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Skandinavien 2022

Du weißt doch, der jüngste Tag steht immer oben


 

04.07.2022 - N 00°00'00“ E 00°00'00“ - 

 

03.07.2022 - N 70°19'14“ E 25°25'19“ - Børselvnes/ Porsanger

 

Drei ruhige Nächte, zwei entspannte, sonnige und heiße Tage haben wir seit unserer Ankunft am Nachmittag des 30.6. auf dem schönen Platz am Porsanger Fjord in Børselvnes verbracht. Die frühen Morgenstunden waren ganz besonders stimmungsvoll, das Meer klar und ruhig wie ein Spiegel, weiße Wolken am azurblauen Himmel, wie ein Aquarell. Vorgestern sind wir einige Kilometer mit dem Fahrrad an der Küste entlang gefahren, ein leichter Wind brachte etwas Kühlung, da sind die Steigungen auszuhalten. Unterwegs dann gelb und lila blühende Wiesen. Ein schöner Kontrast zu der weißen Küstenformation aus Kalkstein. Strahlend weiß sind die Felsen aber nur bei Sonnenschein, der Kalkstein wechselt seine Farbe mit der Wetterstimmung. Wir haben schon erlebt, dass wir bestimmte markante Formationen gar nicht wieder erkannt haben, nachdem diese sich bei bedecktem Himmel in einem tristen Grau zeigten. 

 

Unsere vier Zelt-Nachbarn hatten gleich am ersten Tag riesiges Anglerglück ... ein ca. 110 cm langer Heilbutt ist ihnen an die Angel gegangen ... und dabei benutzten sie nach eigenen Aussagen nur einen Pilk ... irre. Gleich nach der Landung wurde der Fisch am Strand auf einer provisorischen Auflage aus Holzplanken, die sie auf Steinen gelagert hatten, filetiert. Die Jungs scheinen Übung zu haben. Und das Beste daran für uns: wir bekamen ein Stück Filet geschenkt. Das hat uns gestern in Butter gebraten sehr gemundet.

Pech hatten die vier trotzdem .... beim Hereinholen des großen, starken und schweren Fisch ins Boot (gefühlte 14Kg), versuchte dieser sich mit einem Schwanzflossen-Hieb der Aktion zu entziehen. Ohne Erfolg, aber das spitze Gaff* schlug dabei in die Außenhaut des Gummibootes. Einer der Männer musste rettend die Hand auf den leck geschlagenen rechten Luftkörper halten. Aber der Fisch war im Boot.  

Helga musste schon recht schmunzeln, als Heiko ihr erzählte, dass sie nur heil mit dem Boot zurück gekommen sind, weil einer von ihnen die gesamte Rückfahrt das Loch mit seiner Hand abgedeckt hatte. Das hätte auch schief gehen können. Insofern war es Glück im Unglück.

*Gaff = Stange mit gebogenem spitzen Haken.

Auch für gestern hatten wir eine kleine Radtour vorgenommen. Aber es war gefühlt ein noch heißerer Tag, weil der kühlende Wind völlig fehlte. Na ja, dann haben wir eben im Laufe des Tages mit unseren Stühlen jeweils einmal Leo umrundet, immer seinem Schatten folgend. Das war unsere einzige körperliche Betätigung, und anders war es in der Sonne nicht auszuhalten. Andere Möglichkeiten gab es in Ermangelung Schatten spendender Bäume ja nicht. Wenn der Zugang ins Wasser nicht so steinig gewesen wäre, hätten wir sicher ein paar Schwimmzüge in dem kalten, aber erfrischenden Nass gewagt.

 

Wir hatten ganz vergessen, dass heute Sonntag ist, die Geschäfte geschlossen und wir mit dem Einkauf von frischen Lebensmitteln bis morgen warten müssen. Ca. 15 Kilometer vor Lakselv stehen wir für heute Nacht wieder direkt am Porsangerfjord auf einem privaten Stellplatz für 100 Nkr. Wolken sind aufgezogen, der Wind hat aufgefrischt, die Temperatur ist im Moment bei ca. 14°, aber gefühlt sehr milde. 

 

 

02.07.2022 - N 70°19'14“ E 25°25'19“ - Børselvnes/ Porsanger

 

01.07.2022 - N 70°19'14“ E 25°25'19“ - Børselvnes/ Porsanger

 

Gestern sind wir im Affentempo ungefähr 50 Kilometer weiter nach Westen gerauscht. Nun ja, nicht schneller als wir dürfen - mit 80 km/h - aber wir wären eigentlich lieber geruhsamer durch die Landschaft geschaukelt und hätten gerne noch einen Aufenthalt an dem wunderschönen Silfar-Canyon eingelegt. Aber es kam anders. Alles passiert ein erstes Mal. Schon bei der Abfahrt am Morgen von unserem Nachtplatz merkt Heiko, dass etwas nicht stimmt, und es dauert nicht lange, da meldet sich unsere Tire-Moni, der Luftdrucksensor für die Reifen. Oh, wie wir dieses Geräusch lieben. Was ist nun schon wieder los, Fehlalarm?Oder hat sich das Ventil vielleicht gelockert, oder muss nur etwas Luft mit dem Kompressor nachgepumpt werden? Nee ... der Reifen behält die Luft gar nicht erst, da ist was ernsteres passiert. Haben wir uns einen Nagel reingefahren, wie schon einmal in Italien? Damals konnte Heiko problemlos den Reifen mit dem Ersatzreifen austauschen. Damals war es ja auch keiner der Zwillingsreifen, "nur" einer der Vorderreifen. Jetzt schwant Heiko schon, dass es problematischer werden könnte. Aber erstmal optimistisch an die Arbeit, Werkzeug ausgepackt und los gehts. Die Verzweiflung folgt auf dem Fuß ... die Muttern lassen sich nicht lösen.  Obwohl die Spurbreite vorn wie hinten gleich ist, liegen die Zwillingsreifen tiefer unterhalb der Kabine und der Bewegungsraum des Radkastens läßt keine Möglichkeit zu, dort mit dem mitgeführten Werkzeug erfolgreich anzusetzen. Außerdem stimmt in diesem Fall auch die Abwinklung des langarmigen Steckschlüssels nicht mehr. Am Vorderreifen alles kein Problem, aber hier aussichtslos. Und Heiko hat auch keine Lust sich Hände oder Arme zu demolieren, weil ein Abrutschen des Werkzeuges und der erforderlichen Kraftanstrengung vorprogrammiert ist.

 

Tja, nun ist guter Rat teuer. So können wir auf keinen Fall weiter die 100 Kilometer bis nach Lakselv, dem nächst gelegenen kleinen Städtchen, fahren. Dann bleibt nur, den ADAC anzurufen. Es ist eine ausgesprochen freundliche und kompetente Kommunikation mit dem dortigen Sachbearbeiter, der die notwendigen Daten zusammen mit den Koordinaten unseres Standortes zu der norwegischen Partnerorganisation weiterleitet. Nach ungefähr ein einhalb Stunden kommt der Anruf des Abschleppdienstes. Er käme von Lakselv und würde etwa ein einhalb Stunden zu uns brauchen. Die Gesamtkosten würden sich auf umgerechnet ca. 700 € belaufen. Ob wir damit einverstanden wären, der ADAC hätte ihm eine Kostenübernahme-Erklärung geschickt über 300 €. Was bleibt uns anderes übrig, in den sauren Apfel müssen wir wohl beißen. Hier Wurzeln schlagen können wir ja nicht und fliegen auch nicht. Langer Rede kurzer Sinn: Die ganze Hilfsaktion hat dann kaum eine halbe Stunde gedauert. Mit dem Akku Schlagschrauber waren die Muttern schnell gelöst und der Ersatzreifen befestigt. Wie der beschädigte Reifen aussieht ... siehe Fotos. Der ist hinüber, auch keine Reparatur mehr möglich. Vermutlich hat uns eine scharfe Steinkante den Reifen aufgeschlitzt.

 

Nun düsen wir dem Abschleppdienst hinterher, dem die Straßen-Hubbel und -dellen gar nichts ausmachen. Der Typ vom norwegischen Notdienst will von unterwegs versuchen, einen neuen Ersatzreifen für uns in Lakselv aufzutreiben. Nach gut 50 Kilometern fährt er allerdings schon rechts ran um uns mitzuteilen, dass in ganz Lakselv kein passender Reifen aufzutreiben wäre. Die Norweger hätten alle ihre Reifen für den Sommer bereits gewechselt. Auch wären Reifen extrem teuer geworden, in den letzten Monaten wären die Preise um gut 40% gestiegen. Puh ... da müssen wir kurz durchatmen und überlegen, was wir bezüglich des Reifens machen. 

 

Unser Retter in der Not fährt davon und wir entscheiden uns, erstmal in der Nähe zu bleiben. Da wir uns in Børselv befinden, wo der Fylkesvegen 183  Richtung Veidnes abzweigt, folgen wir diesem für nur wenige Kilometer. Wir sind hier in der Gegend schon mehrfach gewesen und bald entdecken wir auch unterhalb der Straße eine kleine Landzunge wie Geschaffen für uns als Rastplatz. Hier bleiben wir erst einmal. Am Abend bekommen wir aber doch noch "Nachbarn". Vier junge Angler fragen uns, ob es uns etwas ausmachen würde, wenn sie ihr Zelt hier aufschlagen würden. Wer so nett fragt, dem kann man die Bitte nicht abschlagen. 

 

Erwähnenswert wäre noch, dass die Temperaturen gestern rapide abgefallen waren ... auf 11°. Das war schon recht extrem von vorgestern 32°. Nun mussten wir unsere wärmeren Sachen wieder raus kramen. Heute dagegen ist das Thermometer wieder am Steigen, gerade jetzt um 12:15 haben wir 15°, am Nachmittag werden es 20°, am Abend soll es Gewitter und etwas Regen geben, morgen sollen es dann wieder bis 27° werden. Es wird nicht langweilig. 

 

JULI 22

 

30.06.2022 - N 70°19'14“ E 25°25'19“ - Børselvnes/ Porsanger

Km-Stand 170.513

 

29.06.2022 - N 70°25'59.50“ E 26°44'14.5“ - Moskeneset - Landersfjord

Km-Stand 170.442 

 

Was schrieben wir noch vorgestern? Den Weg am Hopsfjord Richtung Skjånes würden nur die wenigsten WoMo-Fahrer machen und wir daher die himmlische Ruhe genießen können? Das war vorgestern auch der Fall. Gestern dagegen haben wir die "Rechnung ohne den Wirt" gemacht. Am Nachmittag sahen wir schon von Weitem etwas Weißes nahen, nein, es sind drei. Wir denken noch: "Na, die werden doch wohl nicht ..." und schon fuhr der erste mit Schmackes auf "unseren" Platz, die nächsten folgten auf dem Fuße. Eigentlich ist der Platz für vier Mobile viel zu klein, aber die aus Italien kommenden Fahrer hatten soviel Anstand, sich alle drei eng aneinander mit ausreichendem Abstand zu uns aufzustellen. Trotzdem hat uns das laute Geplapper irgendwann genervt und wir sind am späten Abend noch einmal nach Skjånes weiter gefahren, um zu schauen, ob noch irgend ein anderes Plätzchen zu finden ist. Skjånes ist ein kleines, für Norwegen typisches Fischerdörfchen. Kurz vor Einfahrt in den Ort stehen die hölzernen Gestelle noch voll behängt mit inzwischen luft-getrocknetem Dorsch. 60 bis 70  Einwohner sollen hier ihren Unterhalt mit Fischfang verdienen. Inzwischen baut man auch hier etwas auf den Tourismus und bietet Unterkünfte an - zumindest haben wir das so nachlesen können. Unterwegs war uns ein kleines, wie für unseren Leo gemachtes Plätzchen aufgefallen, dorthin fahren wir zurück und verbringen hier die Nacht, allein und ungestört. Hier passt kein weiteres Fahrzeug drauf.

 

Im Übrigen hat die Hitzewelle inzwischen auch das Eismeer erreicht mit gestern bis zu 27°. Und was sehr selten vorkommt, es herrschte fast völlige Windstille. Diese Wetterbedingungen finden Mücken einfach ideal. Selbst hier direkt am Fjord lassen sie einem keine ruhige Minute. Das kann Helga überhaupt nicht ab und selbst Heiko bleibt lieber bei rundherum geöffneten Fenstern im Innenraum. Der schöne Ausblick bleibt uns ja erhalten. Gut ist, dass ab etwa 23 Uhr die Sonne ihre Runde hinter der auf der anderen Straßenseite befindlichen hohen Felswand dreht. Das sorgt für Schatten und ein wenig Abkühlung in der Nacht mit einem leichten Lüftchen.

 

Schon ab ca. drei Uhr am Morgen ist die Sonne wieder prall über uns und sorgt für Wärme. Jetzt im Moment (es ist Mi. 29.6., 15:40 Uhr) steht das Thermometer auf 32°. Aber immerhin weht hier auf unserem jetzigen winzig kleinen Platz am Landersfjord auf der Landzunge "Moskeneset" ein erfrischender Wind. Für Mücken ist der Luftzug wohl zu stark, aber dafür muss man sich vor Bremsen in Acht nehmen. Also, wenn es nach uns geht, gefallen uns niedrigere Temperaturen mit etwas Wind und der entsprechenden Kleidung besser. In Slettnes hat uns auf allen Wanderungen über das Fjell nicht eine Mücke behelligt. 

 

Nachdem wir heute vom Hopsfjord bei strahlend blauem Himmel weitergefahren sind über die Landenge aufs Festland und weiter auf dem Nordkynvegen nach Süden Richtung Ifjord, ist uns wieder zu Bewusstsein gekommen, was für eine wunderschöne und abwechslungsreiche Strecke mit herrlichen Ausblicken dies ist. Auf der Hinfahrt waren wir erschöpft, genervt von den schlechten Straßenverhältnissen, die Sicht war nicht besonders toll ... und obwohl wir eigentlich um die Schönheit wussten, haben wir nichts davon mitbekommen. Da sieht man mal, wie oftmals die unterschiedlichsten Eindrücke von ein und der gleichen Reise entstehen können. 

 

Die ersten ca. 30 Kilometer führt der Nordkynvegen auf 346 m Höhe über ein weites Geröll-Fjell, auf dem nun wirklich gar nichts mehr zu wachsen scheint, außer Flechten und Moosen. Trotzdem ziehen auch hier Rentierherden, ab und an sieht man auf dem Asphalt deren flüssige Hinterlassenschaften. Sie faulenzen gerne auf dem warmen Asphalt herum und müssen natürlich auch mal "austreten". Die nächsten 50 Kilometer führen stetig abwärts, das Geröll-Fjell endet und macht der typischen Fjell-Landschaft mit niedrigem Bewuchs Platz, wie wir es auch von Slettnes her kennen und wir entdecken auch wieder neben anderen Pflänzchen die kriechende Birke.

 

Unterwegs ist der Blick hinunter ins Torskefjorddalen Naturreservat von Höhe der Straße aus gesehen schön und auch interessant. Hier sieht man deutlich, was nur wenige hundert Meter Höhenunterschied für den Bewuchs ausmachen. Ist hier oben die Pflanzenwelt noch zwergwüchsig, sehen wir im Tal unter uns schon höhere, aufrechte Birken - auch wenn diese immer noch recht klein und ziemlich schmächtig sind. Je näher wir auf Meereshöhe kommen, um so grüner wird es, vereinzelten Gehöfte und  Fischerhütten tauchen auf, und gelb und lila blühenden Wiesen. In Ifjord (Samisch: Iddjavuodna) biegen wir nach rechts auf die Straße 98 Richtung Lachsfjord, bis dort sind es etwa 150 Kilometer. Weit fahren wir heute nicht mehr, als wir das oben beschriebene winzige Plätzchen mit schönem Ausblick entdecken. Die Gelegenheiten müssen beim Schopfe gepackt werden.

 

Ach ... übrigens: Oben auf dem Fjell findet sich ein nettes Exemplar nordischer Architektur. Selbst auf Rastplätzen befindliche Toilettenhäuschen mit überdachten Ruheplätzen und sogar einer Feuerstelle passen sich der umgebenden Natur wunderbar an und bieten einen angenehmen ästhetischen Anblick.

 

 

28.06.2022 - N 70°47'47.5“ E 28°1'57.5“ - Flueneset am Hopsfjord - Lillestappen

 

 

27.06.2022 - N 70°49'20“ E 27°57'14“ - Flueneset am Hopsfjord - Lillestappen

 

Heute Nacht musste Heiko Leo umstellen, mit der Nase in Richtung Wind. Schon gestern wurde es recht windig, was die Nacht über und auch heute noch anhält. Steht Leo falsch herum, pfeift der Wind unter die Solarpanele hindurch und erzeugt ein ganzes Orchester an Flötentönen. Das ist ein bisschen blöd und lässt Heiko nicht in Ruhe schlafen. Eine Idee, wie das Geflöte abzustellen sei, ist Heiko noch nicht gekommen. Irgendwann wird er einen Geistesblitz haben.

 

Ansonsten beginnt der Tag wunderbar mit strahlend blauem Himmel, die Wolken hat der Wind alle vertrieben. So hat alles seine Vor- und Nachteile. Wie auch der Vorteil bei Wind ist, dass den die Mücken gar nicht mögen, wir also von diesen Plagegeistern verschont bleiben. 

 

Nach dem Frühstück machen wir uns auf zu neuen Ufern. Wie jedes Mal sind wir auch heute wieder begeistert von den herrlichen Ausblicken über die Fjordlandschaften entlang des Weges nach Mehamn. 

Unterwegs stellen wir fest, dass wir wohl genau den richtigen Zeitpunkt zur Abfahrt erwischt haben. So viele WoMo's sind uns auf dieser Tour bisher noch nicht begegnet, wie sie uns im Moment alle in Richtung Slettnes entgegenkommen. Allein eine Karawane von etwa 10 Wohnmobilen mit italienischem Kennzeichen. Es ist anzunehmen, dass dies eine geführte Tour ist. Wo die wohl alle auf einem Haufen in Slettnes stehen wollen? Vielleicht auf dem Parkplatz direkt am Leuchtturm eng an eng. Gestern schon sahen wir von ferne etwa acht Fahrzeuge hintereinander zum Leuchtturm einbiegen. Heute morgen waren sie bereits wieder weg. Wir fragen uns allen ernstes, was diese Reisenden eigentlich von solch einer Reise haben. Diese wahnsinnig lange Tour hier hoch, nur, um an bestimmten festgelegten Orten eine Nacht zu verbringen, einmal auszusteigen und mit dem Smartphone rundum Fotos zu schießen, dann unbedingt weiter zum Nordkapp, wo sich alle drängen, ohne dass da irgendwas Besonderes zu sehen wäre, und dann zurück nach Hause - und das alles meist in drei Wochen. Der komplette Wahnsinn in unseren Augen.

 

Nachdem wir in Mehamn noch die notwendigen Arbeiten, d.h. die Ent- und Versorgung, erledigt haben und im dortigen Coop einkaufen waren, geht es südwärts auf der Nordkinn-Halbinsel bis nach Hopseidet, dem etwa einen Kilometer breiten Isthmus, der die Halbinsel mit dem Festland verbindet. Von hier führt die Straße 78074 ostwärts immer entlang des Hopsfjordes bis zu dem kleinen Örtchen Skjånes. Etwa auf halbem Wege liegt unser Platz. Zwar direkt an der Straße, die aber nur wenig frequentiert wird, also kaum stört. Überhaupt machen diesen Abstecher nur die wenigsten Wohnmobilisten. Gut für uns. 

 

Im Übrigen ist die Halbinsel Nordkinn die nördlichste Halbinsel des europäischen Festlandes. Das Nordkap liegt zwar etwas nördlicher (71° 10′ 21″ nördlicher Breite), ist aber auf der Insel Magerøya gelegen. Der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes auf der Nordkinnhalbinsel heißt Kinnarodden und liegt auf 71° 08′ 01″ nördlicher Breite. Dieser Punkt ist aber nur durch eine 24 Kilometer lange Wanderung zu erreichen. Das ersparen wir uns, zumal die Wanderung nicht ohne Risiko sein soll, vor allem bei schlechtem Wetter. Und dieses kann ja bekanntlich schnell umschlagen.

 

Ach, noch was wissenswertes: Erst im August 1989 wurde die Nordkinnhalbinsel überhaupt an das norwegische Straßennetz angeschlossen. Noch gar nicht so lange her. Bis dahin waren die Ortschaften ausschließlich auf ihre Häfen und Schiffe angewiesen. 

 

Bis auf den Wind, der noch Kühle vom Meer her mitbringt, ist es gegenüber den vorherigen Tagen erheblich wärmer geworden. An windgeschützten Stellen konnten wir am Nachmittag auf unserem Platz am Hopfsfjord sonnenbaden und ein Gläschen kühlen Weißwein genießen. Herrlich - der Blick auf das blaue Wasser des Fjordes, die himmlische Ruhe. Schöner kann es gar nicht sein. Ach ja ...  morgen soll das Thermometer bis auf 27° steigen und der Wind nachlassen. Da werden wir wohl einfach hier bleiben. 

 

 

 

26.06.2022 - N 71°5'26“ E 28°11'19“ - Sletnes

 

Die Wettervorhersage für Sletnes hatte uns zum Vormittag eigentlich Sonne versprochen. Leider hielt dieses Versprechen nur kurze Zeit. Aber kein Problem für uns “Nordland-Erprobten“ wir machen unseren Gang abermals ans Wasser und über das Fjell egal welches Wetter wir haben. Wat mutt, dat mutt. Es gibt immer wieder etwas zu entdecken.

Die Wale bleiben uns treu und ziehen ihre Bahnen durchs Wasser und gestern Abend ging Heiko noch einmal zum Fotografieren raus und konnte den mächtigen Atemausstoss der Wale am Rande des Wassers vernehmen. Glücklicherweise, weil der Wind sehr günstig stand und das Wasser sehr ruhig war und keine Brandung hatte. Der Blas der mächtigen Meeressäuger ist so kräftig, dass man ihn noch in einigen Kilometern hören und sehen kann.

 

 

25.06.2022 - N 71°5'26“ E 28°11'19“ - Sletnes

 

Heute ist Wochenende und Ruhetag. Außer einer kleinen Fahrradtour nach Gamvik und etwas Einkaufen im dortigen Tante-Emma-Laden, ein Abstecher zur Kirche und ein paar Fotos vom Arktischen Mohn ... ist heute nichts los. Ach, bis auf wieder stundenlang Wale und faule ''Adler mit viel “Ansitzausdauer“ vor der Küste beobachtet. 

 

 

24.06.2022 - N 71°5'26“ E 28°11'19“ - Sletnes

 

Buckelwale und die "Bucht der Toten"

 

Worauf wir lange gewartet haben: Heute konnten wir durchs Fernglas einmal wieder Buckelwale beobachten. Aufmerksam wurden wir durch die Fontänen bzw. den Blas, der bei klarer Sicht, Sonne und blauem Wasser gut zu erkennen war. Einige Stunden lang hielten sie sich in unserer Sichtweite auf und tobten durchs Wasser, mit Fluken und Finnen schlagend, dass die Gischt nur so spritzte. Schade dass man nicht näher heran kommt. Robben spielten unten vor den Felsen und eine dreiköpfige Adlerfamilie hatte ihren Beobachtungsposten am Wasser bezogen. Ein aufmerksamer Beobachter, wie Heiko einer ist, entdeckt ständig Neues in dieser herrlichen Natur.

 

Auch eine Wanderung haben wir heute wieder unternommen, vorbei an der "Daumannsvika", der "Bucht der Toten". Seltsame Namen werden hier vergeben. Geschichten, wie es zu den Namensgebungen gekommen ist, können auf Informationstafeln nachgelesen werden. Ebenso wie für die "Holländerbucht", die wir etwas später erreichen. Fotos der entsprechenden Informationen sind hier beigefügt. 

Und während wir für den Blog arbeiten, besucht uns eine Rentierherde. Besonders zu erwähnen, weil diese teilweise noch ihr Winterfell tragen.

 

23.06.2022 - N 71°5'26“ E 28°11'19“ - Sletnes

 

Gestern Abend brach die Sonne noch für kurze Zeit strahlend hervor und tauchte den Leuchtturm und sein vegetatives Umfeld in warmes Licht. Grund genug für uns diesen Moment zu nutzen, zum Wasser zu marschieren und schon einmal ein paar Fotos zu schießen.

 

Nachts um viertel nach zwölf braucht Heiko keinen Wecker, die Sonnenstrahlen, die sich durch die Ritzen der Fenster-Jalousien stehlen, reichen aus, um ihn aus dem Schlaf zu holen. Wir widerstehen dem Drang, einfach liegen zu bleiben und Sonne Sonne sein zu lassen. Unsere Klamotten hatten wir schon am Abend bereit gelegt, so sind wir schnell warm eingepackt auf dem Weg hinunter zu den Felsen am Wasser. Super ... die Sonne steht genau richtig um diese Zeit, um den Leuchtturm anzustrahlen. Um zwei Uhr liegen wir wieder warm in unseren Betten.

 

Um viertel nach acht sind wir schon wieder im Gange. Nach dem Frühstück nutzen wir das weiterhin trockene und jetzt sogar mit 15° recht warme (für diese Polarregion) Wetter zu einer kleinen Wanderung über das Fjell. Der Einstieg liegt direkt hinter Leo. In Abständen aufgestellte Pfähle weisen den Weg, der nur ein sehr schmaler ausgetretener Pfad ist und einige Male über Geröll führt. Kleine Bachläufe durchziehen das Gebiet an deren Rändern zart grünes Moos wächst, hier und da liegen kleine Seen und mooriges Gelände und natürlich Felsen. Sumpfdotterblumen blühen dort wo sich Wasser sammelt, hier und da sehen wir die ersten, noch geschlossenen Blüten des wilden Lauchs, und andere Pflanzen, deren Namen wir nicht kennen. Bäume oder Büsche gibt es keine ... oder doch? Es sieht so aus, als wenn hier winzige Birken nicht in in die Höhe wachsen, sondern am Boden kriechen und sich dort nahezu festkrallen. Das muss im Internet eruiert werden, sobald wir wieder ein stabileres Netz haben als dies heute der Fall ist. 1* 

 

Es gibt zwei Wanderpfade über das Fjell: Den Natursteig und den Kultursteig. Wir gehen den Kultursteig. Eigentlich wundert man sich - wieso Kultur? Es ist doch nur Natur um uns herum. Aber dieses Gebiet hat durchaus eine Kulturgeschichte, nur ist leider davon nicht mehr viel zu sehen. Aber ein Informationsschild klärt auf, dass es hier in Steinvåg vor 100 Jahren geschäftiges Leben gab. Die letzten Ansässigen zogen 1927 von hier fort. Ein Foto mit den Informationen über dieses Gebiet "Steinvåg" fügen wir hier bei.

 

Nachdem wir Steinvåg erreicht haben entschließen wir uns, den Rundweg nicht weiterzugehen, sondern den Rückweg anzutreten. Es zieht ein Wetter auf und wir wissen von vorherigen Wanderungen, dass, wenn wir weiter gehen würden, der Weg beschwerlicher wird. Und Arthrose geplagte Knie sollte man auch nicht überfordern. Auch so kommen wir leicht ins Schwitzen, denn der Rückweg geht erst einmal bergan.

 

Inzwischen ist es fast drei Uhr nachmittags und es sind wieder Wolken aufgezogen und - wie so oft hier oben - auch wieder Wind. Macht nichts, wir wollen jetzt sowieso erst einmal ausruhen.

 

1*

So, nun konnten wir nachschauen. Es handelt sich tatsächlich um Bäume, nämlich um die Zwerg-Birke (Betula nana), auch Polar-Birke genannt, eindeutig an den Blättern zu erkennen. Sie ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Birken (Betula) innerhalb der Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Sie ist auf der Nordhalbkugel arktisch-alpin verbreitet.

 

Die Zwerg-Birke wächst als sommergrüner, verzweigter Zwergstrauch, der an stürmischen kalten Standorten, im buschartigen Wuchs nur Wuchshöhen von 0,2 Metern (am Boden liegend) bis 0,5 Metern, in geschützten Lagen meist als einzel- oder in kleinen Gruppen stehenden Bäumchen 0,5 bis über 1,0 Metern erreicht. Er hat liegende oder aufsteigende Äste. Die schwarzgraue Rinde der Zweige ist anfangs filzig behaart, später kahl und dunkel rotbraun gefärbt.

 

Bei kälteren Temperaturen neigt die Zwerg-Birke generell zur vegetativen Vermehrung über Brutwurzeln, wohingegen sie sich in wärmeren Gebieten eher über Samen ausbreitet.

 

Tagsüber

Nachts 1:00 h

Abends 21:45

 

22.06.2022 - N 71°5'26“ E 28°11'19“ - Sletnes

Km Stand 170.219 

 

Am schönsten und nördlichsten Ende des europäischen Festlandes.

Tja, was ist er nun, der Slettnes Fyr, der nördlichste Leuchtturm der Welt oder Europas, oder "nur" Festland-Europas? Alle Möglichen Aussagen kann man lesen. Auf dem europäischen Festland ist er wohl aber tatsächlich der nördlichste. Einen noch nördlicheren gibt es auf der Schäre Fruholmen nahe der Insel Ingøy, westlich des Nordkaps. Und der ist damit dann wohl der nördlichste der Welt.

 

Aber das ist uns völlig egal und eigentlich nur Pfennigfuchserei. Für uns und viele andere Nordlandfahrer ist dies Fleckchen Erde das schönste nördlichste Ende Europas. 

 

Heute ist mal wieder  Wolken- und Regentag, so lassen wir uns Zeit und fahren erst am frühen Nachmittag von Mehamn los in Richtung Gamvik. Gamvik ist ein nettes Fischerdorf, das wir auf dem Weg zum Leuchtturm passieren. Am Ende führt nur noch ein Schotterweg  zu einem toten Ende mit einem kleinen Parkplatz, auf den etwa fünf WoMos passen. Dieser ist unser Ziel und wir hoffen, dass es uns nicht so ergeht, wie beim letzten Mal, als wir vor mehreren Jahren hier waren. Damals war nicht nur der Parkplatz völlig überfüllt, sondern die Leute standen mit ihren überlangen Dickschiffen rechts und links des schmalen Weges sogar auf den Vegetationsflächen. Denen war völlig egal, dass die karge Vegetation in diesen Breiten sehr empfindlich ist. Außerdem wird so auch die Vogelwelt erheblich gestört. Es brüten hier zu dieser Zeit Seevögel aller Art. Damals sind wir eiligst, aber traurig und auch wütend, geflüchtet. Heute sieht es tatsächlich anders aus. Was vielleicht auch daran liegt, dass die Stellplatz Apps seit einiger Zeit darauf zu achten scheinen, dass nicht mehr jede Meldung als Stellplatz aufgenommen wird. Es gibt WoMo-Fahrer, die meinen, jeden Parkplatz, jede Haltebucht, jeden Wendeplatz und vor allem jeden versteckten Geheimtipp als Übernachtungsplatz melden zu müssen. Jedenfalls - langer Rede kurzer Sinn - heute ist es wieder wie wir es 2010 vorgefunden hatten. Der Parkplatz war leer als wir ankamen, im Laufe der letzten Stunden sind drei weitere, kleinere Fahrzeuge dazugekommen. Gut so. 

 

Die karg scheinende Vegetation täuscht ein wenig auf den ersten Blick. Auf den zweiten erkennt man, dass die Flächen voller Blüten sind. Später im Jahr, ab August gibt es hier Moltebeeren, Heidelbeeren, Preiselbeeren und Krähenbeeren im Überfluss.

 

Wir haben viele schöne Erinnerungen an Begebenheiten während unserer Aufenthalte. An einen gestrandeten, leider verendeten Wal zum Beispiel. Was einerseits traurig war, andererseits aber auch interessant, einmal ein solches Tier in seinen ganzen Ausmaßen sehen zu können. An schöne Wanderungen, an Waffelessen im gemütlichen Café des Leuchtturms, stundenlange Foto-Sessions in den schroffen Felsformationen an der Küste und und und ... Wir schauen mal, was uns die nächsten Tage so bringen. Ab Mitternacht soll für einige Stunden die Sonne scheinen ... hm, ob wir es schaffen wach zu bleiben? Den Wecker werden wir uns auf jeden Fall stellen ... wir werden berichten.

 

Interessantes aus der Geschichte Gamviks während des Zweiten Weltkrieges unter deutscher Besatzung (entnommen aus dem online Magazin "weites.land"):

 

"Die deutsche Besetzung Norwegens während des Zweiten Weltkrieges galt der Sicherung von Rohstoffen für die Kriegsproduktion und in der Finnmark dem Feldzug gegenüber den Russen. Für Deutschland war es elementar, das wichtige Eisenerz aus Kirkenes ins Deutsche Reich zu transportieren und ein Aufmarschgebiet für einen Angriff gegen den russischen Militärhafen Murmansk zu haben. Um die eigenen Transportwege vor den Alliierten zu schützen, entstanden an der gesamten norwegischen Küstenlinie der Barentssee Festungen und Kanonenstellungen. Ergänzt wurden diese durch Stellungen mit Maschinengewehren und Bunkeranlagen.

 

In Gamvik waren 135 Soldaten aus Österreich und Deutschland stationiert. Das Verhältnis zu den Bewohnern von Gamvik war friedlich. Die hier stationierten Soldaten waren den Aussagen der Einheimischen sehr diszipliniert. Nur kam Hitler im Russlandfeldzug nicht voran. Vielmehr musste er sich mit seinem Soldaten an allen Fronten des Zweiten Weltkrieges zurückziehen. So musste auch der Feldzug gegenüber Murmansk aufgegeben werden. Dadurch rückten die russischen Soldaten nach. Finnland, bisher als Puffer zwischen Norwegen und Russland, hatte seine Gebiete an der Barentssee bereits an Russland verloren und kapituliert.

 

Verbrannte Erde in Gamvik / Finnmark an der Barentssee

Am 27. Oktober 1944 befahl Hitler, alles zu zerstören und zu vernichten, was den Feinden beim Nachrücken nützlich sein könnte. Das war der Befehl der verbrannten Erde. Auch in Gamvik sollten sich die Soldaten nun zurück ziehen.

 

Für eine Woche glaubten die Menschen in Gamvik nun an das Ende des Zweiten Weltkrieges in der Finnmark und an ihre zurück erlangte Freiheit. Doch am 5. November 1944 trafen Deutsche Marineeinheiten ein und zerstörten Gamvik das erste Mal. Alle Tiere wurden erschossen, Leitungen gekappt, Boote zerstört und Häuser angezündet. Eigentlich sollten die Bewohner in den Süden von Norwegen transportiert werden. Aber Gamvik ist von Samen bewohnt und die Samen galten im übrigen Norwegen als ungewollte primitive Menschen. So flogen die Einwohner von Gamvik in die schroffen Berge.

 

Während sich das Drama der Verbrannten Erde am folgenden Tag in Mehamn wiederholte, kamen die Menschen aus ihren Verstecken zurück und bauten sich in diesen durchaus harten Witterungsbedingungen einfache Unterkünfte. Nichtverbranntes Holz, Reste der zerstörten Boote, Decken wurden zu einfachen Hütten umgebaut. Das Fleisch der erschossenen Tiere diente als Nahrung.

 

Doch einen Monat später kamen die Deutschen wieder und zerstörten alle Provisorien. Wieder schafften es die Einwohner noch rechtzeitig in die Berge. Wieder das gleiche Spiel, das umliegende Holz zusammen suchen und sich einfache Hütten bauen. Um den Stürmen, dem Schnee und der Kälte zu trotzen.

 

Fünf Tage vor Weihnachten, am 19. Dezember 1944 hörten die Einwohner von Gamvik wieder die Schnellboote. Einige junge Männer aber konnten sich Waffen beschaffen und die Landung der deutschen so lange hinaus zögern, dass die Bewohner wieder fliehen konnten. Dieses Mal wurden 17 von insgesamt 300 Bewohnern gefangen und in den Süden Norwegens deportiert. Einige der verbliebenen Bewohner flüchteten über die Barentssee nach Osten hinter die feindlichen Linien, andere bauten sich Höhlen, Torfhütten oder Behausungen aus umgedrehten Booten.

 

Als der Krieg zu Ende war, begannen die Menschen bald mit dem Wiederaufbau ihres Dorfes. Unterkünfte für Menschen und Vieh sowie Boote, um die Fischerei wieder in Gang zu bringen, waren die ersten Prioritäten. 

 

In der ersten Phase des Wiederaufbaus wurden Kinder aus der Finnmark nach Schweden geschickt, um eine sichere Umgebung und eine gesunde Ernährung zu haben. Im Laufe der Geschichte hatten sich die Menschen dort niedergelassen, wo sie wollten. Nun wurde der Wiederaufbau von der Zentralregierung geplant und viele Weiler auf der Halbinsel wurden nicht wieder besiedelt.

 

Der Wiederaufbau war in vielerlei Hinsicht eine Schockmodernisierung des Landkreises. In den 1950er und -60er Jahren florierten Wirtschaft und zivilgesellschaftliche Organisationen, und die Bevölkerungszahl erreichte ihren Höhepunkt."

 

 

21.06.2022 - N 71°3'2“ E 27°51'39“ - Mehamn auf dem Hügel der Landzunge Vevikneset

 

Gerade eben, kurz nach neunzehn Uhr, machte sich das durch den Mehamnfjord nach Mehamn einlaufende Schiff der Hurtigruten lautstark bemerkbar. Von unserem hoch liegenden Übernachtungsplatz auf Vevikneset, einer Landzunge hinter Mehamn, können wir es schön beobachten. Wir stehen hier vollkommen allein, himmlische Ruhe und herrlicher 180° Blick über das Eismeer. Nur die Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg mit den Resten der Batterieanlagen der Deutschen Wehrmacht zerstören ein wenig den Eindruck der Friedlichkeit. Es gibt eine Hinweistafel mit der Beschreibung, was hier in den 40ern des vorigen Jahrhunderts los war. Aber die Norweger gehen inzwischen recht pragmatisch damit um hat man den Eindruck. Vor den Ruinen der Batterieanlagen stehen Tische und Bänke, wo man die Geschichte des Ortes und die beeindruckende Landschaft auf sich wirken lassen kann. Die Vegetation ist hier im Moment noch nicht üppig, aber immerhin ein Fleckchen hat Helga entdeckt mit einer kleinen Ansammlung des Arktischen Mohns. 

 

Die Fahrt von Höyholmen nach Mehamn war etwas nervtötend und ermüdend. Wir waren beide froh endlich angekommen zu sein, ansonsten wären wir wohl während der Fahrt eingenickt ... was bei Helga als Beifahrer ja nicht schlimm gewesen wäre, hm. Die Straße Nummer 98, die über das Ifjordfjell nach Ifjord führt, galt lange Zeit als die schlechteste aller schlechten Straßen in Norwegen. Wir haben sie noch gut in diesem Zustand in Erinnerung. Seit einigen Jahren wird an der Straße gebaut und zu einem großen Teil ist sie auch schon fertiggestellt. Aber eben nur zum Teil. Über etliche Kilometer haben wir uns auf der aufgerissenen Trasse, die mit faustgroßen Klamotten grob befahrbar gemacht wurde, mit allerhöchstens 30 km/h durchrütteln lassen.

Die Strecke war extrem staubig und teilweise mit dicken Huckeln, vielen Vertiefungen und allem was man sich an Unebenheiten nur vorstellen kann, versehen. Eine gruselige Fahrt für Fahrer und Auto, außerdem hatten Baufahrzeuge Vorrang wir hatten zu warten, bis diese beladen waren und ihren Aushub an Erde und Geröll abtransportieren konnten. Nicht zimperlich donnern diese LKW's über den groben Schotter und kennen keine Rücksicht.

 

Ein Wunder, dass das Geschirr noch einigermaßen ordentlich im Schrank steht. Und es war heute die längste Strecke über baum- und strauchlose Hochebenen mit viel Schnee und gefrorenen Seen. Denn auch nach der Abbiegung auf die 888 über die Nordkynhalbinsel hoch nach Mehamn geht es über lange Strecken übers Fjell. So interessant wir diese Landschaft finden, heute hatten wir erst einmal genug, auf Dauer ist es doch etwas ermüdend, weil das Auge wenig Abwechslungsreiches findet. Aber immerhin war es warm und sonnig. Die Sonne hat sich jetzt am Abend aber erst einmal wieder verabschiedet.  

 

An vorderster Front auf dem Hügel vor Mehamn
An vorderster Front auf dem Hügel vor Mehamn

 

20.06.2022 - N 70°30'43“ E 28°27'12“ - An der Mündung des lachsreichsten Fluss Tana

 

So geht's manchmal ... haben wir gestern morgen vor Müdigkeit nicht aus den Federn gefunden, sind wir heute schon um viertel nach vier putzmunter. Dann können wir auch gleich den Tag beginnen. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Båtsfjord. Vor vielen Jahren hatten wir dort in der Gegend Aufnahmen gemacht und wir sind neugierig, wie es heute aussehen mag. Wie immer, wenn man hier oben zu einem der Küstenorte fährt, geht es erst einmal hinauf auf ein Hochplateau. Das Båtsfjordfjellet liegt auf etwa 400 Metern Höhe und wir staunen  über die noch vorhandenen Schneemengen an markanten Stellen. Viele Seen sind noch von einer Eisschicht überzogen. Kein noch so kleines Bäumchen, kein Strauch in Sicht, nichts was hier wächst wird höher als 3 cm (unsere Schätzung). Die Landschaft übt auf uns eine eigenartige Faszination aus. Als wenn man sich auf einem anderen Planeten befände. Kurz vor Båtsfjord zweigt eine Straße rechts ab, nach Syltefjord. Hm ... Syltefjord ... Syltefjord, wir überlegen, war das nicht der Ort, wo wir die Aufnahmen gemacht haben? Kurz entschlossen folgen wir dem Hinweisschild Richtung Syltefjord. Wir sind uns nicht sicher und haben auch keine Erinnerung an den doch ziemlich langen Weg dort hin.  Zur Küste hin fällt das Land recht steil ab, die Straße verläuft in einem Tal, das je weiter es hinunter geht, wieder ein lieblicheres Bild zeigt mit grün leuchtenden Fjellbirken. Als Syltefjord unter uns in Sicht kommt, ist Heiko sich sicher: Genau, das ist der Ort. Vieles hat sich nicht verändert. 

 

Wissenswertes über Syltefjord

"Syltefjord ist eine Art Außenposten von Båtsfjord. Der Hauptort, der in Karten auch Nordfjord genannt wird, liegt am Ende des Nordfjorden, einem Seitenarm des 3 bis 5 Kilometer breiten Syltefjorden. Der Ort wird im Süden begrenzt vom 140 m hohen, auf einer Halbinsel gelegenen Hamnefjell und im Norden durch das Syltefjordfjellet. Syltefjord umfasst auch die paar Häuschen oder Hütten der Mini-Siedlungen Vesterelv und Hamna. Schon früh hatte der Ort etwas mit Fisch-, oder korrekterweise, mit Säugetierindustrie zu tun. Seit 1883 betrieb die Gesellschaft Victor mit Sitz in Tønsberg eine Walfangstation in Syltefjord. Eingesetzt wurde das neue Walboot "Victoria", das von dem damals bekannten Kapitän Lauritz Berg geführt wurde. Doch die Zeit des Walfangs ist vorbei - die Gebäude sind abgerissen oder verfallen in der rauhen Witterung - und man ist auf Aquakultur umgestiegen. Davon zeugt eine Lachszuchtanlage im sauberen Wasser des Nordfjorden, nur ein paar Kilometer östlich von Syltefjord gelegen. Während die meisten anderen verlassenen Fischerorte der Kommune Båtsfjord schon direkt nach dem Krieg aufgegeben wurden, verkauften die letzten Bewohner Syltefjords ihre Häuser etwa 1989. Die Abwanderung erfolgte meist nicht auf eigenen Wunsch, sondern die Kommuneverwaltung übte aus infrastrukturellen Gründen indirekt Druck auf die Bewohner aus. In der damals geschlossenen Schule ist heute eine lokalhistorische Sammlung untergebracht. Zu der Zeit fuhr noch eine kleine Fähre von Båtsfjord bis hierher. Fast alle Bewohner zogen nach Båtsfjord um und die, die es sich leisten konnten, behielten ihre Häuser als Ferienwohnsitz. Die Häuser der anderen wurden von den reicheren Båtsfjorden aufgekauft und heute als Ferienhütten selbst genutzt oder vermietet. Neben der Schule steht die Kapelle von Syltefjord, die im Jahre 1955 aus dem niedergebrannten Makkaur nach hier umgesetzt wurde. Das Stauran Café, das aus russischem Treibholz gebaut ist, hat nur in den Sommermonaten auf."

 

So langsam macht sich das frühe Aufstehen bemerkbar. Auf dem Hinweg hatten wir einen netten Rastplatz entdeckt N70°30'50,4“ E 29°42'39“, den steuern wir nun an und holen etwas von dem versäumten Schlaf nach. Inzwischen ist die Kälte einer angenehmeren Temperatur gewichen, die Sonne hat sich durch die Wolkendecke gekämpft. Trotzdem sind nur sehr wenige Mücken unterwegs, also Ideale Bedingungen, mal wieder unseren Cobb-Grill anzuschmeißen. Nach der leckeren Entenbrust entscheiden wir uns, noch ein wenig weiter zu fahren und landen am frühen Abend bei strahlendem Sonnenschein noch einmal auf der Halbinsel Höyholmen. 

 

19.06.2022 - N 70°49'15“ E 29°22'37“ - Berlevagveijen

 

Oh, schon halb zehn, als wir am Morgen aufwachen. Das kommt nicht häufig vor, dass wir so lange schlafen. Die Luftveränderung, die erheblichen Temperaturschwankungen, und nicht zuletzt das Reizklima machen sich bemerkbar. 

 

Es sind nach wie vor nur 6° und der Himmel ist bewölkt. Das Frühstück nehmen wir in unsere Kuscheljacken gehüllt ein. Die Wettervorhersage verspricht ab Mittag für kurze Zeit Sonnenschein. Um halb zwölf machen wir uns auf den Weg entlang der Eismeerküste zum Leuchtturm von Kjølnes, dem Kjølnes Fyr. Und siehe da, die Sonne zeigt sich zwar nicht direkt, aber die Wolkendecke ist dünner geworden, es ist windstill und recht milde, die Luft ist sehr angenehm. 

 

"Kjølnes ist einer der spektakulärsten Leuchttürme entlang der Küste. Er befindet sich auf einer schmalen Landzunge, die in die oft tosende Barentssee hineinragt. Vier Familien haben hier früher völlig isoliert gewohnt. Heute wird der Leuchtturm automatisch betrieben. Außerdem gibt es nun eine Straßenanbindung. Im Westen von Berlevåg liegt der majestätische Berg Tanahorn. Er ragt 270 m direkt aus dem Fjord empor und bietet einen atemberaubenden Ausblick über reiche Fischgründe, Nordkinn und die Hochebene in Richtung Südosten. Tanahorn ist ein alter heiliger Berg und Opferstätte der Samen."

 

Na ja, so richtig spektakulär finden wir den Leuchtturm selbst nun nicht. Es ist die Lage, die ihn besonders macht. Und wenn das Meer so richtig tobt, wird es wirklich ein spektakulärer Anblick sein. 

Heute jedenfalls, bei fast völliger Windstille und ablaufendem Wasser, begeistern Heiko die tollen Felsformationen und Helga kann sich an der Blütenpracht der Trollblumen gar nicht satt sehen. Überhaupt die gesamte Flora, trotz der Kälte. Manche der Blüten sind so winzig, dass man schon ganz genau hinsehen muss, um ihre Schönheit zu erkennen.

 

"Mit ihren 1.000 Einwohnern ist die Kommune Berlevåg eines der größten Fischerdörfer in der Provinz Finnmark. Der große Hafen des Dorfs ist von zahlreichen fischverarbeitenden Fabriken umsäumt ... Es gibt unterschiedliche Meinungen zur Herkunft des Namens Berlevåg (in historischer Schreibweise Berlevaag). Der wahrscheinlichste Ursprung ist ein Name aus der altnordischen Sprache der Samen, der sich etwa wie Berlevaggi oder Perlavaggi anhörte." 

 

Auch die Schiffe der Hurtigrute legen in Berlevåg an. Heute am Sonntag drängt sich der Gedanke auf, dass Berlevåg nur von Möwen bewohnt wird. Kaum eine Menschenseele auf der Straße. Die Hauptattraktion  des Dorfes scheint nach wie vor das sich im Zentrum befindende Geschäft und Atelier der Glaskünstlerin Daniela Salathé zu sein. Sie zog vor über 20 Jahren aus der Schweiz hierher und fertigt farbenprächtige Glaskunst, für die sie sich von der arktischen Landschaft und Kultur inspirieren lässt. Aus diesem Atelier hatten wir uns vor ungefähr 10 Jahren ein Andenken mitgebracht.

 

Wir tanken Leo auf und fahren zurück auf unseren alten Rastplatz. Mittlerweile wagt sich die Sonne tatsächlich richtig hervor. Es wird warm und gemütlich in unserem fahrbaren Zuhause.

Was den Leuchtturm von Kjølnes angeht, ist dieser z.Z. vom Festland getrennt. Entweder hat das Wasser im letzten Winter gewütet und die Brücke zum Einsturz gebracht, oder man hat sich entschlossen die komplette Anlage zu erneuern. Auch sind die umliegenden Felsenfurchen im Wasser total mit Steinen gefüllt, sodass das Fotografieren von ausgeschliffenen Felsformen unmöglich für mich nicht möglich war.

 

Alles was Flügel hat ist am Brüten und Großziehen von Vogel Nachwuchs. Wie wir gesehen haben, scheint die erste Brut schon herangewachsen zu sein. 

Bei den Möwen in Berlevag sind Brutplätze momentan Mangelware. Man muss mit den Nistplätzen in die Höhe gehen und so entsteht das Brut-Hochhaus.

 

18.06.2022 - N 70°49'15“ E 29°22'37“ - Berlevagveijen

 

Auf Höyholmen haben wir eine wunderbar ruhige Nacht verbracht. Bis auf einen Einheimischen, der mit seinem kleinen Boot auf das gegenüberliegende Ufer übersetzte, hat sich kein Wohnmobil welcher Nation auch immer, hierher verirrt. Das kennen wir aus früheren Reisen durchaus auch anders. Wahrscheinlich wird es ab der nächsten Woche erst richtig losgehen, dann haben die meisten Regionen Norwegens Sommerferien. Und die Deutschen und Holländer warten vielleicht eher bis in den Juli, der Wärme wegen. 

Heute Morgen beim Frühstück entdeckt Heiko durch das Fernglas auf einer vorgelagerten Sandbank eine Kolonie Seehunde mit ihren Jungen, dort saß gestern spät abends noch ein Adler ... und vollführen daneben im Wasser nicht auch Tümmler ihre akrobatischen Sprünge? ... Nein, es sind tatsächlich auch Seehunde. 

 

Zurück zur Hauptstraße gehts im Schritttempo. Nur so, oder aber im Schnellflug, kommt das WoMo unbeschadet über diese sandige Waschbrettpiste. Gut so ... denn nun sehen wir links und rechts des Weges am steinigen Ufer auch wieder die Austernfischer und ihre winzigen Küken, die nur zu erkennen sind, wenn sie sich bewegen. Sobald sie sich in Gefahr wähnen, ducken sie sich an die Erde und verschmelzen mit ihrer Umgebung. Super Tarnung. Aber ein Auto sehen sie nicht als Gefahr und so trippeln sie unbeirrt weiter. Und ... oh oh oh ... sind das da nicht Flamingos? Ach nein, kann nicht sein, soweit können sie sich nicht verflogen haben. Es sind Kraniche, die im flachen Wasser bei Ebbe Futter suchen. 

 

Weiter gehts auf dem Berlevåg Weg. Zuerst begleiten uns rechts und links noch kleine Krüppel-Birken-Wäldchen, und ein oder zwei Weiden mit grasenden Schafen und Rindern bevor es hinauf geht auf die völlig baum- und strauchlose Taiga des Kongsfjordfellet. Hier weht ein kalter Wind. Noch lange sind nicht alle Schneefelder abgetaut und auch die Eisdecken auf den Seen halten sich noch. Eine grandiose, einsame und raue Landschaft. Bei einem Stopp hört Heiko ungewohnte Vogel-Laute. Was mag das wohl sein. Mit dem Fernglas sucht er die nahe Gegend ab. Das wird schwierig, den Vogel ausfindig zu machen. Die sind meist mit ihrem Gefieder so sehr an die Umgebung angepasst, dass ungeübte Augen sie kaum entdecken können. Aber Heiko hat nicht nur ein super gutes Gehör (was von Nachteil ist, wenn er vor Straßenlärm nicht schlafen kann), sondern auch gute Augen. Der Vogel sitzt knapp unterhalb eines Rest-Schneefeldes im Gras. Erst wenn er uns seine dunkle Vorderseite mit dem weißen Rand zuwendet ist er sehr gut zu erkennen.  Später finden wir im Internet heraus, dass es sich um einen Sibirischen Goldregenpfeifer handelt. Auf einigen der kleinen Seen entdecken wir Pärchen von Singschwänen. 

 

Später geht es vom Fjell hinab ins Kongsfjord-Tal begleitet von Stromschnellen links und rechts des Weges, bevor die Straße am schroffen, felsigen Ufer des Kongsøyfjords entlang führt. Eine Menge Adler sind unterwegs. Wahnsinn, einer fliegt eine Weile neben uns her, bevor er sich auf einem Felsvorsprung niederlässt. Bald entdecken wir "unseren" Rastplatz, den wir schon mehrfach auf früheren Reisen genutzt haben. Inmitten der Felsen, auf steinigem Untergrund, aber mit Blick aus unserem Wohnzimmerfenster über das Eismeer. Vor einigen Jahren tummelten sich Buckelwale im Küstengewässer und ganz in der Ferne grüßt der Leuchtturm von Kjølnes. 

 

Trotz all der Felsen und des Gesteins ... die Pflanzen- und Blütenwelt bricht sich Bahn. 

 

 

17.06.2022 - N 70°30'43“ E 28°27'12“ - An der Mündung des lachsreichsten Fluss Tana

 

In Ohcejohka, wie Utsjoki auf Sami heißt, haben wir heute über den Grenzfluß "Tenojoki" Norwegen erreicht. In Norwegen heißt der Fluß "Tanaelva"  ... und aller guten Dinge sind Drei ...  Die Sami nennen ihn Deatnu, was einfach "großer Fluss" bedeutet. 

 

Wissenswert:

"Utsjoki gehört zum Siedlungsgebiet des indigenen Volks der Samen. 70 % der Einwohner sind ethnische Samen. Damit ist Utsjoki die einzige Gemeinde Finnlands, in der die Samen die Bevölkerungsmehrheit stellen. Allerdings sprechen nur 46 % Samisch als Muttersprache. Die Gemeinde gehört zum gesetzlich festgelegten samischen „Heimatgebiet“ (kotiseutualue), in dem den Samen besondere Minderheitenrechte zustehen. So hat die in Utsjoki verwendete Variante des Samischen, die nordsamische Sprache, in der Gemeinde neben dem Finnischen einen offiziellen Status und darf im Umgang mit den Behörden verwendet werden. Der Samenrat, eine länderübergreifende Nichtregierungsorganisation der Samen aus Finnland, Schweden, Norwegen und Russland, hat in Utsjoki seinen Sitz."

 

 

 

 

Hinter Utsjoki führt die E6 weiter immer am Fluß entlang bis zu dem Ort Tana bru (Deanu šaldi), der seinen Namen von der Brücke (bru), die über die Tanaelva führt, erhalten hat. 

 

Obwohl Tana bru das administrative Zentrum der Gemeinde Tana ist, hat der Ort gerade mal 713 Einwohner! Hier überqueren wir erneut den 200 Meter breiten Tana und auf der östlichen Seite geht es weiter Richtung Berlevåg und Båtsfjord bis zur Tana-Mündung in den Tana-Fjord. Unser Ziel ist die kleine Halbinsel Höyholmen mit dem "Tanamunningen Naturreservat". Hier haben wir schon  bei früheren Reisen Rast gemacht und die Ruhe und herrliche Natur genossen. 

 

 

 

Wer sich in finnischen Namen üben möchte, kann ja mal mit dem des letzten Bildes beginnen. Oben steht der Name in Finnisch, unten in Samisch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei vorangegangenen Reisen konnten wir Austernfischer mit ihren frisch geschlüpften Jungen am Strand beobachtet und Rentierherden, die durchs Wasser zogen. Für Ornithologen ist es hier das reinste Paradies, die verschiedensten Enten- und Möwenarten sind hier zu finden, wenn man zur richtigen Zeit hier ist. Seit wir heute unseren Platz eingenommen haben, sind uns bisher nur zwei Adler über uns kreisend begegnet. Die Vegetation ist im Moment noch nicht sehr weit gediehen. Im Hintergrund liegt noch eine ganze Menge Schnee auf den Bergen. Auch unterwegs sind uns eigentlich nur gelbe Trollblumen begegnet, später im Jahr glaubt man manchmal über die Vielfalt der Blumenpracht zu träumen. Auch die wunderschöne Prachtnelke ist dann hier zu finden. 

Jetzt, wo wir diesen Blog-Eintrag verfassen, ist ein Stück blauer Himmel zu sehen. Ansonsten weiterhin Wolken, Wolken und Wolken. Kalt ist es auch. So früh im Jahr waren wir noch nicht in der Polar-Region, immer erst so gegen Mitte Juli bis Mitte August. Auch dann gibt es durchaus kühle Tag, diese tiefen Temperaturen kannten wir bisher jedoch noch nicht. Aber ... man muss alles einmal erlebt haben, um ein Land richtig kennen zu lernen. 

 

16.6.2022 - 69°21'18“ E 27°12'59“ - 90 Km vor Utsjoki und der Grenze zu Norwegen

 

Das Wetter ist wetterwendisch - um nicht zu sagen sehr launisch. 

Wir sind in den Winter zurückgekehrt. Es ist kalt (6°) und Wolken verhangen. Typisch für diese arktischen Breiten. Der Sommer soll ja erst in einer Woche einkehren. Wir können uns freuen, dass es nicht schneit. Erst ab Sonntag soll es wieder wärmer und sonniger werden.

 

In Ivalo haben wir eine kleine Einkaufstour gemacht. Neben Vorrat an frischem Gemüse und Obst (das ist in Norwegen um einiges teurer als hier in Finnland) hat Heiko sich eine kräftigere Angel besorgt. Vielleicht gelingt es ja doch mal, einen Heilbutt an den Haken zu bekommen. 

 

 

Vorgestern, am Dienstag dem 14.6. in Hirvasojan satupolku bei Rovanieni, war es ab Nachmittag um die 25° warm und etwas schwül. Gerne hätten wir draußen gesessen, war aber nicht möglich weil man sofort von Kriebelmücken eingekreist wurde. Selbst die Fenster mussten wir geschlossen halten, diese Viecher finden sonst immer einen Weg nach drinnen an den Fliegengittern vorbei. So winzig sie sind, so schmerzhaft sind ihre Bisse. Im Leo war es so warm, dass die Küche kalt blieb und es stattdessen einen leckeren Fenchel-Apfelsalat zu geräuchertem Lachs zu essen gab. Ein kaltes Bier half auch bei der Abkühlung. Helga war der Meinung, einen ganz tollen Übernachtungsplatz für uns gefunden zu haben, so sah es zuerst auch aus. Über einen Schotterweg ab von der Straße, an einem See ... aber den Wirt hatten wir ohne die Eisenbahnlinie gemacht, die wir überhaupt nicht auf der Rechnung hatten. Zu sehen war sie durch den Wald jedenfalls nicht. Ein  Güterzug nach dem anderen rauschte in der Nacht vorbei. So kann's gehen, wenn man glaubt in der Wildnis zu sein.

 

15.06.2022 - N 67°51'42“ E 26°43'39“ - Stellplatz am See, 105 Km vor Ivalo, Km Stand 169.246

War es am Morgen noch einigermaßen angenehm temperiert, fiel das Thermometer etwas später auf 7° ab. Es regnete und wurde stürmisch. Auf unserem Stellplatz am Nachmittag angelangt, war es inzwischen trocken, aber der Wind blies weiterhin ordentlich. Es hilft nichts, wir müssen heute mal den Ofen anschmeißen, frieren wollen wir nicht. Wir hatten uns schon auf die gegrillte Entenbrust mit roter Thai Currysoße gefreut ... aber bei dem Wind den Cobb-Grill anschmeißen? Drinnen jedenfalls werden wir keine Ente braten. Heiko erbarmt sich, zieht sich seinen dicken Hoody mit Kapuze über und wenig später können wir warm und trocken fürstlich speisen. Wenn es draußen schon so unfreundlich ist, wollen wir es uns drinnen wenigstens gut gehen lassen. 

 

14.06.2022 - N 66°25'44“ E 25°26'22“ - Hirvasojan satupolku/ Rovaniemi/ Finnland

Km Stand 169.041

Gestern ab späten Nachmittag war es milde genug, unseren Kaffee draußen mit Blick auf die Ostsee zu genießen. Gegen 22 Uhr hat Heiko noch einmal einen Rundgang gemacht und dabei die schöne Stimmung einfangen können.

Ab jetzt wird es nie Nacht - Happy Sankthans og god sommer!

 

Um Mitternacht stellten wir dann plötzlich fest, dass ja eigentlich Schlafenszeit ist. Es war aber doch noch taghell und wir fühlten uns gar nicht richtig müde. Ab jetzt müssen wir den Schlafraum gut verdunkeln, wenn wir in den Schlaf finden wollen. Wir sind inzwischen soweit nördlich, im finnischen Lappland, dass wir 24 Stunden lang Tag haben werden. Nur noch wenige Kilometer trennen uns vom nördlichen Polarkreis.  Morgen  werden wir ihn in Rovaniemi überqueren. 

 

In 9 Tagen, in der Nacht vom 23. Juni feiern die Skandinavier das Mittsommerfest. In Schweden sagt man Midsommar ... und in Norwegen? Hier feiert man zusammen mit der Sommersonnenwende den Geburtstag von Johannes dem Täufer, der laut dem Neuen Testament genau sechs Monate vor Jesus geboren wurde. Das ist der Grund, warum dieser bedeutsame Tag in Norwegen Sankt-Hans genannt wird. 

 

Wissenswertes:

"Der Johannistag (auch Johanni, Johannisfest und Johannestag) ist das Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers am 24. Juni. Er steht in enger Verbindung zur zwischen dem 20. und dem 22. Juni stattfindenden Sommersonnenwende. Die Johannisnacht ist die Nacht auf den Johannistag, vom 23. auf den 24. Juni. Verknüpft ist der Tag auch mit Festen im Zusammenhang mit der Sommersonnenwende und Brauchtum wie dem Johannisfeuer, wie auch als besonders günstige Zeit für das Sammeln von Kräutern und Lostag im Zusammenhang mit Bauernregeln."

 

"In ganz Norwegen wird das spektakuläre Ereignis rund um die Mitternachtssonne mit Tanz, Musik, Spielen, Bootsfahrten und Freudenfeuern bis in die Nacht gefeiert. Entlang der Küste strömen die Einwohner mit ihren Booten auf die Fjorde, um auf einer der vielen kleinen Inseln ein Johannisfeuer zu entfachen und dort gemütlich mit Familie und Freunden beisammen zu sitzen. An Schlaf denkt hier niemand - schon am Nachmittag beginnt die Suche nach einem schönen Platz, um den Tag bis tief in die Nacht ausgelassen verbringen zu können. In geselliger Runde lässt man sich Landes typischen Fisch und das norwegische Bier schmecken."

 

"Der nördliche Polarkreis ist ein Breitenkreis, der 66°33’45.9 nördlich vom Äquator verläuft. Er markiert die südmöglichste Breite, an der die Sonne für 24 Stunden unter oder über dem Horizont bleibt." 

 

 

13.06.2022 - N 65°8'36“ E 21°30'20“ - Jävre, 20 Kilometer vor Piteå

Km Stand 168.730

 

Sonne und Regenschauer wechseln sich heute ab, es hat sich um rund 10° abgekühlt von 22 auf 12 Grad. 

 

Heute wollen wir möglichst nah an Piteå heran, also etwas mehr Strecke machen. Dort wollen wir morgen unsere Gasflasche auffüllen lassen. In Piteå ist praktisch die letzte Möglichkeit dazu, bevor es nach Finnland und Norwegen über die Grenzen geht. Viel Gas haben wir noch nicht verbraucht, aber es ist ein besseres Gefühl mit vollen Reserven unterwegs zu sein. Und in Norwegen gibt es erst wieder ab Alta Gas (von hier 707 Km). 

 

Nach einem für unser Gefühl sehr frühen Frühstück und einigen Stunden auf der Straße, sind wir um drei Uhr nachmittags hungrig. Unser anvisierter Stellplatz ist noch eine Weile hin. Und Helga hat heute keine Lust den Kochlöffel zu schwingen. Ein Thai-Restaurant finden wir nicht. Dafür ein Grill- u. Pizzarestaurant. Pizza ist ja immer gut.  Hätten wir mal lieber lassen sollen. Heikos Pizza schmeckt "gruselig", wie er sagt. Merkwürdige, trockene Fleischfetzen, und pinke Soßenkleckse obenauf sehen schon nicht sehr vertrauenserweckend aus. Na gut, es ist uns ja bekannt, dass die Schweden es gern "süß" mögen ... aber auf einer Pizza? Scheint irgendwie ein Dressing aus roten Beeren, Mayonnaise und evtl. Chili zu sein, aber eben süß. Ist an sich ja nichts Schlechtes, aber hier ist das geschmacklich keine gute Mischung. Nun ja, der Hunger treibt's rein. Helgas Burger mit Pommes sind annehmbar. Und dafür 34 € - nie wieder?

 

Zunächst hatte Helga einen Stellplatz an einem See abseits der E4 ausgesucht, doch als wir dort eintrafen, warteten schon die Mücken auf das gefundene Fressen. Nein, nein, ohne uns. Also ist Rückzug angesagt.

 

Der Stellplatz in Jävre liegt sehr schön, direkt an der Ostsee. Nur leider etwas dicht an der E4, die Fahrgeräusche sind gut zu hören. Aber wir denken, Heiko wird trotzdem gut schlafen können. 

 

 

 

12.06.2022 - N 62°57'3“ E 18°21'0,4“ - Rastplatz Omne

Roter Punkt ist unserer Nachtplatz
Roter Punkt ist unserer Nachtplatz

Helga sucht einen kleinen Stellplatz an einem See im Gebiet der Höga Kusten heraus. Mit dem Gedanken, von dort aus vielleicht die Möglichkeit einer oder zweier Radtouren an die Küste zu haben. Der Gedanke war ja nicht schlecht, ABER - wie der Name schon sagt: Höga Kusten = Hohe Küste - gibt es hier Berg- und Talfahrt. Und für den Nachmittag ist Regen und Gewitter angesagt. Das lassen wir mal lieber. 

 

Der Nachtplatz ist wirklich sehr angenehm ruhig und schön gelegen. Der Wetterbericht behält Recht, wenn auch etwas verspätet, ziehen dunkle Wolken auf und bald grummelt es gehörig. Man gut, dass wir jetzt nicht mit dem Rad unterwegs sind.  Dafür gibt es ein leckeres indisches Gericht zum Abendessen: Scharfes Chili Paneer. 

 

Wenn man die Beschreibung der Gegend um die Höga Kusten so liest, wird man ganz traurig, nicht mehr 20 Jahre jünger zu sein und noch über funktionstüchtige Gelenke zu verfügen. So eine Wanderung wäre bestimmt ein kleines Highlight. 

 

Interessant zu wissen:

"Höga Kusten bedeutet Hohe Küste. Der Name bezieht sich auf die durch Landhebung entstandene höchste Küstenlinie der Welt, deren höchste Punkte knapp 300 Meter über den Meeresspiegel ragen. Dieser geologische Prozess hat mit dem Abschmelzen der Eisdecke nach der letzten Eiszeit eingesetzt: Weil die Last verschwand, ist die darunter liegende Landmasse stetig in die Höhe gestiegen. Noch heute erhebt sich die Hohe Küste mit einer Geschwindigkeit von etwa acht Millimetern pro Jahr. Die hügelige Küstenlandschaft steht im Kontrast mit dem finnischen Kvarken-Archipel auf der gegenüberliegenden Seite der Ostsee: Dieser besteht aus ebenen, tief liegenden Inseln und flachen Buchten."

 

"Auch an der Hohen Küste Schwedens liegen sehenswerte Schäreninseln im Meer. Vor der einmaligen Kulisse zu Land und Wasser kann man das ganze Jahr über herrlich wandern, klettern, paddeln und sogar Skifahren. Außerdem bietet die Region eine Fülle an kulturellen Sehenswürdigkeiten und Stätten von historischer Bedeutung. Zu den Highlights zählen jahrhundertealte Fischerdörfer sowie Felszeichnungen aus der Bronzezeit bei den Stromschnellen Nämforsen. Das „Kunsttal“ (High Coast Art Valley) sowie Museen und Kunstgalerien lohnen Ausflüge in die Zivilisation, etwa nach Kramfors, Härnösand, Örnsköldsvik und Sollefteå."

 

"Die Höga Kusten gilt als Schwedens beste Outdoor-Region. "Im Nordosten Schwedens  Am Bottnischen Meerbusen erstreckt sich die Küstenregion über ziemlich genau hundert Kilometer. Seit dem Jahr 2000 gehört Höga Kusten zum schwedisch-finnischen UNESCO-Weltnaturerbe „Schärenküste – Kvarken-Archipel."

 

11.06.2022 - N 62°9'59“ E 17°30'47“

Galtström Bruk - und noch eine Eisenhütte

Es ist Wochenende ... von der arbeitenden Bevölkerung heiß ersehnt, für uns auf Tour manchmal der Horror schlechthin. Die schönsten, unter der Woche eher stillen Gegenden, verwandeln sich schon früh am Morgen in eine laute Völkerwanderung. Wobei - wandern tut hier in Högbu eigentlich niemand - ein Mountainbike und/oder Fahrrad nach dem anderen wird mit dem Auto heran gekarrt, und schon flitzen sie ab auf die MB-Routen in den Wäldern. War Leo vorgestern noch das einzige Wohnmobil auf dem Parkplatz, haben sich seit gestern Nachmittag acht weitere dazu gesellt. Aber der Platz ist groß genug, man kommt sich nicht zu nahe. Es ist davon auszugehen, dass es ab heute Nachmittag hier richtig zur Sache gehen wird, mit Musik und allem Drum und Dran. Das müssen wir nicht haben. Daher starten wir gleich nach dem Frühstück erstmal Richtung Gävle zu dem am Hafen befindlichen Entsorgungsplatz. Der davor liegende Stellplatz ist proppenvoll. Wir ahnen schon, dass es an dem von uns auserkorenen Platz in Galtström, südlich von Sundsvall, nicht anders sein wird. Die Fahrt dorthin ist, wie so oft in Schweden auf den E-Straßen, ziemlich eintönig. Außer Wald, Wald und nochmal Wald begegnet einem eigentlich nichts Sehenswertes. Erst auf den schmalen Landstraßen abseits wird es interessanter. Auf dem Weg nach Galtström findet sich wieder der typische Bullerbü-Charme mit den traditionellen  schwedischen Falunrot gestrichenen Häuschen. 

 

Das Örtchen Galtström Bruk ist winzig und besteht hauptsächlich aus der in dieser Region ältesten Eisenhütte nebst Kirchlein und einem kleinen Restaurant. Die Eisenhütte wurde schon im Jahr 1673 erbaut und erst 1916 außer Betrieb genommen. Heute ist es eine noch recht gut erhaltene Ruine, die man besichtigen kann.

 

Erst einmal fahren wir direkt zu dem ausgeschriebenen Stellplatz ... es ist wunderhübsch hier, klein und kuschelig, mit Aussicht auf die Ostsee ... und natürlich, wie zu erwarten, ist kein Platz mehr frei. Ein Stück zurück auf dem Weg waren einige Parkplätze, dann stellen wir uns eben dort hin. Gleich erst einmal die Räder ausladen und nochmal hinunter ans Wasser radeln, ein Paar Fotos machen und einige Kilometer in die andere Richtung, etwas Bewegung muss sein. Einen Kilometer vom Parkplatz entfernt lockt uns ein typisch schwedisches Restaurant. Für Helga gibt es Fish&Chips und für Heiko Graved Lachs auf Knäckebrot. Alles schmackhaft, aber auch recht teuer. Günstig essen kann man in Schweden wohl am Besten in einem Thai- oder Chinarestaurant. 

 

Wie es bis jetzt um 17:45 Uhr aussieht, werden wir vielleicht alleine bleiben. Nur zwei andere WoMos stehen in etwa 75 Metern Entfernung, um uns rum nur Wald. Vielleicht knutscht uns heute Nacht ja mal ein Elch ...

  

Wissenswertes

Woher kommt Falunrot (auf schwedisch Faluröd, Falurött oder Rödfärg)

 

"Das aus dem Abraum des Kupferbergbaues in Falun gewonnene Pigment Falunrot wurde ab dem 16. Jahrhundert als Außenanstrich beliebt, da es den in Schweden vorherrschenden Holzhäusern eine Farbe gab, die an die Backsteinbauten wohlhabender Mitteleuropäer erinnerte. Auch in den von Schweden beherrschten Gebieten in Pommern und Mecklenburg kam die Farbgebung vor, so etwa bis heute am Schloss Spycker oder am Wismarer Schabbellhaus.

 

Ende des 19. Jahrhunderts war die rote Farbe in allen Gesellschaftsschichten beliebt, und sie verankerte sich in der Zeit der schwedischen Nationalromantik dank Malern wie Carl Larsson aus Sundborn bei Falun im Bewusstsein vieler Schweden. Die rote Farbe wurde im Laufe der Jahrhunderte zu Schwedens Nationalfarbe beim Hausbau und ist in ländlichen Gebieten bis heute die traditionelle Farbe für Holzbauten geblieben."

 

 

10.06.2022 - N 60°40'17“ E 16°48'57“ - Sandviken/ Högbo Bruk (Freizeit- u. Golfanlage)

 

Es ist 13:00 Uhr, wir kommen gerade von einer schönen Radtour zurück, die durch das Gelände von Högbo Bruk und in einer Rundtour weiter durch Waldgebiet zurück zu unserem Stellplatz führt. Die Webseite verspricht tatsächlich nicht zu viel. Für jeden ist etwas dabei, um hier seine Freizeit zu verbringen. Jugendliche werden begeistert sein von den vielen Möglichkeiten mit dem Mountainbike durch den Wald zu düsen, alte Leute wie wir nehmen lieber die gekiesten Strecken, es gibt Sommer- und Winter-Langlaufloipen, mit Kanus kann man über den See paddeln, eine Schmiede ist zu besichtigen  ... und überhaupt ist es ein wirklich angenehmer, naturnaher Erholungsraum. Für das leibliche Wohl ist natürlich ebenfalls gesorgt ... hm, Heiko ist ein wenig "erstaunt" ... über 100 Kronen für ein Eis? Ein zweiter Blick auf die Karte belehrt uns eines Bessere. Die Eispokale reichen dicke für drei Personen. Wir haben unsere Not, unseren Schokoladen-Pokal aufzuessen. Jetzt erst einmal den Blog für heute beenden und ausruhen. Die Räder haben wir noch nicht verstaut, vielleicht haben wir später noch einmal Lust ....

 

09.06.2022 - N 60°40'17“ E 16°48'57“ - Sandviken/ Högbo Bruk (Freizeit- u. Golfanlage)

Heute, am Donnerstag, dem 9. Juni, am siebenten Tag unserer diesjährigen Skandinavien-Sommerreise, sind wir auf dem Stellplatz an der Högbo Bruk (Högbo Mühle), in der Gemeinde Sandviken im Gästrikland angekommen (nicht weit von Gävle entfernt). Sehr großzügig angelegt, bietet er für Freizeitaktivitäten etliches. Besonders vorbildlich sind die gut eingerichteten Stellplätze. 4m Abstand zum Nachbarn, Kunstrasen vor der Kabinentür, Wasser am Platz und sehr ruhige Lage, Preis 150 Skr., nur wir können den Platz nicht nutzen, weil er nur online gebucht werden kann. Schon Schweden haben ihr Problem mit der Buchung, wie soll es denn den Ausländern gehen diesen Platz zu buchen. Also die beiden Nachbar Ehepaare, die wir fragten, waren sehr hilfsbereit und wollten uns den Platz über ihr Telefon buchen. Klappte aber nicht, weil alles ausgebucht war. So blieb uns nur der vorgelagerte allgemeine Parkplatz für jedermann (100 Skr) den die Schweden uns dann mit unserer Kreditkarte buchen konnten. War perfekt und klappte gut. Nun haben wir hier 2 Tage zu unserer Verfügung und können unsere Aktivitäten planen. Die erste war schon einmal per Fahrrad in den nächsten Ort zum Thai Essen zu fahren.

 

Högbo Bruk ist eine alte Eisenhütte in Högbo, die von ortsansässigen Bauern im Jahr 1634 erbaut wurde. Etwas später kam eine Hammerschmiede hinzu. Heute ist aus dem weitläufigen, grünen Areal ein hübsches Freizeitparadies entstanden. Die alten Gebäude sind erhalten, es gibt ein Hotel, einige Restaurants, große Golfplätze, viele Freizeitaktivitäten. Und alles skandinavisch zurückhaltend und charmant. Heute haben wir nur eine kleine Radtour unternommen und unterwegs in einem Thai-Restaurant Rast gemacht. Morgen werden wir die Umgebung näher entdecken. Übers Wochenende wollen wir hier nicht bleiben, das wird hier die Hölle auf Erden sein.

https://www.hogbobruk.se/segora/kulturhistoria/historia.383.html 

Km Stand 167.915

 

 

08.06.2022 - N 59°36'10“ E 15°11'12“ - Rastplats Lindesberg - Ent-u. Versorgung möglich

Heute kommen wir zügig voran bis Marieberg bei Örebro. Dort kennen wir ein Gewerbegebiet mit den verschiedensten Läden. Vielleicht haben wir Glück und wir finden einen Fahrradladen. Irgendwas muss unterwegs ja immer schief gehen oder auch kaputt. So wie bei Helgas Fahrrad, das gerade erst kurz vor Abfahrt zur Inspektion war und einen nagelneuen Fahrradständer bekommen hat. Der hat sich aber verabschiedet, so dass Heiko sich mal wieder etwas einfallen lassen musste, um das Klapprad auch ohne den Ständer mit sicherem Halt im Wohnmobil unterzubringen. Wir haben tatsächlich Glück, und die Leute in dem Fahrradladen sind äußerst hilfsbereit und freundlich. Der neue Ständer ist etwas zu lang, kein Problem. In der Werkstatt werden die Beine einfach ein Stück abgesägt und schon ist der Ständer passend gemacht. Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch unsere Weingläser wieder aufstocken, die waren mittlerweile dezimiert. Nun sind es wieder vier. Helga fand auch einige Küchenutensilien die mit auf der Liste standen, sowie Platz-Sets für den Tisch.

Einige Kilometer bis Lindesberg fahren wir noch. Der Stellplatz für diese Nacht liegt direkt an der Straße Nr. 50, besonders geräuscharm ist er darum nicht. Aber immerhin ist alles vorhanden, was das Camperherz begehrt - schöne Grünanlagen, frisches Wasser und eine vernünftige Entsorgungsanlage. Aber morgens um 7:00 fällt Heiko fast aus dem Bett. Mehrere gelb gekleidete Arbeiter gehen mit misstönenden Grastrimmern bewaffnet dem Grünzeug zu Leibe. Es gibt schönere Arten des Erwachens.

Fernes Etappenziel Ziel ist zunächst Piteå, wo wir noch einmal alles auftanken und entsorgen können, um dann über Luleå und Haparanda den Grenzübergang nach Finnland zu erreichen. 

Km Stand 167.735 - Hier in Schweden kostet der Ltr. Diesel 2,48 €

 

07.06.2022 - N 57°4'6“ E 14°43'41“ 

Man muss sich ja wundern, was an WoMo's aus dem übrigen Ausland so unterwegs ist. Haben vorgestern die Schweden auf dem Platz dominiert, waren es gestern die Deutschen in einer unglaublichen Überzahl. Und schon werden die Abstände zum Nachbar-Wagen gleich geringer, oder man quetscht sich noch irgendwo hinein, wo man glaubt es wagen zu können. Es ist jedes Mal das Gleiche und wurde von uns schon unzählige Male angesprochen. Die Deutschen haben kein Gespür für Benimm-Regeln im Ausland. 

Mich hat bei Ankunft ein Schwede angesprochen, mit dem Hinweis dass es einem Schweden nicht gefällt, wenn man sich unbedacht mit den Kabinentüren zueinander stellt. Das stört die Privatsphäre. Das kann ich gut verstehen und musste ihm Recht geben. Allerdings hätte ich den Nachbarn, ein Deutscher der gerade nicht am Wagen war, gefragt, ob ich so stehen bleiben darf. Ich zog es trotzdem rechtzeitig vor mich korrekt hinzustellen.  Auch der Abstand zum Nebenmann beträgt grundsätzlich mindestens eine komplette Wagenbreite. So unterschiedlich empfinden die Menschen.

Heute haben die Geschäfte wieder geöffnet und wir benötigen dringend eine neue Internet-Session von Telenor. Diese bekommen wir im nächsten Coop-Laden. Es ist übrigens das gleiche Verfahren wie wir es aus Deutschland kennen, Betrag nennen und einen Auflade-Code bekommen der dann später ins Telefon eingegeben wird.

Schnell noch etwas Proviant im Lidl gegenüber eingekauft und ab gehts nordwärts. Wir sind gespannt, ob der kleine versteckte Platz am See in der Nähe von Växjö, auf dem wir seit mehreren Jahren gerne eine Zwischenübernachtung einlegen, auch diesmal wieder frei ist. Juhu ... niemand hat sich hierher verirrt als wir am späten Nachmittag ankommen. Unser Abendessen genießen wir mit Blick über den See bei milden Temperaturen.

Unser Ziel ist es bis zum längsten Tag (21.Juni) in Mehamn am Eismeer zu sein. Wir haben gut 2000 Km vor uns. Heißt, langsam fahren wo es interessant ist und schnell voran kommen wo die Landschaft abwechslungslos, einschläfernd ist.

 

 

 

06.06.2022 - Heute ist Schwedischer Nationalfeiertag. Keine Lust aufs Autofahren. Stattdessen eine Radtour in südliche Richtung entlang der Ostsee auf einem gut ausgebauten Radweg. Am Endpunkt ein Eis und einen Café bevor wir uns auf den Rückweg machen. Den Rest des Tages wird gefaulenzt.

 

05.06.2022 - N 55°25'30“ E 13°47'12“ 

Die Koordinaten meinen einen Stellplatz direkt an der Ostsee bei Ystad. Liegt östlich von Trelleborg. Vom Hafen Ystad gehen Fährverbindungen nach Bornholm, Sassnitz und Swinemünde. Der Stellplatz ist bis heute Abend ausgebucht, weil morgen auch in Schweden ein Feiertag ist. Wir werden hier ein bis zwei Tage verweilen und das gute Wetter auf uns wirken lassen.

Und weiter lacht die Sonne und lädt zu einer Radtour und Sonnenbaden ein. Überhaupt Radtouren ... was sind wir froh, dass wir uns letztlich doch entschlossen haben, unsere Räder mitzunehmen. Sie nehmen viel Platz im WoMo ein und in Norwegen gibt es höchst selten mal die Gelegenheit diese zu nutzen bei den Straßenverhältnissen und Berg- und Talfahrten. Aber heute haben wir Gelegenheit dazu und nutzen diese zu einer Tour von unserem heutigen Stellplatz am Ostseestrand nach Ystad hinein. Bis zu diesem Stellplatz sind wir heute gerade mal ungefähr 37 Kilometer gefahren ... egal, Ystad wollten wir uns schon lange mal ansehen. Ystad ist vielen bekannt aus den Krimis des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell. Die idyllische Altstadt von Ystad mit den engen Kopfstein gepflasterten Gassen, den vielen Cafés und Restaurants gefällt uns sehr. Eine freundliche, charmante Atmosphäre, in der man leben möchte und den Ostseestrand direkt vor der Tür ... vielleicht sollte man doch noch mal über's Auswandern nachdenken ... hm. Platzgebühr 100Skr-10€.

Km-Stand 167.152 - Der Km für LEO kostet derzeit -,32 €, nur Sprit.

Der Sprit kostet momentan in Dänemark 2,135 € pro Ltr.

 

04.06.2022 - N 55°26'37“ E 13°19'48“

Nun soll es aber wirklich rüber gehen nach Schweden. Die Fahrt geht ohne jeglichen Stress durch Dänemark über die Große Belt Brücke bei Nyborg, durch Tunnel und Brücke nach Malmö in Schweden. Wir hatten uns entschlossen, diesmal die kürzeste Route nach Nord-Norwegen zu nehmen. Also nicht wie sonst den Inlandweg über Östersund, sondern den Ostküstenweg. Doch auch heute kommen wir nicht wirklich weit. Irgendwie scheinen wir ruhe- und erholungsbedürftig zu sein. Außerdem haben wir nun endlich das lang ersehnte sonnige, warme Wetter, das zum Sonnenbaden einlädt. So landen wir schon kurz nach Mittag im Dörfchen Anderlöv/ Sörby in "Lady's Hage". Auch dies ein Stellplatz auf einer grünen Wiese, den Privatleute für 100 Skr als Stellplatz zur Verfügung stellen. Wir halten gerade bei einem Gläschen Weißen ein Sonnenbad, als der Eigentümer zu uns rüber kommt und sich vorstellt. Gerne nimmt er nach mehrfacher Einladung (wir sind halt in Schweden) am Tisch platz und es werden mal wieder "skol" und "prost" gegenseitig erklärt. Jetzt lernen wir auch, was es mit dem Namen es Platzes auf sich hat: "Lady" war das Pony der Besitzer. Als dieses vor drei Jahren verstarb, hatten sie sich überlegt, dass sie diese Grünfläche als Stellplatz zur Verfügung stellen könnten und haben es Lady's Hage genannt, was Ladys Weide bedeutet. Später bringt er uns etwas von dem Geburtstagskuchen seiner Frau, den wir uns zum Dessert schmecken lassen.

 

03.06.2022 - N 54°32'50“ E 9°26'29“ Km Stand bei Abfahrt 166.629

Die letzten 2 Wochen im Mai haben wir LEO schon so peu à peu beladen. Ab 1. Juni wurde unser Abreisetermin sehr konkret, es soll am 3.06. losgehen. Diese Zielsetzung haben wir auch eingehalten und starteten am 3.06.22 um 17:30 vom Supermarkt Famila, ab nach Norden.

Dass wir an diesem Tag nicht weit fahren werden, war uns schon klar. Aber Losfahren war wichtig, sonst verschiebt man immer noch mal einen Tag.

Wir lassen es langsam angehen, seit wir heute Nachmittag losgefahren sind. Unsere erste Nacht verbringen wir noch in Schleswig-Holstein, in Jübek. Nette Leute haben ihr Herz für Camper entdeckt und nach vorheriger telefonischer Anmeldung kann man bei ihnen im Garten entweder sein Zelt aufbauen oder das Wohnmobil parken, Dickschiffe haben allerdings hier keine Chance. Ein größerer Teil des Gartens ist an diesem Tag bereits mit etlichen Zelten belegt, weshalb wir uns seitlich am Haus entlang winden müssen. Geht aber problemloser als es anfangs aussah. Wie man uns am Telefon schon mitgeteilt hatte, ist niemand zu Hause, so stellen wir uns im rückwärtigen Teil entlang der Hecke und verbringen eine sehr ruhige Nacht. Die Eigentümer lernen wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück kurz kennen, als sie uns begrüßen kommen. Sehr nette, gastfreundliche Menschen.

Der Platz an sich kostet nichts, wir geben aber 10 € freiwillig, schon deshalb, weil er für eine soziale Spende verwendet wird.

Der Sprit kostet momentan in Deutschland 1,929 € pro Ltr.

 

 

JUNI 22