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ANREISE NORWEGEN

Sonntag, 19. Juli 2020

Kurz nach 17 Uhr sind wir nach gut sieben Stunden Fahrt auf unserem heutigen Rastplatz am Stausee "Granasjøen" rund 100 Kilometer südlich von Trondheim angekommen. 

 

 

Wir haben die Route östlich der E6 gewählt - in der Hoffnung auf weniger Verkehr und ruhigeres Fahren abseits der Hauptverkehrsader Norwegens. War eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte. 

 

Aber mal von Vorn ... unser erster und bisher auch letzter Eintrag stammt vom Mittwoch dem 15. Juli, da waren wir noch auf Fünen. Übrigens waren das sehr nette Leute, bei denen wir für 10 EUR auf dem Grundstück stehen konnten. Mit einem wunderschönen, kuscheligen, alten Bauernhaus. 

 

Die Eigentümer haben das Anwesen restauriert und ihm das ursprüngliche Aussehen wiedergegeben. Sie meinten bei einem Gespräch mit Heiko, dass solche alten Bauerngehöfte doch zum dänischen Kulturgut gehörten und man diese erhalten müsse. 

 

Unter anderem schreiben sie über die Historie des Bauernhofs auf einem Willkommensschild: ".... Unser Hof wurde um 1780 erbaut. Diese Art von Bauernhof (vierflügelig, Fachwerk und mit Strohdach) war früher das typische Bauernhaus hier im westlichen Teil der Insel Fünen. Wir haben die Farm 1993 gekauft ... Seitdem haben wir unsere Zeit und unser Geld für die Wiederherstellung der Farm aufgewendet. Genießen Sie Ihren Aufenthalt hier - genauso wie wir."

 

Wir finden es wunderschön.

 

 

16. Juli

Von dort ging es am Donnerstag Morgen weiter. Ausgesucht hatten wir uns einen Stellplatz etwa 20 Kilometer südlich von Kopenhagen, an der Marina in Greve. An diesem wäre eigentlich auch nichts auszusetzen gewesen, mit Blick auf's Meer und auf die Boote in der Marina. Bis auf die drei englischen Wohnmobile, die sich dort schon reichlich häuslich niedergelassen und  a u s g e b r e i t e t  hatten. Inklusive draußen lärmenden Strom-Generatoren. Das wollten wir uns gar nicht erst antun. Ein öffentlicher Stellplatz an einem Museum in Værløse tat es für diese eine Nacht auch. Nicht schön und direkt an einer (in der Nacht wenig befahrenen) Straße gelegen, aber wir wollten ja auch nur schlafen und früh am Morgen los. 

 

17. Juli

Am Freitag war Heiko um halbfünf Uhr wach, jagte Helga aus den Federn und um sechs waren wir auf der Øresundbrücke. Ganz allein auf einer 7800 m langen Brücke. Mit unserem BroBizz, dem elektronischen Transponder aus Dänemark, ging es ohne Halt durch die Mautstelle. Überhaupt war Richtung Schweden nur sehr wenig Verkehr. Die Kontrollstelle auf Schwedischer Seite war unbesetzt, die griffbereiten Personalausweise konnten wir unbesehen wieder wegstecken. Ganz im Gegensatz zur Einreise von Deutschland nach Dänemark, wo wir noch gefragt wurden, wohin es denn gehen solle. Mit der Antwort "nach Norwegen" war der Grenzbeamte zufrieden.

 

Bis auf stockenden Verkehr auf der E6 um Göteborg herum ging die Fahrt mit nur einem Tankstopp schnell voran. In Tanumshede sind wir runter von der E6 und auf der Nebenstrecke 165 über die norwegische Grenze Richtung Halden. Jetzt waren wir erst einmal beleidigt mit den Norwegern. Da haben wir uns extra stark eingeschränkt was unseren Weinvorrat angeht, nur die geringe Menge mitgenommen, die höchstens erlaubt ist - und dann das - überhaupt keine Grenzkontrolle. Vor zwei Jahren, an der Grenze in Neiden von Finnland kommend, sah die Sache ganz anders aus. Jede etwaige Staumöglichkeit in Leo wurde von den Grenzbeamten untersucht ob sich nicht noch die eine oder andere Flasche versteckt hat. Na ja ... da war schon etwas mehr als erlaubt mit, wenn man so lange unterwegs ist ... die Strafe folgte auf dem Fuße. Das war schon recht ärgerlich!

 

Obwohl es erst früher Nachmittag ist, sind wir doch nach der kurzen Nacht und der langen Fahrt etwas erschöpft und vor allem hungrig. Unseren ersten Übernachtungsplatz auf norwegischer Seite suchen wir uns deshalb gleich in der Nähe von Halden, an der Straße 21 bei Brekke. Ein einfacher Parkplatz an einem bekannten Ausflugsziel, den Schleusen von Brekke. Mit einer wunderbar ruhigen Nacht.

 

18. Juli

Am Samstag Morgen wird sofort klar, dass es sich hier um ein bekanntes Ausflugsziel handelt. Es röhrt die Anfahrt herauf. Eine Gruppe von etwa 10 Morris-Oldtimern besetzt den Parkplatz. Schicke, gut restaurierte Sonntagsgefährte. Auch wir wollen natürlich einen Blick auf die Schleusen werfen, wenn wir denn schon mal hier sind. Und es lohnt sich durchaus. 

 

“Der Haldenkanal (norwegisch: Haldenkanalen); früher Fredrikshalds-Kanal ist ein Kanal in der norwegischen Provinz Viken unweit der Grenze zu Schweden und verbindet die Orte Skulerud und Tistedal. Er ist 80 Kilometer lang und wurde für den Transport von Baumstämmen errichtet. Über weite Strecken führt er durch bereits vorhandene Seen und verbindet sie miteinander. Der Halden-Kanal ist neben dem Telemark-Kanal das einzige Kanalsystem mit mehreren Schleusen in Norwegen. Die Entfernung zum schwedischen Dalsland-Kanal beträgt bei Otteid nur 1,5 Kilometer. Von 1827 bis 1956 gab es eine Floßstrecke. Eine schiffbare Verbindung gibt es aus finanziellen Gründen bis heute nicht.

Im Halden-Kanal gibt es 3 Schleusenanlagen mit insgesamt 8 Schleusenkammern. Die gesamte Hubhöhe beträgt 39 m. Die Schleuse von Brekke ist ein bekanntes Ausflugsziel. Mit ihrer Hubhöhe von 26,6 m in vier Kammern ist sie die höchste Nordeuropas.“ 


Durch die Schleusenbesichtigung kommen wir natürlich erst zur Mittagszeit los. Die Fahrt verläuft ziemlich unspektakulär. Es gibt hier im Südosten Norwegens keine großartigen Ausblicke wie in Fjordnorwegen im Westen oder im Norden. Wälder, Felder und Seen, eine ruhige, aber auch eine auf Dauer etwas langweilige Landschaft. Möglichkeiten für Nachtplätze sind begrenzt. Als uns gegen 15 Uhr ein netter Parklatz an einem kleinen See ins Auge sticht, ist der Entschluss kurz gefasst, wir haben zwar heute nicht gerade viele Kilometer geschafft, aber die Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen und verbringen hier eine ruhige Nacht.

 

 

Und noch einmal der 19. Juli

Jetzt sind wir also wieder am Anfang dieses kleinen Berichts gelandet, am Abend am Granasjøen Stausee, südlich von Trondheim. Heute haben wir ein schönes Stück Strecke, rund 470 Km, gen Norden geschafft. Auf den Routen 21, 20 und später auf der 3, ging es gut voran. Es war relativ wenig Verkehr, aber in entgegengesetzter Richtung gen Süden waren viele norwegische Wohnmobile unterwegs. Das haben wir bisher so noch nie erlebt. Wo die wohl alle hin wollen? Nach Spanien vielleicht ... hm. Wohl eher nicht. Die meisten Norweger werden wohl in diesem Jahr Urlaub im eigenen Lande machen, vielleicht an der norwegischen Cote Azur westlich von Oslo?

 

Es ist jetzt 21:30 Uhr - und wie der Tag begonnen hat, scheint er auch zu enden, mit Regen. Nicht schlimm ... zwischendurch war es sonnig und mild ... ach ja, und Heiko hat vier Elche auf einer Wiese gesehen. Helga war mal wieder durch Landkarte gucken abgelenkt.