung für den Umgang mit Natur, Kultur und Geschichte. Und dies an künftige Generationen weiterzugeben.

Die Rentierzucht ist ein harter Beruf. Wir leben mit den Rentieren und für die Rentiere. Ein Rentierzüchter verbringt einen großen Teil des Jahres allein in den Bergen. Das ererbte Wissen und die seit Generationen bestehenden Wechselwirkungen zwischen Natur und Mensch sind für Ailu absolut entscheidend."

 

Dann geht es weiter über die weite, unwirtliche Hochebene, wo kein Strauch und kein Grün zu finden ist, nur Geröll soweit das Auge reicht. Es ist eine Urlandschaft von Wind und harten Wetterbedingungen geformt. Mittendrin dann ein Parkplatz mit einem der Landschaftsform angepassten Holzhäuschen mit windgeschützten Sitzplätzen, Feuerstelle und Toilette. Hier wächst zwar immer noch kein Strauch, aber das Geröll ist von einer dicken Moos- und Grasschicht bedeckt und wirkt fast schon ein wenig freundlich.

Ganz wollen wir heute die Nordkinnhalbinsel noch nicht verlassen und biegen am Hopsfjord nach links Richtung Skjåne. Vor Jahren hatten wir am Fjord einen schönen Rastplatz gefunden, doch leider kommen wir zu spät. Drei Wohnmobile stehen bereits dort. Wir fahren erstmal weiter bis zum Ende der Straße nach Skjåne. Hier hat sich nichts verändert seit unserem letzten Besuch. Der kleine Ort ist hübsch gelegen in der Bucht - und die Fischgestellte hängen immer noch voll mit getrocknetem Dorsch. Das sieht man eigentlich zu dieser Jahreszeit nirgends mehr. Warum das hier in Skjånes so ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Ein Stück des Weges zurück bleiben wir für die Nacht auf einem kleinen Parkplatz zwischen Straße und Fjord. Die Straße wird auch tagsüber wenig befahren, in der Nacht herrscht totale Ruhe.


 

07.07.2024

 

Mehamn auf der Landzunge Vevikneset

 

Heute ist wieder einmal einer dieser traumhaft schönen Nächte, oder besser Polartage, die man hier oben im äußersten Norden erleben kann. Wir stehen auf der Anhöhe außerhalb von Mehamn und schauen auf die Mitternachtssonne. Tagsüber war fast alles an Wetter zu erleben: Wolken, Wind, Regen und Regenbögen. Jetzt um Mitternacht ist es windstill, das Meer schimmert silbrig, die Wiesen leuchten smaragdgrün ... Rentiere ziehen vorbei. Wir genießen unseren Drink bei weit geöffnetem Heckfenster. Gut, dass es Mückennetze gibt. Denn die sind der einzige Nachteil, wenn es windstill ist. 

 

Ein unwirkliches Felsenlabyrinth erstreckt sich am Ufer unterhalb der Anhöhe, in dem wir herum kraxeln und versuchen einen "Weg" um die Kurve herum zu finden. Jetzt möchte man gerne mehr über geologische Formationen wissen. Wahnsinn die verschiedenen Schichten, die wie bei einem Baumkuchen aufeinander liegen und fast senkrecht in die Höhe ragen. 

 

Reste von Schützengräben der Küstenbatterie des Atlantikwalls aus dem zweiten Weltkrieg sind hier oben auf der Anhöhe überall zu finden. Genauso wie Bunkereingänge und Geschützringe der Kanonen. Bei ihrem Rückzug haben die Deutschen den gesamten Ort niedergebrannt, die Tiere erschossen ... verbrannte Erde hinterlassen. 

 

Jetzt ist es 00:38 Uhr, die Sonne ist schon wieder gestiegen und uns fällt es schwer, den Tag ausklingen zu lassen.


06.07.2024

 

Slettnes - Fjellwanderung

 

Laut Wetter online haben wir heute 21 Grad. Oben auf dem Fjell bei unserer Wanderung ist es gefühlt um einiges wärmer. Ich sage "oben", dabei handelt es sich gerade mal um vielleicht 50 Meter Höhenunterschied. Umso weiter der Abstand zum Wasser, desto windstiller wird es. Und schon sind sie da, die Plagegeister von Mücken. Unterwegs sehen wir unsere Annahme bestätigt, dass in diesem Jahr die Natur etwas später dran ist, als wir es in 2013 erlebt haben. Diesmal befindet sich der Lauch noch im Knospenstadium, im Gegensatz zu damals. Wir stellen hier mal Bilder vom Lauch und Molteblüte zum Vergleich ein.

 

Von der Höhe aus schauen wir auf die Bucht von Steinvåg. Heute steht hier nur noch eine Holzhütte, vor 100 Jahren lebten hier viele Menschen:

"Die meersamischen Torfhütten, die kombinierten Häuser der Kvenen (Kuhstall und Wohnung in einem Gebäude) und die norwegischen Holzhäuser waren alle um die kleinen Buchten entlang der Außenküste gruppiert, und es gab auch Anlegestellen und "Rorbu"-Fischerhütten für Saisonfischer. Entlang der Küste gab es Bootshäuser und Rampen, und auf den Feldern im Landesinneren weideten Schafe und Ziegen. Die Fischerboote waren so klein, dass sie von Hand an Land gezogen werden konnten. Als jedoch um 1900 Motorboote aufkamen, brauchte man Anlegestellen, und die Menschen zogen in größere Fischerdörfer. Nachdem die Siedlungen im Zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern niedergebrannt waren, wurden sie nicht wieder aufgebaut, und die Menschen ließen sich stattdessen in Gamvik nieder." (aus Wikipedia)  

In der Ferne ragt der Felsen des Kinnarodden hervor. Der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes. Im Gegensatz zum vielbesuchten Nordkapp ist der Kinnarodden ein einsamer Ort, zu dem man wandern muss. Man braucht einen ganzen Tag für den Hinweg, immerhin sind 24 spärlich markierte Kilometer zu überwinden. Und man sollte als unerfahrener Besucher wohl besser einen einheimischen Führer dabei haben. Bei plötzlich auftretendem Nebel geht so manch einer schnell verloren. 


05.07.2024

 

Slettnes

Es ist schade, dass zur Zeit die Gebäude des Leuchtturms aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen sind. Während der heutigen Wanderung zum Leuchtturm wäre eine Kaffeepause mit Waffeln, Brunost (dem norwegischen braunen Käse), Erdbeergrütze und saurer Sahne sehr willkommen gewesen. Als wir das erste Mal hier waren, vor 12 oder 13 Jahren, gab es dort an einem sehr stürmischen, kalten Tag eine Ausstellung zu besichtigen. Viele Leute aus der Umgebung waren damals gekommen. Zu deren Verköstigung wurde draußen ein Erdofen ausgehoben, in dem ein Rentier unter heißen Steinen schmorte. Damals und auch bei späteren Besuchen waren wir eigentlich jeden Tag ins Leuchtturm Café gewandert, wegen der Waffeln und auch weil es frei Internet gab. Hier haben wir 2013 unsere Blogbeiträge hochladen können.

 

Heute war es recht warm mit 20 Grad, da kommen wir in viel zu warmen Klamotten ins Schwitzen. Manchmal ist es schwierig, sich für die richtige Kleidung zu entscheiden. Mit kühlen Winden muss man immer rechnen. Es beruhigt uns, dass wir bei der heutigen Wanderung feststellen können, dass doch nach wie vor Schmarotzerraubmöwen auf den Grünfläche brüten. Trotzdem haben wir den Eindruck, dass in diesem Jahr alles etwa später dran ist, die Pflanzenblüte auf jeden Fall. Wenn wir uns die Bilder von 2013 anschauen, sehen wir, dass - zu  genau der gleichen Zeit - die Blüte der Multebeeren schon vorbei war, Wollgras haben wir in diesem Jahr noch fast gar nicht gesehen, damals wucherte es nur so. 

 

Dass Slettnes schon in der Steinzeit besiedelt war, lesen wir auf einem Plakat am Leuchtturm  ... was mögen 8000 v. Chr. wohl für Bedingungen hier geherrscht haben.

 

“Slettnes wurde bereits in der Steinzeit besiedelt. Neben Siedlungsresten, die bis auf 8000 v. Chr. zurückgehen, wurden in dem Gebiet auch alte samische Grabstätten entdeckt. Gunnhild Kongsmor, Königin von Norwegen von 931 - 933 und Ehefrau von Eric Haraldsson (Spitzname Bloodaxe), stammte vermutlich aus Slettnes. Das Dorf Steinvag war bis zum Zweiten Weltkrieg die wichtigste Siedlung im Slettnes-Gebiet. Der norwegisch-russische Pomorhandel war in Steinvag von großer Bedeutung. Überreste der "Russerbua" ("Russenhütte") aus dem Jahr 1830 zeugen von diesem einst wichtigen Handel. In der gleichen Gegend befindet sich ein geheimnisvolles Steinlabyrinth. Der Leuchtturm von Slettnes wurde 1905 erbaut und ist der nördlichste an Land stehende Leuchtturm der Welt. Das Gebäude und ein 12 Quadratkilometer großes Gebiet in seiner Umgebung wurden 1998 von der Direktion für Kulturerbe zum Naturschutzgebiet erklärt. Es wurden Wanderwege eingerichtet, die die Besucher durch dieses Gebiet mit seiner einzigartigen Natur und Kultur führen.“

 


03-04.07.2024

 

Am Slettnes Fyr 

 

Unser nächstes Ziel, der nördlichste Festlands-Leuchtturm der Welt, haben wir gestern erreicht. Zu unserem Glück ist wider Erwarten der kleine Parklatz nicht voll belegt. Wir schieben das auf das regnerische Wetter, das die letzten Tage herrschte. Da glauben vielleicht viele der WoMo-Fahrer, dass es sich nicht lohnen würde, die doch recht weite Anfahrt von rund 130 Kilometer über die Nordkinnhalbinsel von Ifjord aus auf dem Fylkesvei 888 auf sich zu nehmen. Zumal es sich um eine der gefühlt einsamsten und unwirklichsten Fjellüberquerungen in Nordnorwegen handelt.  Hier hatten wir vor einigen Jahren im Juni Schneetreiben. Unwirklich, unwirtlich und doch - zumindest für uns - äußerst reizvoll, wohl gerade deswegen.  

 

Trotz wolkenverhangenem Himmel und kalten Temperaturen machen wir uns gleich nach unserer Ankunft auf den Weg - man muss eher sagen auf den Pfad - runter ans Wasser. Wir spazieren über den weißen, fast karibischen Sand und die jetzt bei Ebbe frei liegenden dunklen Felsen. Vielfarbige angeschwemmte Algen bilden einen regelrechten Algensalat. Weit draußen auf offener See tummeln sich Wale. Allerdings muss schon ein Fernglas herhalten, um mehr als den Blas zu erkennen.

 

Ein ganz anderes Bild als gestern zeigt sich heute, wo die Wolken sich zum größten Teil verzogen haben und die Sonne vom blauen Himmel lacht. Es ist deutlich wärmer geworden. Für unseren Spaziergang durch das Naturschutzgebiet auf dem Fjell können die wattierten Jacken im Schrank bleiben. Sehr weit kommen wir aber leider nicht, es sei denn wir wollen uns nasse Füße holen. Der viele Regen in der letzten Zeit macht sich bemerkbar. Wasserlöcher haben den Pfad verschluckt.

 

Spaßeshalber haben wir uns einmal unsere Eintragungen in den Blog und Bilder vom Jahr 2013 angesehen und mit heute verglichen. Wir waren damals zur genau gleichen Zeit hier. Aber wir fragen uns, wo die ganze Möwen und anderen Vögel jetzt brüten. Damals war es kaum möglich, auf dem Pfad durch die Grünfläche hinunter ans Wasser zu gehen, ohne von den Schmarotzerraubmöwen angegriffen zu werden, die ihre Brut verteidigten. Jetzt hier am gleichen Ort, zur gleichen Zeit, keine einzige Möwe brütet in dem Gebiet. Auf unserer Wanderung über das Fjell vor 11 Jahren konnten wir uns nicht an dem Blütenreichtum sattsehen. Heute beschränkt es sich hauptsächlich auf Sumpfdotterblumen und Trollblumen. Also, die Möwen sind schon da, wir sehen sie zu bestimmten Zeiten in riesigen Schwärmen über Land Richtung Meer fliegen und zurück. Vielleicht haben sie sich hier zur Brutzeit von den Besuchern zu sehr gestört gefühlt und sich weiter weg andere Brutgebiete gesucht? Wäre mal interessant zu erfahren.


02.07.2024

 

Auf dem Weg nach Mehamn


01.07.2024

 

Und noch eine Land-Walsafari