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WISSENSERWEITERUNG

Mittwoch, 12. August

Abschied von Camp Solbergfjord

 

Heute Morgen verabschieden wir uns endgültig von Rolf im Camp Solbergfjord, nachdem wir einige Zeit länger geblieben waren, als ursprünglich gedacht. Einen Abschiedstrunk gab es bereits am Dienstag Abend.

Etwa 40 Minuten von Tromsø entfernt mit Blick über den Fjord zu der nur schwach in der Ferne auszumachenden Stadt, richten wir uns zum Abend ein. 

Donnerstag, 13. August 

Ganz neue Erfahrungen in Norwegen

 

Heute Abend haben wir uns einen schönen Platz auf der Insel Kvaløya ausgesucht. Die Insel liegt gegenüber der Stadt Tromsø, durch Tunnel und Brücken miteinander verbunden. Jetzt am Abend hat Regen eingesetzt, nachdem die letzten Tage sonnig und angenehm temperiert waren. 

Gerne möchte man ja so viel wie möglich über sein Reiseland erfahren, wenn man nicht nur seinen Bauch am Strand in der Sonne braten möchte, oder sich mit "all inclusive" um nichts weiter kümmern will.

Die vergangenen Tage kamen wir nun in den Genuss, etwas mehr über das norwegische Gesundheitssystem zu erfahren. Wann hat man das als normal Reisender schon. 

 

 

Es begann am vorigen Freitag, dem 7. August, mit Helgas linkem Auge. Gerötet und empfindlich. Sonntag Abend dunkelrot und schmerzend. Wenn es morgen nicht besser sein sollte, müssen wir wohl oder übel einen Arzt aufsuchen. Bloß ... wie läuft das in Norwegen. Die Antwort darauf gibt uns Rolf ... wir könnten heute am Sonntag in eine Notaufnahme in 60 Km Entfernung, oder morgen in das allgemeine NAV Gesundheits-u.Sozialzentrum in Søreisa in 27 Km Entfernung. Erst mal morgen früh abwarten, vielleicht wird es ja von allein besser bis dahin. Wird es aber nicht.

 

Am Montag Morgen guckt Helga ein Monster aus dem Spiegel entgegen. Das Auge ist geschwollen, tiefrot, und schmerzt nun sehr heftig. Rolf schaut um halb neun nach uns, seine Frau macht einen Termin im Gesundheitszentrum, und Rolf lässt sich partout nicht davon abbringen, uns mit seinem Wagen dorthin zu fahren, Service sagt er. Natürlich sind wir sehr dankbar dafür.

Das Gebäude ist nicht unbedingt als ein Gesundheitszentrum zu erkennen und es gibt auch kein Praxisschild. Man muss vor der Tür im Auto warten, sagt telefonisch bescheid, dass man da ist und wird dann zurückgerufen, wenn man sich zur Tür begeben kann um dort in Empfang genommen zu werden. Alles Corona-Schutzmaßnahmen.

 

Die junge Ärztin spricht hervorragendes Englisch, so ist die Verständigung überhaupt kein Problem. Sie untersucht das Auge soweit es für einen Allgemeinarzt möglich ist, telefoniert mit einem Augenspezialisten, schickt auf elektronischem Wege Bilder des Auges ... die Empfehlung lautet, die Patientin muss dringend augenärztlich untersucht werden, möglichst noch heute. Könnte sein, dass sie eine Nacht hier verbringen muss. Das heißt, wir müssen nach Tromsø in die Augen-Poliklinik der Universität Nord-Norwegen.

 

Na prima, dann wollen wir uns mal auf den Weg machen. Allzu viel Zeit haben wir nicht, um rechtzeitig dort zu sein. Um halb vier Uhr werden die Schotten in der Poliklinik dicht gemacht. Alle, Ärzte wie auch das übrige Personal gehen pünktlich in den Feierabend. Jetzt schaut Rolf ein wenig bekümmert, da kann er uns dann doch nicht hinfahren. Wir stellen fest, dass Tromsø 180 Km entfernt ist. Etwas ungewohnt für uns, solche Entfernung, um zum Arzt zu gehen. Wir könnten auch mit der Schnellfähre fahren, aber das ist uns zu unsicher, ob wir das letzte Boot zurück ab Tromsø um 16:00 Uhr schaffen würden. Außerdem ist nicht sicher, ob Helga nicht über Nacht im Krankenhaus bleiben muss. Also erstmal mit Rolf zurück zu Leo, fahrbereit machen und los.

Es ist schon nach zwölf und die Straße bis hin zur E6 ist in einem hundsmiserablen Zustand. Leo hüpft und schaukelt bei einer Geschwindigkeit von 60-70 Km/Std., dass es keine Freude mehr ist. Um 14:15 Uhr sitzen wir im Wartebereich der Poliklinik, nachdem Wache stehende Polizisten vor dem Haupteingang uns eingehend befragt haben, woher wir kämen, wann nach Norwegen eingereist, irgendwelche Corona-Anzeichen, etc.pp. Eine Begleitperson darf eigentlich nicht mit hinein. Aber Helgas Einwand, ihr Mann hätte die Kreditkarte zum Bezahlen ... na ja, geglaubt hat er das wohl nicht ganz, aber er hatte ein Einsehen. Helga wollte nicht gern beim ersten Mal allein da rein, so durfte Heiko also mit. 

 

Helga wurde bereits erwartet und wird schon bald von einer jungen Ärztin, die sich mit "Sigrid" vorstellt, aufgerufen. Auch sie, wie im Übrigen das gesamte Servicepersonal und die Polizisten, spricht fließend Englisch.

Es folgt eine eingehende Untersuchung. Diagnose: Iridozyklitis. Was ist das denn? Letztlich sowas wie eine Entzündung eines Augenmuskels hinter der Iris. So ähnlich jedenfalls. Verordnet werden stündlich einzunehmende Augentropfen und Salbe für die Nacht. Nach drei Tagen ist Kontrolle angesagt. Dann wird entschieden, ob eine weitere Kontrolle nach einer, oder zwei Wochen stattfinden muss.

 

 

 

 

Bezahlen kann man seine Rechnung direkt über einen Terminal im Haupteingangsbereich der Klinik. Wenn - ja wenn - es denn mit dem Namen, oder der Identifikation, oder was auch immer, klappen würde. Ich konnte jedenfalls meinen Zahlungsversuch nicht zum Abschluss bringen. Der Computer hat mich nicht identifizieren können. Auch die hilfsbereite Sekretärin der Poliklinik musste nach mehrmaligen Versuchen aufgeben. Tja, modern ist nicht immer auch besser. Sie will sich erkundigen, woran es hapert. Letztlich kann man es ja auf altbekanntem online Wege in Angriff nehmen.

 

 

 

 

 

 https://unn.no/avdelinger/nevro-ortopedi-og-rehabiliteringsklinikken/nevrokirurgi-ore-nese-hals-og-oyeavdelingen/oye-poliklinikk-tromso

So jetzt erstmal zur Apotheke. Die in der Klinik hat Feierabend (ist ja schließlich schon nach 15:00 Uhr). Verwundert fragt Helga noch nach, ob sie denn kein Rezept bekäme. Nein, sowas gibt es in Norwegen nicht (mehr). Stattdessen bekommt man eine Referenz-Nummer, die mir auf ein Post-it geschrieben mitgegeben wird. Diese ist im Gesundheitssystem hinterlegt und jede Apotheke kann die Verordnung damit im Computer finden. 

 

Nun könnte man denken: Oh wie fortschrittlich, das verkürzt und vereinfacht sicher das Procedere in der Apotheke. Weit gefehlt, ich habe noch nie so lange warten müssen, bis die Medikamente endlich ausgegeben werden konnten. Heiko wurde draußen schon ganz unruhig.

 

Es war mittlerweile später Nachmittag, wir hatten Hunger und sind erst einmal eine Pizza essen gegangen. Wie Rolf uns schon erzählte, bekommt man kaum noch anderes Essen in Restaurants serviert als Pizza, Burger und Co. Aber niemand reist nach Norwegen des guten Essens wegen.

 

Nun ging es zurück zum Camp, erneut 180 Kilometer. Der Tag war aufreibend und nach einem heißen Tee freuten wir uns auf die Koje. 

 

Schon am nächsten Morgen zeigte sich, dass die Medikamente ihre Wirkung tun. 

 

Für heute, am Donnerstag um 12:00 Uhr war die Kontrolle vereinbart. Gleiches Procedere,  am Haupteingang Polizeibefragung, alles äußerst höflich und hilfsbereit. Diesmal geht Helga allein. Ein von Sanitätern eingelieferter Notfall verlängert die Wartezeit bis nach 14:00 Uhr. Ist halt eine Uni-Klinik. Dafür dauert die Untersuchung diesmal nicht lange. In einer Woche soll eine erneute Kontrolluntersuchung stattfinden. 

 

In Rechnung gestellt wurde uns der Eigenanteil, den jeder hier in Norwegen für eine Behandlung bei einem Augenspezialisten tragen muss in Höhe von 375 Kr.= 35,50 € Für die Kontrolluntersuchungen werden nochmals jeweils Eigenanteile berechnet werden. Ansonsten wird über die Europäische Gesundheitskarte direkt mit der Krankenkasse in Deutschland abgerechnet. Wir sind gespannt, in welcher Höhe die Barmer die Kosten übernehmen wird. Den Rest trägt dann die Reisekrankenversicherung.