· 

Frankreich - Spanien 2024 April


 

10.04.2024

Der gestrige Tag war wirklich recht kühl, so dass wir unsere Kuscheljacken am Abend überziehen mussten und für den Weg ins Restaurant die warmen Steppjacken aus dem Schrank geholt haben. Aber nun steigen die Temperaturen wieder. Bei fast wolkenlosem Himmel, angenehmen 18 Grad und nur leichtem Wind machen wir uns heute nach dem Frühstück auf die Suche nach einer der Sehenswürdigkeiten hier in der Rioja Alavesa, die wir bisher gar nicht auf der Rechnung hatten, eines der am besten erhaltenen und größten Hünengräber im Baskenland, "La Chabola de la Hechicera", den Dolmen der Hexenhütte. 

 

"Dieser Dolmen in der Nähe der Ortschaft Elvillar verdankt seinen Namen einer Legende, die besagt, dass hier eine Hexe lebte, die man am Morgen des Mittsommertags singen hörte.

Der Dolmen wurde 1935 entdeckt und war Gegenstand mehrerer archäologischer Ausgrabungen. Bei diesen Ausgrabungen wurden menschliche Überreste von mindestens 39 Personen sowie persönliche Gegenstände und Grabbeigaben gefunden, darunter Halsketten aus Knochen, Stein und Kupfer, Anhänger, polierte Steinäxte, Pfeilspitzen aus Feuerstein, ein spachtelförmiges Idol, mit Punkt- und Strichmustern verzierte Keramik und eine prächtige glockenförmige Vase, wie sie in Ciempozuelos gefunden wurde.

Die Kohlenstoff-14-Datierung der an der Fundstelle gefundenen Knochen zeigt, dass sie vom Ende des Mittelneolithikums (vor etwa 5000 Jahren) bis zur mittleren Bronzezeit (vor 3300 Jahren) als Grabstätte genutzt wurde, obwohl auch spätere Funde aus der Eisenzeit und der Römerzeit hier gefunden wurden."

 

"Dolmen gehören zu den ältesten architektonischen Zeugnissen, die wir haben, und sind eines der am besten erkennbaren Merkmale der prähistorischen Zeit in Alava.

Es handelt sich um Gruppengräber, die erstmals im Neolithikum vor über 6000 Jahren und dann über einen langen Zeitraum hinweg mit Unterbrechungen genutzt wurden.

Jeder Dolmen hat einen Raum oder eine "Kammer", die von großen Steinplatten oder "Megalithen" umgeben ist, die in der Regel übereinander gestapelt sind. Einige haben einen Zugangsweg oder Korridor, der zur Kammer führt.  Die gesamte Struktur wurde mit Erde und kleineren Steinen bedeckt, wodurch ein Hügel entstand, der als "Grabhügel" bekannt ist."

 

Obwohl im Moment die Weinfelder noch recht "nackt" aussehen, stellen wir auch diesmal wieder fest, welch lohnendes Reiseziel diese Gegend ist, mit wunderschönen landschaftlichen Ausblicken und reizvollen mittelalterlichen Orten. Von der baskischen Küche mal abgesehen, die ja bekannt ist als eine der besten Spaniens. Wir nehmen uns vor, in diesem Jahr im Oktober noch einmal herzukommen, wenn (hoffentlich) das Weinlaub in voller herbstlicher Pracht steht. 

 


 

08.04.2024

Wie wir uns vorgenommen hatten, sind wir am letzten Samstag, dem 6. April, nach Elizondo geradelt. Das heißt, erst einmal in die falsche Richtung, nach Erratzu. Diese baskischen Ortsnamen stiften bei uns Verwirrung. Erratzu liegt nur ca. drei Kilometer von unserem Stellplatz entfernt. Nach der Hälfte der Strecke ist uns dann klar, dass wir falsch sind. Aber jetzt sind wir ja fast da und ansehen wollten wir uns das Örtchen doch sowieso. Wir machen die Tour weiter und so sind es am Ende rund 21 Kilometer alles in allem geworden, anstatt der angepeilten 15. Es ist der wärmste Tag bisher und der Weg nach Elizondo hat ein paar Steigungen, nicht allzu steil, aber wir kommen doch ganz gut ins Schwitzen. So richtig Freude macht die Radtour nicht, da wir nur direkt auf der Nationalstraße mit regem Autoverkehr fahren können. Der Wind könnte eine willkommene Erfrischung sein, aber er kommt in Böen, was auch nicht so angenehm ist. Der Rückweg ist aber dafür ein Klacks, jetzt gehts fast nur bergab und wir wundern uns, dass wir so schnell wieder zurück am Stellplatz sind.

 

Elizondo selbst ist recht hübsch direkt am Fluß Baztán gelegen. Und doch ist Helga ein wenig enttäuscht, sie hat es sich etwas anders vorgestellt. Mystisch ist hier im Moment gar nichts ... an einem vernebelten Herbsttag mag es anders sein. 

In Leo ist es ganz schön aufgeheizt, als wir zurückkommen. Tür und Fenster werden geöffnet für einen angenehmen Durchzug. Wir machen Siesta ... und rechnen nicht mit den Fallwinden aus den Bergen. Eine Böe ist so heftig, dass sie das hintere Fenster nach oben reißt und eine der Ausstellstangen dabei abbricht. Die Tür schlägt mit einem lauten Knall zu, obwohl sie in geöffnetem Zustand von einem recht starken Magneten festgehalten wird. Gott sei Dank ist nicht mehr passiert. 

 

Nach der Siesta entschließen wir uns weiter zu fahren. Der Platz ist zwar alles in allem ganz angenehm und nachts auch ruhig. Aber diese Böen gefallen uns gar nicht. Sehr weit wollen wir heute nicht mehr fahren. Es ist schon Nachmittag und die Erfahrung hat uns gelehrt, nicht zu spät auf Stellplätzen anzukommen. Erstmal gehts an Pamplona vorbei und weiter Richtung Westen. Zwischen Estella und Vitoria-Gasteiz verläuft die Via Verde Vasconavarro, der grüne Radweg der Baskisch-Navarro-Eisenbahn. Und an der Strecke bietet der Ort Ancin einen Stellplatz. Das wäre es doch, denken wir uns. Dann können wir vielleicht morgen nochmal eine Radtour unternehmen. Die Gegend ist so abgelegen und auf der Nationalstraße 132A so wenig Verkehr, dass wir davon ausgehen, dass der Stellplatz kaum besucht sein wird. Wir lernen aber auch nie dazu. Es ist Wochenende und es scheint die Sonne, wo es in dieser Gegend doch häufig regnet. Jedenfalls ist der Platz eng an eng mit WoMo's belegt. Ein paar Meter weiter liegt ein Parkplatz, auf dem außer einem spanischen WoMo kein weiterer Pkw parkt. Wir stellen uns in ausreichender Entfernung ebenfalls auf einen der Plätze. Hier stören wir eigentlich niemanden. Es dauert nicht lange, kommt das nächste WoMo und - wir haben schon darauf gewettet - stellt sich direkt neben uns. Anders als die Spanier mögen wir kein Kuschel-Campen. In knapp 30 Kilometern Entfernung in Lagrán gibt es noch einen Platz, wir fahren weiter. Vielleicht haben wir da mehr Glück. 

 

 

in Lagrán hat es uns so gut gefallen, dass wir gleich zwei Nächte geblieben sind. Sehr selten findet man einen ruhigeren Stellplatz für die Nacht. Nicht einmal das in Spanien obligatorische Hundegebell war zu hören. Toilettenentsorgung und Frischwasser sind vorhanden - was brauchen wir mehr. Wir lesen, dass es in diesem winzigen Örtchen ein gutes Restaurant geben soll - kaum zu glauben. Aber ja, es stimmt, wie wir auf einem Erkundungsrundgang am Sonntagmorgen feststellen. Ansonsten bietet der Ort nicht viel. Aber für Wanderer ist hier ein guter Ausgangspunkt für eine Wanderung über das Gebirge hinüber nach Laguardia. Wir verzichten lieber auf den Genuss einer Wanderung bis auf 1000 Höhenmeter und geben uns kulinarischen Genüssen hin. Denn wider aller Erwartungen bietet dieses so einfach wirkende Lokal eine hervorragende und kreative Küche. Lecker und farbenfreudig sind die Kreationen. Angefangen mit einer Art grüner Gazpacho im Weinglas, gekrönt von einer hauchdünnen schieferartigen Platte, auf der Rote Beete mit grüner Kresse und weißen Remouladetüpfelchen angerichtet sind. Scharf gebratene Artischocken in einer roten Soße, mit einer Pilzfarce gefüllte kleine Paprikaschoten, und als Hauptgericht gefüllte Chipirones (sehr kleine Tintenfische) angerichtet in einer schwarzen (aus der Sepiatinte) und einer weißen Soße. Sehr ungewöhnlich, aber richtig lecker. Zum Schluss kommt ein Dessert aus Turron, dem spanischen Mandelnougat und für Heiko ein leicht modifiziertes Tiramisu.

 

Am Rande ist zu berichten, dass Heiko seine Schieferplatte mit der Gabel zerbrochen hat ... peinlich. Glaubten wir zumindest. Er entschuldigt sich bei der Bedienung, die aber reagiert gar nicht. Dann stellt sich heraus, dass diese Plättchen essbar sind. Wie der Wirt uns sagt, handelt es sich um Pan, also Brot. Na, dann ist es ja nicht weiter schlimm und wir verspeisen unsere "Schiefer"plättchen. 

 

Nun hatten wir uns gedacht, wenn wir schon im Rioja sind, dann können wir auch gleich noch einmal die nicht weit entfernten Orte besuchen, in denen wir auch im vorigen Jahr waren. Für heute sind wir in Labastida gelandet und werden wohl auch morgen noch bleiben. 

 

Am Morgen war es warm und sonnig und fast windstill. Inzwischen, nachdem wir Gott sei Dank zurück vom Mittagessen im Restaurant in Labastida sind, ziehen immer wieder dunkle Wolken auf und bringen Regen und stürmischen Wind mit. Die Temperaturen fallen ... morgen sollen es nur 14 Grad werden. 


 

05.04.2024

Heute Morgen haben wir uns schon früh auf den Weg gemacht. Die Orte im Baztán-Tal sind alle sehr klein und es gibt wenige Parkplätze, schon gar nicht für WoMo's. Das war genau richtig. Als wir in Zugarramurdi um kurz vor zehn ankommen, ist der einzige vorhandene, doch recht geräumige, Parkplatz an einem Restaurant noch nahezu leer. Von dort sind es nur rund 500 Meter zu Fuß bis zum Eingang der Höhlen von Zugarramurdi. 

 

BILDER VON HÄUSERN IN ZUGARRAMURDI

 

 

 

 

 

Eine halbe Stunde müssen wir uns noch gedulden - geöffnet werden die Höhlen für Besucher erst um halb elf. Es ist warm, die Sonne scheint und es weht ein kühlendes Lüftchen, das manchmal doch auch recht böig daherkommt. Also kein Problem sich auf der Bank noch etwas auszuruhen. Dann geht es einen kurzen Weg auf Stiegen hinunter zu den Höhlen. Wir sind sehr beeindruckt.

 

Nachdem wir alles ausgiebig bewundert und fotografiert haben, soll es zurück zum Ausgang gehen. Welchen Weg nehmen wir denn? Wieder den gleichen zurück, oder weiter den Rundweg. Ach lass uns man weitergehen. Wir Ahnungslosen. Wer weiß wie viele Treppenstufen, schief und krumm, 30% Steigung, mehr als 100 Höhenmeter im Zickzack bergauf. Klingt für Menschen mit guter Kondition nicht viel - aber uns fehlt diese nach den OP's immer noch. Gut dass auf dem Weg zum Parkplatz ein kleines Restaurant liegt, in dem es leckere Pintxos gibt, wie die Basken die Tapas nennen. Gestärkt geht es zum nun gut gefüllten Parkplatz und wir fahren weiter zu einem Stellplatz in Ordoki, nicht weit von Elizondo entfernt. Bis dorthin sind es nur 7,5 Kilometer, die wir vielleicht morgen mit dem Fahrrad machen können - wenn uns die Glieder nach der heutigen Anstrengung keinen Strich durch die Rechnung machen. 

 

 

 

BILDER VON DEN HÖHLEN

Die Höhlen von Zugarramurdi spielen in der Baztán-Trilogie eine wesentliche Rolle und sind ein Touristenmagnet. Aber sie haben vor allem aus einem anderen Grund traurige Berühmtheit erlangt. Auf einem Plakat im Eingangsbereich der Höhle ist folgendes zu lesen (hier die deutsche Übersetzung):  

 

“Der Hexenwahn von Zugarramurdi ist wegen des Auto de Fe von 1610 in die Geschichte eingegangen: Nachdem der Inquisitor Alvarado in dem Dorf etwa 300 Personen gefunden hatte, die der Hexerei verdächtigt wurden, schickte er die verdächtigsten, insgesamt 31, nach Logroño. Die erfundenen und unter der Folter gestandenen Anschuldigungen verwoben Anschuldigungen, die auf Klischees von Hexerei beruhten, Denunziationen von neidischen Nachbarn, Provokation von Naturphänomenen wie Stürmen, Missernten... ohne die mögliche Existenz alter Riten zu vergessen, die vom Christentum nicht verbannt worden waren und immer noch gepflegt wurden.

Am 7. November 1610 wurden in Logroño die Anklagen, Geständnisse und Urteile verlesen. Am folgenden Tag wurden die Gefangenen der Justiz übergeben und die Urteile vollstreckt: 11 der Angeklagten wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt, 6 lebendig und 5 als Bildnis.

Dahinter verbirgt sich ein Angriff auf das Dorf: Zugarramurdi unterstand der Strafgerichtsbarkeit des Klosters Urdax und blieb dies bis 1667.“

 

“Akelarre wird eine Wiese außerhalb der Höhle genannt. Die Höhle selbst Akelarrenlezea.

Akelarre ist der baskische Begriff für Hexensabbat (der Ort, an dem die Hexen ihre Treffen abhalten). Akerra bedeutet in der baskischen Sprache männliche Ziege. Man stellte sich die Hexensabbate so vor, dass eine Ziege den Vorsitz führte.

Das Wort wurde ins kastilische Spanisch entlehnt (dort wird die Schreibweise Aquelarre verwendet). Es wird im kastilischen Spanisch seit den Hexenprozessen des 17. Jahrhunderts verwendet. Am bekanntesten ist das Wort als Titel eines Gemäldes von Goya im Museo del Prado, das Hexen in Begleitung einer riesigen männlichen Ziege zeigt.“

 

“Die am häufigsten vorgeschlagene Etymologie ist die der Wiese (larre) des Ziegenbocks (aker "Bock, Ziegenbock"). Die spanische Inquisition beschuldigte die Menschen, eine schwarze Ziege zu verehren, die mit der Anbetung des Satans in Verbindung gebracht wurde. Eine alternative Erklärung könnte sein, dass es ursprünglich alkelarre hieß, wobei alka ein lokaler Name für das Kraut Dactylis hispanica ist. In diesem Fall wäre die erste Etymologie eine Manipulation der Inquisition gewesen, denn die Basken wussten weder während der Verfolgung von 1609 bis 1612 noch später, was das von den Inquisitoren erwähnte "akelarre" bedeutete. Das Wort "aquelarre" ist erstmals 1609 in einem spanischsprachigen Inquisitionsbericht als Synonym für "junta diabólica", d. h. "teuflische Versammlung", belegt. Die baskischen Begriffe, die oft von einsprachigen spanischsprachigen Kopisten in spanische Texte übertragen wurden, waren mit Fehlern behaftet“.


 

04.04.2024

Anfangs glaubten wir noch an einen Streich, den sich vielleicht Jugendliche geleistet haben, als wir das erste auf dem Kopf stehende Ortsschild in Frankreich bemerken. Aber nachdem an fast jedem Ortseingang die Schilder nur mit Kopfstand zu lesen sind, wird klar, dass es sich um etwas anderes handeln muss. Heiko stellt die Vermutung an, ob es sich vielleicht um irgendeine Art von Protest handelt? Wir machen uns im Internet schlau, und siehe da, Heiko hat Recht, es handelt sich um Bauernproteste. In Deutschland hat man sich wohl diese Art von Protest von Frankreich abgeschaut ... wir hatten davon aber noch nichts mitbekommen. 

 

"Junge Landwirte begeben sich mit einem Schraubendreher in ihre lokalen Gemeinden, um die Willkommensschilder umzudrehen - und in vielen Gemeinden haben die örtlichen Behörden beschlossen, sie so zu lassen, als Zeichen der Solidarität oder weil sie es noch nicht geschafft haben, sie umzudrehen. Die Proteste begannen in Tarn im Südwesten , haben sich aber im ganzen Land verbreitet und umgedrehte Schilder sind jetzt von der Mittelmeerküste bis zur Normandie und in die Bretagne im Norden zu sehen. Sie werden von dem Slogan “Nous marchons sur la tête'“ (wir gehen auf dem Kopf)  begleitet, um eine auf den Kopf gestellte Welt oder eine sinnlose Politik zu signalisieren."

 

Inzwischen sind wir weiter nach Westen gereist und befinden uns noch auf der französischen Seite des Baskenlandes, haben heute “Espelettes“ besucht und dort in einem Restaurant typisch baskisch gespeist. Wieder eine völlig andere Küche als z.B. in der Provence. Eine Spezialität ist der Brebis, ein Bergkäse, den die Basken gerne hauchdünn geschnitten mit Kirschkonfitüre servieren. Ungewöhnlich, aber durchaus sehr lecker. 

 

Nicht weit von Espelettes entfernt suchen wir schon relativ früh am Nachmittag einen Stellplatz in dem Örtchen Sare auf. Das war eine richtig gute Idee. Anfangs standen wir hier mit drei anderen Fahrzeugen, inzwischen, am Abend ist der Platz nahezu gefüllt. 

 

Morgen wollen wir uns auf die literarischen Spuren einer Romanreihe der spanischen Autorin Dolores Redondo begeben. Das “Valle del Baztán“, das Tal der Hexen in den westlichen Pyrenäen, hat mit seinen Mythen um mystische Fabelwesen und Hexenglauben die Autorin zu den Romanen inspiriert. Kriminalinspektorin Amaia Salazar muss Kriminalfälle lösen, in denen der Aberglauben eine Hauptrolle spielt. Die Romane wurden verfilmt und waren im Deutschen TV zu sehen. In den Filmen herrschte fast ständiger Regen, Dunkelheit und Dunstschleier - na ja, diese Ecke Spaniens gehört ja auch zu den regenreichsten. Einerseits wirklich schade, dass wir so ein tolles Wetter haben. Sonne mit leichten Wolken und Temperaturen um 28°, für Samstag sind 30° angesagt. Das Mystische werden wir daher leider nicht erleben. Dazu müssten Dunstschleier über dem Baztán Fluss wabern, wie im Film. 

 

Nach wie vor spielt wohl in den Dörfern der Aberglaube hier und da eine Rolle : Hängt eine getrocknete Silberdistel an der Tür, soll sie Hexen abwehren. Will über Nacht eine ins Haus kommen, muss sie zuvor jeden einzelnen Stachel herausziehen. So verstreichen die Stunden. Hat sie es bis zum letzten Stachel geschafft, setzt die Dämmerung ein. Dann muss die Alte verschwinden und die zeitraubende Arbeit war umsonst, sagt der Volksmund.

 

Mal schauen, ob wir noch solche Disteln sehen werden. Vor einigen Jahren, als wir das Dorf Isaba auf der Fahrt über die Pyrenäen besuchten, fanden wir an einigen Haustüren diese Schrecken der Hexen und nahmen damals nur an, dass es sich um einen hübschen Schmuck handele. Von Hexen wussten wir nichts.

 


 

01.04.2024

Auterive (Okzitanien)

 

Beim Blick aus dem Fenster am Samstag früh, so gegen 6 Uhr, hätte man schon erschrocken sein können, wenn man nicht durch die Medien vorgewarnt gewesen wäre. Die Welt da draußen leuchtete orangerot. So ähnlich könnte es vielleicht auf dem Mars aussehen. Eine Saharastaubwolke war über den Südosten Frankreichs gekommen. Wie man lesen konnte, sollte sie wohl auch später Deutschland erreichen. Die Solarpanele auf Leos Dach gaben nur noch wenig Energie ab, eine dicke Staubschicht hatte sich abgelagert. Und dann begann der "Blutregen". Leo sah aus, als hätte er Masern. Der Regen hatte sein Gutes ... die Welt sah danach wieder normal aus und die Luft war klar. Nur auf den Wagendächern lag jetzt der Klackermatsch. Da kam der angekündigte Starkregen in der letzten Nacht gerade recht, der hat den ganzen Kram heruntergespült und Leo hat jetzt nur noch den "normalen" Straßendreck kleben.

 

Dieses Osterwochenende war für die Restaurants in Maussane und wohl auch vielen anderen Orten eine ziemliche Enttäuschung. Die meisten haben ziemlich große Außenbereiche, die normaler Weise auch zu dieser Jahreszeit gerne genutzt werden. Die Gasträume selbst sind oft verhältnismäßig klein. Bei dem vielen Regen die letzten Tage war an draußen sitzen sowieso schon nicht zu denken ... und auf Saharastaub mag ja eigentlich niemand so gerne beißen. Das knirscht. Wir selbst hatten von vornherein geplant, zu Hause zu bleiben und selbst zu kochen, weil wir ursprünglich davon ausgegangen waren, dass es voll werden würde. Unser Glück, so waren wir nicht enttäuscht und Spargel mit Bozener Soße und Spargelrisotto mit Rinderfilet waren leckere Osteressen. 

 

Wie wir uns vorgenommen hatten, sind wir heute aus Maussane abgereist. In Arles wurde Leo mit Diesel, Gas, Wasser und Wein betankt und bei Lidl eingekauft. Ja, Lidl hatte, als einziger Lebensmittelladen in Arles, auch am Ostermontag geöffnet. 

 

Wir wollen nun doch noch nach Spanien rüber und überlegen noch, welche Strecke wir über die Pyrenäen nehmen. Wie immer werden wir das kurzfristig entscheiden, bevor wir morgen losfahren. Für heute stehen wir auf einem für Wohnmobile freigegebenen Parkplatz in Auterive am Fluß l'Ariège. Nichts Besonderes, aber es ist wieder warm und sonnig.