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ZU VIEL IST ZU VIEL

Unsere Winterreise nach Spanien steht an. Als gewissenhafter Autofahrer gibt man seinen Wagen noch rechtzeitig in die Werkstatt, um eine Inspektion durchführen zu lassen. Diesmal zu Mercedes Benz in Kiel.

Der Wagen ist fertig und von der Werkstatt abgeholt, die Rechnung kommt per Post. Man muss also nicht sofort löhnen. Das ist für mich schon positiv.

Reisefertig geht es am Samstag Nachmittags auf die Piste gen Süden. Nun fahre ich als Rentner, den die Zeit ja nicht mehr drängt, gerne gesittete 80-90 KM/h. LEO darf ohnehin nur max. 90 fahren.

Als wir die 404 verlassen und auf der A1 Richtung Hamburg unterwegs sind, meckert mit einmal die Ölkontrollleuchte (Ölkanne) mit einer Zusatzanzeige im Display "zu viel Öl im System“. Also auf den Seitenstreifen und angehalten, Taschenlampe unterm Arm, gelbe Weste angezogen und unter die Motorhaube geschaut. Am Ölstab war kaum etwas auszumachen, das frische Öl war so hell, das es selbst mit grellem Licht nicht zu sehen war. Letztendlich war zu viel Öl am Messstab erkennbar. 

Gott sei Dank wir haben ja den ADAC. Komfortabel über die Telefon App werden Mitgliedsnummer, Namen, Fahrzeugtyp und Standortdaten gleich übermittelt. Zwei Minuten später kommt der Rückruf, kurze Abfrage der Pannenursache und der nächste Wagen ist benachrichtigt.

Keine 20 Minuten später war der Wagen vor Ort. Ursache kurz geschildert und der Fachmann schwingt sich ans Telefon und spricht mit einem Kollegen, der diese Art Panne schon kennt. Es gibt keine andere Lösung, als das überschüssige Öl abzusaugen. Die Jungens haben ja wirklich alles an Bord. Schon fingert er einen Schlauch in das Rohr in dem der Messstab steckt, setzt eine überdimensionierte Arztspritze auf den Schlauch und saugt ab. Es kommen ca.1 Ltr. zusammen. Ganz schön zu viel.

Der ADAC Mensch schickt uns wieder auf die Autobahn, drückt uns die Daumen, gibt uns seine Telefonnummer noch mit auf den Weg und den Rat, uns sofort zu melden wenn die Lampe wieder leuchtet.

Eine ganze Weile geht alles gut. Der ADAC Mensch ruft uns unterwegs noch an und fragt nach, ob alles gut läuft, was wir bejahen können. Bis dann die Lampe doch wieder aufleuchtet. Ich reduziere meine Geschwindigkeit etwas und siehe da, die Lampe erlischt. So geht es 3-4 Mal, bis wir die “Raststätte Aller Tal“ kurz vor Hannover anfahren und uns beim ADAC Menschen wieder melden. Der organisiert sofort einen neuen Kontakt zu einem seiner Kollegen in diesem Bereich. Und 12 Minuten später war auch er an Ort und Stelle. Wusste schon über alles bescheid, schritt sofort zur Tat und hat noch einmal einen halben Liter entnommen. Nun ging es wieder auf die Autobahn Richtung München. Der letzte halbe Liter hat Wirkung gezeigt. Wir konnten bis Forchheim in Franken durchfahren, aber nicht ohne aufleuchtende Kontrolllampe. Doch mit der genau dosierten Geschwindigkeit klappte es einwandfrei das Problem zu kontrollieren. In Forchheim war es zu spät, um die Werkstatt noch anzulaufen, aber am nächsten Morgen. Hier hat man gar nicht große Fragen gestellt, kannte das Problem wohl schon und hat einfach genug abgesaugt und uns gute Fahrt gewünscht.

Seither hat die Kontrollleuchte nicht mehr gemeckert. 

 

Erkenntnis:

Zu viel ist nicht immer gut.

Ist auf die Werkstatt kein Verlass mehr?

 

Der Sprinter reagiert sehr empfindlich auf überhöhte Ölmenge im System. Man sollte immer nur bis knapp unter der Maximum Marke Öl einfüllen. Bei zu viel und zu wenig Öl droht ein Motorschaden.

 

Das weiß auch die Werkstatt in Kiel. Da gab es nur den knappen Kommentar:

Da hat der Kollege es wohl zu gut gemeint.

Als ich darauf erwiderte:

dann werde ich den Ölstand jedesmal nach erfolgter Inspektion kontrollieren müssen, meinte er:

Nein, nein das war schon ein Fehler vom Kollegen.