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PETRI HEIL - PETRI DANK

Donnerstag, 30. Juli

 

Uns ist ganz besonders bei der Fahrt heute wieder ins Bewusstsein gerückt, warum wir - und die meisten Reisenden, die rauf ans Eismeer, oder auch schon auf die Lofoten wollen - normalerweise die Route durch Schweden oder Finnland wählen. So abwechslungsreich die Fahrt durch die norwegischen Landschaften ist - die Route führt entlang beeindruckend schöner Fjorde, über Fjells, durch Wälder und Felder - so anstrengend und auf Dauer auch ermüdend ist sie. Man hat das Gefühl einer langsamen Achterbahnfahrt ... ständig langgezogene Steigungen, Abfahrten, wieder Steigungen, Serpentinen ... . Unsere heutige Strecke betrug gerade mal ungefähr 230 Kilometer, die sich über fast sechs Stunden hinzogen ... na ja, mit Unterbrechung zum Diesel- und Gastanken. Selbst wenn man wollte, ginge es nicht schneller voran, denn Norwegen verordnet eine Höchstgeschwindigkeit von max. 80 Km/Std. und mit LEO können wir  diese Vorgaben nicht einmal ausschöpfen weil zu kurvenreich und zu steil. Und letztlich wollen wir Leo ja nicht überstrapazieren. 

 

Wenn wir denn tatsächlich ganz rauf ans Eismeer wollten, zum Slettnes Fyr, eine unserer Lieblingsstellen in Nordnorwegen, lägen immer noch rund 900 Kilometer vor uns. Wäre ja in der uns zur Verfügung stehenden Zeit durchaus machbar, stattdessen wollen wir lieber das uns Naheliegende ausgiebig genießen. Und das momentane phantastische Wetter mit 25 bis 27 Grad im Cockpit zu verbringen wäre pure Verschwendung. 

 

Unser heutiges Ziel war das Camp Solbergfjord, das wir vor zwei Jahren "entdeckt" haben, auf der Suche nach einem Plätzchen am Fjord, an dem wir wild campend im Juli 2013 eine schöne Zeit hatten und das nun leider verschwunden war - im Zuge der Erweiterung des naheliegenden Campingplatzes. Der Platz liegt so idyllisch und ist relativ ursprünglich geblieben, die Eigentümer, Rolf und Erik, sind derart nette Leute, dass wir uns hier einfach rundum wohl fühlen. Rolf und Erik haben eine richtig schöne Umgebung zum Urlauben erschaffen, man kann sehr hübsche Apartments direkt am Meer mieten und Motorboote, um zum Angeln rauszufahren. Alles ist da, was man sich von einem schönen, erholsamen Urlaub erwarten kann. Zum Einkaufen im rund vier Kilometer entfernten Coop geht's mit dem Radl. Obschon wir heute festgestellt haben, dass der Coop ziemlich rummelig ist. Aber was soll's, für's Nötigste reicht's. Hier wollen wir also erstmal ein paar Tage verbringen. https://www.solbergfjord.com

 

 

Unser Bericht aus 2013 vom Wild-Campen

 

Rolf erkennt uns sogar wieder ... oder ist es doch eher Leo, den er wieder erkennt? So ein Bimobil ist hier kaum mal anzutreffen. Wir sind sowieso sehr erstaunt über die schiere Menge an norwegischen Campern und in den allermeisten Fällen handelt es sich um große Geschütze, die uns unterwegs begegnen. Die Spanier würden sagen: "Die Weiße Pest kommt". Die Campingplätze sind augenscheinlich voll belegt. Nur ganz vereinzelt treffen wir mal auf ausländische Fahrer. Kaum Deutsche, keine Holländer, keine Franzosen ... aber die Finnen sind hier. Uns wurde berichtet, dass die Finnen ihr eigentliches traditionelles Sommerferienziel, Schweden, zur Zeit meiden und stattdessen nach Nordnorwegen fahren.

 

Ins Bett kommen wir erst weit nach Mitternacht. Heute ist der letzte Tag der Mittsommernacht nördlich des Polarkreises. Die Sonne verbirgt sich zwar hinter den Bergen, geht aber noch nicht unter. Sie steht um Mitternacht aber schon kurz vorm Horizont und beschert uns einen wunderschönen Mitternachtshimmel. 

 

 

Freitag 31. Juli

 

Schon gestern hatten wir bei Rolf angefragt, ob wir an einem der nächsten Tagen ein Boot haben könnten. Für heute um 18.00 Uhr hat er uns dann eines reserviert. Heiko möchte gerne mal wieder seine Angel "baden", wie er das nennt. Vor zwei Jahren war ihm das Glück hier im Fjord nicht hold und wir sind gespannt. Nach zweieinhalb Stunden kommen wir zurück mit drei großen Dorsch und vier Seelachs. Keine schlechte Ausbeute für unsere Schmalspur-Angelausrüstung. Zwei, dem Gewicht nach zu urteilen größere Exemplare, sind leider von der Angel gerissen. Das wäre noch was gewesen. Rolf zeigt uns die "Fischküche" des Camps und wie auf norwegische Art ein Fisch filetiert wird. Das sieht einfacher aus, als es für Helgas ungeübte Hände dann ist. Beim Seelachs erspart sie sich die Arbeit mit dem Filetieren und der Fisch wird nur grob in Stücke geschnitten. Sie hat sich sowieso entschieden, die Fische zu Frikadellen zu verarbeiten. Heute ist es nach getaner Arbeit schon 22 Uhr und viel zu spät, um noch den Fisch frisch in die Pfanne zu werfen. So wird er mit Zwiebeln, Lorbeerblatt, Salz und Pfefferkörnern nur kurz gedünstet, entgrätet und gehäutet, das Fleisch im Kühlschrank gelagert. Leider mussten wir einen ganzen Dorsch wegwerfen, er hatte Fadenwürmer. Da haben wir die übrigen Fische natürlich ganz besonders sorgfältig begutachtet. Heute haben wir nach Studium im Internet gelernt, dass man durch sofortiges Ausnehmen und Bauchlappen entfernen verhindern kann, dass die Nematoden vom Bauchraum ins Muskelfleisch der Fische wandern. Man lernt nie aus. 

Samstag, 1. August

 

Heute morgen ist es teilweise bewölkt und etwas kühler als die letzten Tage. Zuerst mal müssen die Fische verarbeitet werden. Die fertigen Fischfrikadellen sehen in der Pfanne schon ganz appetitlich aus und eine Probe bestätigt ... man kann sie essen. Inzwischen ist  es wieder schön warm und sonnig ... und eine kleine Radtour zum Einkaufen tut uns mal ganz gut ... auch wenn selbst hier auf der kurzen Strecke die Steigungen es in sich haben. Norwegen mit dem Rad ist eine Herausforderung. Alle Achtung denen, die die ganze Tour rauf zum Nordkap in Angriff nehmen.