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TOSENFJORD

Sonntag, 26. Juli

 

Hier am Tosenfjord, auf unserem liebsten Stellplatz in Norwegen, auf dem man fast das Gefühl hat, man läge mit einem Boot mitten im Fjord an einer Landzunge vor Anker, pfeift uns der Wind heute ganz mächtig um die Ohren. Kann gut sein, dass wir uns später zum Abend hin schweren Herzens doch noch einen anderen Platz suchen werden. Es pfeift und rattert, wenn die Böen in die Entlüftungsritzen der Dachfenster fahren, da kommt Heiko in der Nacht nicht zur Ruhe. Ein paar Kilometer weiter haben wir vorhin einen neu errichteten Rastplatz entdeckt. Dahin werden wir uns vielleicht verziehen. Aber erst mal abwarten. 

 

Froh sind wir aber über den blauen Himmel, die Wärme und das schöne Licht, das wir die letzten Tage, seit am Morgen des letzten Donnerstag vom Namsenfjord weggefahren sind, doch so langsam sehr vermisst hatten. Regen und Trockenperioden wechselten sich zunächst noch ab, doch am Freitag prasselte der Regen nahezu ununterbrochen herab. Von Landschaft war nichts zu erkennen. Ich meine, wäre nicht zu erkennen gewesen, wenn wir unterwegs gewesen wären. Aber in weiser Voraussicht hatten wir uns schon bei Ankunft am Donnerstag entschieden, auf dem Parkplatz mitten im Hafenstädtchen Rørvik die Regenphase abzuwarten. So toll ist die kurvige Fahrerei entlang der Fjorde bei Starkregen nicht. So war der Freitag ein Ruhetag. Und das war sowieso für Heiko nicht das schlechteste. Mittlerweile geht es im wieder gut, aber die letzten Tage haben ihm Muskelschmerzen doch recht zugesetzt, nachdem er letzten Mittwoch ausgerutscht ist und sich wie ein Maikäfer auf dem Rücken liegend wiedergefunden hat. Natürlich beim Fotografieren an einem Wasserfall. Feuchte, glatte Flächen kann man nicht immer sofort als solche erkennen - und schon ist's geschehen. Gott sei Dank ist nicht mehr passiert und bleibt als Episode im Gedächtnis haften, an die man bei zukünftigen Foto-Pirschen als kleine Warnung wohl immer wieder denken wird. 

 

Von Rørvik aus ging es am Samstag Morgen auf der Straße 771 und der Küstenstraße 17 weiter gen Norden, mit einer zur Küstenstraße gehörenden Fährpassage über den Bindalsfjord nach Vennesund - dem südlichen Tor zur Helgelandsküste. Im Dörfchen Berg in der Gemeinde Sømna verbringen wir den Rest des Tages und die Nacht auf einem kleinen Rastplatz und beobachten den Gezeitenstrom. Es ist wenig Verkehr auf der Straße, der nachts fast zum erliegen kommt. Nur ein Häufchen junges, halbgares Gemüse meinte, um Halbvier am Sonntag Morgen ihren Schabernack mit uns treiben zu müssen. Wer weiß von welcher Party die kamen. Lautes Klopfen an den Wagen, Gekicher und Lachen, und Gestöhne wie in einem Porno, fanden sie wohl recht spaßig. Na ja, bald wurde es ihnen wohl zu langweilig, niemand reagierte, und sie zogen von dannen. Irgendwie gibt es ja wohl in jeder Gesellschaft Idioten. 

 

Heute Morgen ging es erst einmal weiter nach Brønnøysund. Diesel steht momentan mal wieder bei Nkr 13,77 (rund EUR 1,35), das wird gleich ausgenutzt, bevor der Preis wieder in ein paar Minuten auf über 15 Nkr steigt.  Wassertank füllen, Toilette entsorgen, ruhigen Platz suchen und eine ausgiebige Dusche nehmen. Wassertank wieder füllen und weiter kann's gehen. Bei dieser Reise wollen wir diesmal nicht weiter auf der Küstenstraße nach Norden fahren, sondern nehmen die Straße 76 Richtung E6 - mit dem Hintergedanken, dass vielleicht, hoffentlich "unser" kleiner Platz im Tosenfjord noch frei ist. Schon von weitem erkennen wir, dass nur ein Pkw dort steht - ein Angler, wie sich herausstellt. Der aber glücklos ohne Fisch an der Angel bald wieder abgezogen ist. 

 

Es ist jetzt kurz vor sechs Uhr abends, die steife Brise ist nicht abgeflaut. Die Schaumkrönchen auf den Wellen werden mehr. Entscheidung gefallen - gleich machen wir uns auf zum größeren Stellplatz, wo wir Leo besser im Wind ausrichten können. 

Gemeinde Sømna
Gemeinde Sømna