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AUF BEKANNTEN WEGEN

Mittwoch 22. Juli

Unser weiterer Weg gen Norden führt uns auf der Strecke, die wir auch im August 2017 genommen haben - nur in umgekehrter Richtung. Am Granasjoen-Stausee verbringen wir auch am Montag, dem 20. noch einmal einen Tag mit Faulenzen. Dort auf dem Fjell in etwa 650 Metern Höhe war es recht kühl und außerdem auch verregneter Tag, den man am besten lesend verbracht hat. 

 

Von hier geht es dann am Dienstag, dem 21. zuerst nach Orkanger, weiter über Trondheim und Steinkjer. Obwohl wir noch gut mit Lebensmitteln bestückt sind, schauen wir uns im REMA-1000 Lebensmittelgeschäft in Orkanger um. Und sind sehr erstaunt. Die Obst- und Gemüseabteilung unterscheidet sich fast in nichts mehr von unseren in Deutschland. Es ist alles zu bekommen, was das Herz begehrt. Die Zeiten, in denen man Gurken “scheibchenweise“ kaufte, oder eine Paprika 4-5 EURO kostete, sind natürlich längst vorbei. Aber diese Auswahl und relativ humanen Preise ... da hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Für unseren Geldbeutel natürlich gut. 

 

Wir laufen noch einmal die Rastplätze an, auf denen wir uns beim letzten Mal so wohl gefühlt haben. Es ist ja auch spannend zu sehen, ob unsere Erinnerungen noch mit den derzeitigen Gegebenheiten übereinstimmen. So erleben wir eine erste kleine Enttäuschung auf der Straße 715, die hinter Steinkjer von der 17 aus Richtung Sundet führt. In unserem damaligen Newsletter hatten wir die Strecke folgendermaßen beschrieben: 

 

"Weiter südlich, hinter Namsos, fallen wir wieder von einer Begeisterung in die nächste. Die Straße 715 befindet sich nicht gerade in bestem Zustand ist schmal und kurvig, die Strecke aber ist hinreißend schön. Weite Moorgebiete links und rechts des Weges, durchsetzt mit schokoladenbraunen bis schwarz schimmernden Wasserflächen und Bachläufen. Zwischen lebendem Nadelgehölz strecken Baumgerippe ihre kahlen Äste aus. Dicke grüne Moospolster liegen gemütlich auf dunklem Gestein. Regenwasser sammelt sich auf den Höhen und Bergen und strömt in breiten Rinnsalen die Hänge hinab. Flüsse und Bäche sind randvoll, die Wassermassen stürzen mit ohrenbetäubendem Brausen über die Stromschnellen und Fälle. Einige führen soviel Wasser mit sich, dass sie weiß wie aufgeschäumte Milch herunter donnern. Das ist atemberaubend. ..." 

 

So war es damals. Heute brausen wir auf der mittlerweile gut ausgebauten, breiten und begradigten Straße dahin - die natürlich jetzt auch Mautgebühren kostet. Wo ist die Begeisterung von damals geblieben? Nur hin und wieder blitzt Erkennen auf. Erst auf dem Rückweg am nächsten Tag sehen wir den schönen Wasserfall, zu dem wir damals auf schmalem Fußpfad hinwandern mussten. Auch der Pfad ist verschwunden. Das Versteckte, Verwunschene, die Faszination ... ist leider im Asphalt einer Neubaustrecke zum schnelleren Vorankommen verschwunden. Hm, naja, eine schöne Landschaft ist es natürlich immer noch.

 

Erst das Örtchen Vingsand mit dem kleinen Hafen versöhnt uns wieder mit der Gegenwart und bringt die Erinnerungen damit in Einklang. Es ist geblieben, wie es war und wir freuen uns, auch diesmal wieder am Hafen eine ruhige und einsame Nacht verbringen zu können. Was wir vor drei Jahren nicht geschafft hatten (weil wir ja mit Essen im Restaurant beschäftigt waren), diesmal sind wir den nicht sehr langen Pfad über den Hügel in die nächste Bucht gegangen. Eine kleine Überraschung verbirgt sich dort. Die überall in Skandinavien entlang der Wanderwege, in Wäldern, an Seen und Flüssen vorhandenen Schutzhütten kennt ja jeder Skandinavienreisende. Aber diese hier, auf den Felsen direkt am Strand erbaute Hütte, ist schon ein besonders schönes Exemplar, wie wir finden. Geräumig genug, um mit mehreren Personen bei einer längeren Wanderung einen Schlafplatz zu finden, oder eine Strandparty zu feiern. Tische, Bänke, ein Grill ... alles vorhanden, was das Party-Herz begehrt. 

am Namsenfjord
am Namsenfjord

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute, am 22. Juli, stehen wir am Nachmittag und zur Übernachtung am Namsenfjord auf der Insel Otterøya, fast direkt hinter der Lokkaren-Brücke, die die Insel mit dem Festland verbindet. Otterøya liegt nordwestlich von Namsos, wo wir vorhin mal wieder einige Dinge verrichten konnten, wie die Toiletten- und Abwasser-Entsorgung, Tanken und unseren Gastank auffüllen. Auch diesen Platz kannten wir aus 2017 und als wir auf die Brücke zufahren, kommt ein " ... ah ja, jetzt weiß ich wieder ... " - also alles geblieben, wie es war.